Til Schweiger als deutscher James Dean

Kabarett der ganz feinen Art präsentierte Max Uthoff mit seinem neuen Programm "Oben bleiben" bei seinem ersten Auftritt im Alten E-Werk.

|
Oben bleiben und sich nicht unterkriegen lassen: Kabarettist Max Uthoff bei seinem ersten Auftritt im Alten E-Werk in Göppingen.  Foto: 

2008 erst erklomm der 45-jährige Jurist die Kabarettbühne und wurde schnell vom Späteinsteiger zum gefeierten Spätberufenen. Neben vielen Ehrungen gabs im letzten Jahr den Deutschen Kleinkunstpreis.

Freilich wurde ihm der Drang zur Satire von den Eltern in die Wiege gelegt, waren sie es doch, die 1965 in München das ob seiner provozierenden Scharfzüngigkeit von der Obrigkeit so gefürchtete Kabarett "Rationaltheater" gründeten. Wobei der Junior, bei Lichte betrachtet, gar kein Provokateur ist, sondern lediglich mit scharfem Blick, hellwachem Verstand und sorgfältig gewählten Worten sein satirisches Seziermesser dort anzusetzen vermag, wos besonders wehtut. Max Uthoff ist Biedermann und Brandstifter zugleich, wobei er lediglich kräftig in die Glut bläst und es seinen Zuhörern überlässt, sich am kabarettistischen Freudenfeuer zu ergötzen, verlangt doch sein fast zweistündiges Plädoyer konzentriertes Zuhören.

"Um zu sein, musst du aufgeben, was du bist", sagt Uthoff und leitet über zur Familienministerin Schröder, die Jugendliche vor schädlichen Einflüssen schützen möchte: "Dabei ist sie selbst mit 14 in die Junge Union eingetreten." Fernsehen besteht nur noch aus Mord und Kochen ("entweder Löffel abgeben oder Löffel ablecken") und Til Schweiger ist für Uthoff der deutsche James Dean: "Fehlt halt noch der Autounfall."

Der gstandene Münchner ist überzeugt, dass die bayerische Politik die Fesseln der Logik längst überwunden habe, erklärte doch Innenminister Herrmann allen Ernstes: "Wenn einer was gegen Online-Überwachung hat, dann soll er halt das Online nicht aufmachen." Schuld an allem hat freilich Newton: "Hätt" der nicht die Schwerkraft erfunden, wärs uns heut allen leichter."

Angela Merkel ist für den Kleinkunstpreisträger die "Kaltmamsell des Kapitals", würden doch selbst eingefleischte Hütchenspieler die europäische Finanzpolitik als unseriös empfinden, derweil man sich bei Gaucks Reden gleich doch "geistig völlig entsorgt" fühle.

Max Uthoff liebt es nicht, Schlag auf Schlag Pointen zu setzen. Sein Wortwitz unterliegt der feinsinnig-gründlichen Betrachtungsweise, die, bis es zur erhellenden Analyse kommt, bis die Verstrickungen und Klüngeleien der Mächtigen dem satirischen Scharfrichter-Beil zur Vollstreckung übergeben werden, dem Publikum ein Höchstmaß an konzentriertem Zuhören abverlangt.

Am Schluss denn auch eher zaghafter Applaus. Die geballte Wucht an Ausführungen muss erst einmal verdaut werden, um dann am nächsten Morgen sagen zu können: "Recht hat er, der Uthoff."

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Frischzellenkur für Notare

Am 1. Januar tritt die Notariatsreform in Kraft: Für Bürger ändert sich einiges. Die Grundbücher werden nun zentral in Ulm verwaltet. weiter lesen