Theaterstück „Fahraway“: Flucht und Suche dominieren

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Um die Dissonanzen des Dazwischen ging es in „Fahraway“.  Foto: 

Angel (Sofie Leplae) zählt die Sterne. Eine unscheinbare Szene aus dem Theaterstück „Fahraway“, allerdings mit großer Symbolkraft: Wenn man keine Heimat mehr hat, scheinen die Sterne in ihrer beinahen Unveränderlichkeit zur Heimat zu werden. Allen Personen des Stücks ist gemeinsam: Sie sind auf der Flucht, auf der Suche – Fahraway beschreibt die Suche nach einem friedlichen, chancenreicheren Leben. Der Theateransatz der Regisseurin Dagmar Ransmayr ist das „Theater der Unterdrückten“ nach Augusto Boal.

Die Hauptszene spielt in einem Bus, der aus einfachen Mono-Block-Stühlen besteht. Die weißen Plastikstühle, die es auf der ganzen Welt gibt, bilden das einzige Requisit des Stücks. Zunächst realisiert Osas Imafidon die Rolle des Busfahrers und verleiht der Rolle eine ungemein lebendige Note – eingebunden in die Musik der Rolling Stones, die sozusagen als Soundtrack für das Stück fungiert. Einen Protagonisten gibt es nicht. Doch plötzlich und scheinbar grundlos wechselt der Busfahrer, feinsinnig von nun an gespielt von Markus Payer, der die Schicksalsgemeinschaft weiter ins Ungewisse lenkt. Es wird gehofft: „Ich möchte in das Land, wo im Sommer die Blumen blühen und im Winter die Flocken tanzen – und alle leben in Frieden.“ Es wird gebangt: „Niemand braucht euch, niemand hat euch gerufen (unter dem Bett sitzt der Wolf).“ Und getanzt.

Abseits der Busfahrer-Szenerie wurden Themen wie das Schleppertum und Generationenkonflikte auf die Bühnenbretter transportiert. Die Schauspieler waren immer authentisch, gesprochen wurde mehrsprachig beziehungsweise gemischtsprachig. Die unterschiedlichen Sprachen und Charaktere erzeugten durchgängig eine lebendige, mitreißende Komposition der Viefalt, die sich wohlklingend im Theaterraum verbreitete und im Publikum jede Menge Resonanzen fand. Die darüber hinaus gespielten Dissonanzen, die ein Leben eines Geflüchteten mit sich bringt – sie transportierten ein Lied, ein Leid aus Überleben, aus Warten, aus Dazwischen und einem Weder-Noch, das in einem unerwarteten Ende gipfelte.

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