Telekom-Bau: Stadt will Bürokomplex im Reusch nicht nutzen

Der vor drei Jahren angekündigte Abriss des Telekom-Hochhauses im Göppinger Reusch lässt auf sich warten. Stattdessen ist das Gebäude Teil des politischen Ränkespiels zwischen Stadt und Landkreis geworden.

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Sechsgeschossig steht es weithin sichtbar da - das Telekom-Haus im Reusch. Dabei schien vor drei Jahren das Schicksal des "Weißen Riesen" schon besiegelt. Damals hatte Göppingens Oberbürgermeister Guido Till angekündigt, die Telekom wolle das erst 28 Jahre alte Betriebsgebäude im Müglitzer Weg abbrechen. Stattdessen hatten die Fachleute der Stadt Eigenheime und Mietshäuser in den Bebauungsplan-Entwurf für das Areal eingezeichnet - um neuen Wohnraum zu schaffen. Eine Vermietung der 7500 Quadratmeter Nutzfläche in dem Bürogebäude sei jedenfalls "wegen des Zuschnitts der Räume nicht möglich", hieß es damals. Da die Telekom die Flächen nicht mehr brauche, sei der Abbruch besiegelt. Die Telekom habe einen Projektentwickler mit der Vermarktung beauftragt, sagte Till im Mai 2012.

Daraus wurde bisher nichts. Telekom und Stadt machten sich gegenseitig dafür verantwortlich, dass es nicht weiter ging. Erst vor wenigen Tagen gab sich das Kommunikationsunternehmen auf Anfrage der NWZ erneut wortkarg: Man sei noch "in der Planungsphase", teilte ein Sprecher der Telekom lediglich mit. Weitere Fragen zu der Immobilie könne man nicht beantworten.

Abbruch im Moment kein Thema

Vom Abbruch redet derzeit aber keiner mehr. Im März hatte der Göppinger Oberbürgermeister sogar mit dem Vorschlag überrascht, die Landkreisverwaltung solle in den leeren Koloss als Mieter einziehen, statt für schätzungsweise 30 Millionen Euro die dringend benötigte Erweiterung des Landratsamts zu bauen. Dieser Vorstoß des OB wiederum hatte kritische Nachfragen provoziert. Das Pikante: Auch die Stadt Göppingen wünscht sich neue Räume, um ihre verstreuten Dienststellen zu bündeln. Das "Rathaus II" soll aber am Bahnhof neu gebaut werden - ebenfalls für geschätzte 30 Millionen Euro Baukosten. Die Fraktion von Linken und Piraten (Lipi) wollte unter anderem wissen, ob Till das Telekom-Hochhaus auf seine Eignung als Verwaltungssitz für die Stadt geprüft habe.

Am Montag ließ Till über seine Pressestelle ausrichten, er habe sich zusammen mit dem Baubürgermeister und weiteren Fachleuten aus dem Rathaus das Telekom-Haus angesehen. Für ein stark frequentiertes städtisches Verwaltungsgebäude eigne es sich "aufgrund der Lage in einem Wohngebiet" nicht. "Daher werden wir unser Vorhaben, ein verkehrsgünstig gelegenes Verwaltungszentrum am Bahnhof zu errichten, weiterverfolgen", so Till.

"Gebäude macht (...) einen guten Eindruck"

Es bestätigt sich jedoch, dass der Komplex, der baurechtlich in einem "Sondergebiet Post" steht, alles andere als abbruchreif ist. In der von der Stadt am Montag verschickten Stellungnahme heißt es nun: "Das Gebäude macht nicht nur von außen, sondern auch im Inneren einen guten Eindruck. Die Bausubstanz ist gut. Nach Meinung der Fachleute kann das Gebäude nach einer überschaubaren Sanierung weiter als Verwaltungsgebäude genutzt werden." Für die Stadt komme es aber nicht in Frage.

Das Betriebsgebäude im Müglitzer Weg ist nicht die einzige leerstehende Großimmobilie der Telekom in Göppingen. Auch für das unter Denkmalschutz stehende Salamander-Werk in Faurndau hat das Unternehmen nach dem Weggang ihrer Tochterfirma VCS kaum noch Verwendung. Ein Unternehmenssprecher sagte, die Telekom nutze nur Teile davon weiterhin selber, der Rest soll vermietet werden.

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