Technische Visionen bildhaft übersetzt

Viele Besucher werden sich noch an seine Einzelausstellung im Jahr 2010 auf Schloss Filseck erinnern. Am Dienstag starb der Künstler und Grafiker Klaus Bürgle im Alter von 89 Jahren in Göppingen.

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Klaus Bürgle war in den 50er und 60er Jahren weltweit bekannt für seine hyperrealistischen und zugleich visionären, farbigen Pinselzeichnungen zur Raumfahrt. Später galt seine Leidenschaft den zeichnerischen Porträts von Oldtimern und besonderen Autos der Gegenwart: von Mercedes, Maybach, Bugatti und Aston Martin.

Klaus Bürgle wurde 1926 in Stuttgart geboren und wuchs in Ludwigsburg und Göppingen auf. 1948 begann er eine Grafikerlehre und studierte von 1948 bis 1949 an der Kunstakademie Stuttgart.

1949 zeigte Bürgle im Schaukasten der Buchhandlung Herwig seine ersten Weltraumzeichnungen, ein Freund machte dazu Texte. In den Jugendbuchverlagen wurde man auf den talentierten Zeichner aufmerksam. Ab 1949 wurden seine einzigartigen Weltraumzeichnungen publiziert, zuerst im legendären Jahrbuch "Das Neue Universum", dann in Magazinen wie "Bild der Wissenschaft" oder "hobby". Klaus Bürgle erfand Bilder für die Naturwissenschaften und für die Weltraumforschung. 1978 etwa zeichnete er die Brücke von Messina, die es nach mehreren Anläufen bis heute nicht gibt. Er illustrierte Wissenschaftsbücher, und in den populären TV-Sendungen von Professor Heinz Haber bildeten seine Zeichnungen den Hintergrund.

Wie nur wenige Illustratoren zeichnete Bürgle die Fähigkeit aus, Entwicklungen und Visionen der Technik, die im Werden begriffen sind, in bildhafte Vorstellungen zu übersetzen. 1953 erschien Wernher von Brauns Buch "The Conquest of the Moon", 1969 betrat im Zuge der Mission Apollo 11 der erste Mensch den Mond. "In diesen 16 Jahren konnten wir träumen", sagte Klaus Bürgle einmal.

Klaus Bürgles Zeichnungen illustrierten immer populärwissenschaftliche Texte, in denen die Leser an dem technischen und wissenschaftlichen Fortschritt teilhaben konnten.

In den 70er Jahren gaben Zeiss Oberkochen und das Planetarium Stuttgart 360-Grad-Rundumprojektionen von Mond, Mars und Jupiter sowie Panoramen von Stuttgart bei Tag und bei Nacht bei Klaus Bürgle als farbige Zeichnungen in Auftrag. In den 80ern veränderten sich die Perspektiven für den Grafiker und Illustrator. Nun interessierte ihn der Mythos legendärer Autos, in seinen Zeichnungen wurde das Besondere dieser Autos transportiert.

Klaus Bürgle lebte mehr als 70 Jahre lang in Göppingen. Er bleibt als Illustrator einer der großen Künstler mit der Fähigkeit, sich die technischen Fortschritte und Entwicklungen zusammen mit den Forschern vorzustellen und sie fotografisch genau ins Bild zu setzen.

Die Kunsthalle Göppingen hat 2010 den Meister der visionären Illustration, den eine enge Freundschaft mit Klaus Heider (1935-2012) verband, mit seinen Weltraum-Zeichnungen und Autos auf Schloss Filseck ausgestellt, dazu erschien das Buch "Klaus Bürgle. Zurück in die Zukunft", das längst vergriffen ist. Im gleichen Jahr hat die Kunsthalle begonnen, ein Archiv über die Arbeit von Klaus Bürgle anzulegen.

Die Trauerfeier für Klaus Bürgle findet am Dienstag, 7. Juli, 13 Uhr auf dem Göppinger Friedhof statt.

Info Der Autor Werner Meyer ist Leiter der Kunsthalle Göppingen.

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