Die Angst fährt im Taxi immer mit

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Der Vorfall aus Süßen beschäftigt die Göppinger Taxifahrer. Eine Kollegin wurde Opfer eines Raubes, als sich zwei Männer gegen 6 Uhr morgens von Geislingen nach Süßen fahren ließen. Als es ans Bezahlen ging, bedrohte einer der beiden 38-jährigen Männer die Taxifahrerin mit einem Messer und nahm ihr die Geldbörse ab. Am Montag nach Neujahr wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen, nachdem die Polizei den flüchtigen Tatverdächtigen in Süßen hatte ermitteln können. Die Taxifahrer am Göppinger Bahnhof sind alarmiert, nachdem vor einigen Jahren schon einmal eine Göppinger Taxifahrerin schwer verletzt worden war und den Überfall nur knapp überlebt hatte (siehe Infobox).

Die meisten Taxifahrer am Göppinger Bahnhof sagen, dass die Angst immer mitfahre, es sei denn, es handle sich um Stammkunden. Und einige fahren deswegen nur noch tagsüber, weil die Gefahr, überfallen zu werden, nachts oder am frühen Morgen, wenn es noch dunkel ist, ungleich höher sei. Überraschend ist die Antwort auf die Frage, ob und wie sie sich schützen und ob sie beispielsweise etwas zur Verteidigung an Bord ihres Autos dabei haben. Keiner der befragten Chauffeure in Göppingen hatte etwas dabei. Sie sprechen von einem unangenehmen Gefühl, wenn jemand im Wagen hinten sitze, bis zu Angst und dem Gefühl, schutzlos zu sein.

Ein 52-jähriger Taxifahrer, seit zehn Jahren im Geschäft und selbstständig, der seinen „Namen nicht in der Zeitung lesen“ möchte, sagt, man müsse „Täter zur Abschreckung aufs Härteste bestrafen und die vorhandenen Gesetze auch umsetzen“. Er verspricht sich wie seine Kollegen für die Sicherheit am meisten von einer Trennscheibe zwischen Fahrer- und Fahrgastraum. Dies müsse der Gesetzgeber vorschreiben. Mustafa Akkilinc, der türkischer Abstammung ist, seit 1987 in Deutschland lebt und seit 20 Jahren in Göppingen Taxi fährt, unterstützt diese Forderung seines Kollegen nach einer Trennscheibe, wie es sie beispielsweise in den USA gebe. Auch er ist früher noch nachts gefahren, seit zwei Jahren fährt er aus Vorsicht nur noch tagsüber. Man dürfe nichts zur Verteidigung im Auto haben, sagt er, das wisse er vom Gewerbeaufsichtsamt. Wenn man von hinten während der Fahrt angegriffen werde, nütze das ohnehin wenig. Und wenn Leute nach dem Ende der Fahrt einfach die Tür aufmachen und abhauen, nütze es auch nichts. Es seien ihm auch schon Kopfstützen gestohlen worden, berichtet Akkilinc. Er könne sich nicht gegen einen Überfall schützen, obwohl er mit der Taxizentrale verbunden sei und es in jedem Taxi ein Not­alarmsystem gebe.

Nicht nur er, auch andere Kollegen berichten davon, dass es Kunden gebe, die sich so ihrer Verpflichtung zum Bezahlen entziehen. Hussein Bakari berichtet von jungen Männern zwischen 20 und 30 Jahren, die von der Disco am Morgen betrunken nach Hause wollten, das sei besonders unangenehm und „immer ein Risiko“. Bakari, der aus Syrien stammt, fährt seit fünf Jahren Taxi und wegen der Gefahren ebenfalls nur noch tagsüber. Er habe auch schon die Polizei rufen müssen, sagt er. Dabei lohne es sich überhaupt nicht, einen Taxifahrer auszurauben, denn der habe nicht viel Geld bei sich.

Auf das Thema Videoüberwachung am Bahnhofsvorplatz angesprochen, fänden dies die meisten Taxifahrer gut, seitdem es dort immer wieder Treffen von Jugendlichen gibt, die Stress machen. Bakari ist nicht der einzige, der dann sein Taxi von innen verriegelt. Außer einer Trennscheibe, die gesetzlich vorgeschrieben sein müsse, wünschen sich die Fahrer vor allem mehr Polizei­präsenz.

Fall: Im Dezember 2011 wurde in Heiningen eine Taxifahrerin niedergestochen und fast getötet. Wegen versuchten Mordes und schweren Raubes mussten sich ein geständiger 20-Jähriger und seine 17-jährige Ex-Freundin vor dem Ulmer Landgericht verantworten. Dieses verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten, die schwer gestörte junge Frau kam in ein psychiatrisches Krankenhaus.

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