Szenische Collage mit Leben erfüllt

Mit "Engel" geht das Göppinger Theater "dacapo" der Frage nach, was erleben die Protagonisten wirklich und was nicht? Was kann sein und was nicht? Ungewohnt, sehenswert und exzellent gespielt.

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Was ist Realität und was nicht? "Engel"-Premiere des Theaters "dacapo".

"Man sagt ich sei schön, aber, das mag am Licht liegen oder am Alkohol", schließt Barkeeperin Asta (Regina Gentsch) ihr Lokal der rätselhaften Absurditäten auf, in dem die Erinnernden, Vergessenden und Verdrängenden schonungslos ihr heilloses Durcheinander an Gedanken, Gefühlen, Widersprüchen und Verletzungen offenbaren.

Als eine Art Conférencieuse wird Asta an diesem Abend noch jede Menge sagen, meist mit monotonem Klang kennt die "stille" Beobachterin nicht nur die Getränke, sondern auch die Namen ihrer Gäste und deren groteske Geschichten. Bruchstückhaft, oft werden den Zuschauern die spröden Gesprächsfetzen wie Brocken hingeworfen, agieren die Mimen gewohnt professionell in rund 23 Einzelszenen oder schieben die mit textilen Leuchtschnüren verzierten Trennwände (tolle Idee) begleitet von Musik (Wolf Schweizer-Gerth) flugs hin und her.

Doch wer weiß schon, wo man einen Engel trifft? Vielleicht nachts in einer Bar, zu Hause, in einem Hotelzimmer oder doch tagsüber, in einem Tattoo-Studio, auf der U-Bahn-Treppe? Oder verweilt das Himmelswesen gar in Polen, in einem Restaurant oder mitten der Dünen?

Aufgeteilt in "Verletzung", "Gedanken" und "Herz" begegnen sich die "Suchenden", die manchmal über ihre eigenen Füße stolpern, für die Dauer eines Glases Rotwein, Bieres oder einer Schale Erdbeeren. Der aus dem Gedächtnis heraus malende Hardy, Hartmut Kopetzki (faxe Helmle) behauptet, in Polen gesehen zu haben, wie Olaf (Sebastian Langenhagen), das ist der mit dem freien Zimmer, die im Sand zurückgelassene Elisabeth (Anika Müller) ermordet hat. Oder Hanno Biskop (Gerhard Schelle), der nach dem Tod seiner Frau an Tochter Heike (Margarete Kienzle) hängt, bis die verstorbene Sonja/Elfi (Barbara Langensteiner) plötzlich wieder Einlass begehrt. Und Axel (Klaus Wolfframm), der nostalgische Liebhaber mit Vorliebe für die Farbe Rot, seien es Haare oder Früchte, welcher das vor 19 Jahren mit Ulla (Barbara Rummel) gefundene Glück, in Zimmer 29 wieder aufleben lassen möchte. So bunt wie ein Kaleidoskop ist diese moderne Szenerie mit Momenten von Melancholie, Zärtlichkeit, Leidenschaft, Hoffnung, Verzweiflung, Wut, Ironie und auch Leere. Eben normale Leute mit normalen Neurosen.

Bei der "Engel"-Premiere im Göppinger Odeon waren manche der zahlreichen Zuschauer hin- und hergerissen. Einerseits gebührt allen Darstellern großer Respekt für die beeindruckende schauspielerische Leistung, andererseits, wer einen Abend der leichten Unterhaltung mit Entspannungsfaktor suchte, war fehl am Platze. Anja Hillings Stück lässt sich in keine Schublade stecken und ist wie angekündigt eine "Vergessens- und Gedächtnis-Collage", die keinen schlüssigen Sinn ergibt und aus verschiedenen Beziehungsschnipseln um das ewige Thema "Liebe und Geborgenheit" konfus zusammengeklebt ist.

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