Stühlerücken im Göppinger Gemeinderat

In Göppingen wurden die Karten bei der Gemeinderatswahl neu gemischt: CDU, SPD und FDP/FW müssen Federn lassen, die Grünen legen zu. Die Linke gewinnt einen zweiten Sitz. Erstmals geht ein Pirat an Bord.

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Kurz nach halb fünf waren alle Stimmen ausgezählt. Doch wohin im Göppinger Gemeinderat die Reise nach der Wahl gehen wird, hatte sich schon am Nachmittag angedeutet. Als das Endergebnis feststand, hielt sich die Überraschung deshalb in Grenzen. Die CDU verliert gegenüber der Wahl 2009 einen Sitz, bleibt aber mit elf Mandaten stärkste Kraft im Rathaus. Auf Platz zwei landet die SPD mit acht Sitzen (minus eins), die FDP/FW-Fraktion verliert zwei Sitze und hat jetzt noch fünf Mitglieder, die Grünen verbessern sich von sechs auf sieben Sitze, die FWG-Fraktion kommt auf sechs Sitze (minus zwei). Die Linke stellt künftig zwei statt einen Vertreter. Neu an Bord sind im Stadtparlament die Piraten (ein Sitz).

Was das Wahlergebnis für die künftigen Mehrheitsverhältnisse bedeutet, ist noch unklar. Vieles wird davon abhängen, welche Richtung die Freien Wähler Göppingen (FWG) – erst in der vergangenen Legislaturperiode aus der VUB und der BAG entstanden – einschlagen werden. Stefan Horn ließ schon mal durchblicken, dass die ehemaligen BAG-Leute – er ist einer von ihnen – versuchen werden, den Kurs stärker zu bestimmen. Nur noch zwei der sechs Fraktionsmitglieder stammen von der früheren VUB, darunter Fraktionschef Wolfram Feifel, der davon ausgeht, dass er wieder Fraktionsvorsitzender wird. Horn scheint das anders zu beurteilen. „Das werden wir sehen“, meinte er mit Blick auf das Ergebnis, das „nicht den von der Fraktion gesteckten Zielen entspricht“. Neu in der Fraktion ist Annemarie Schewe.

Das neue Auszählungsverfahren

Auch bei der CDU ist künftig wieder eine Frau an Bord: Franziska Cless, 31 Jahre. Darüber freut sich der stellvertretende Fraktionschef Jan Tielesch ganz besonders. Auch sonst ist er mit dem Ergebnis „zufrieden“. Tielesch verwies auf das neue Auszählungsverfahren, das nun mal kleinere Parteien begünstige. Die CDU bleibe trotzdem „die führende Kraft in der alten Arbeiterstadt Göppingen“. Auch SPD-Fraktionschef Armin Roos ist mit dem Abschneiden der Genossen „insgesamt zufrieden“.

In Grenzen hält sich die Enttäuschung bei FDP/FW-Fraktionschef Klaus Rollmann: Obwohl man unter dem bundesweiten Trend gegen die FDP gelitten habe, sei die Arbeit der Freien Wähler vom Bürger honoriert worden. Rollmann will einen späteren Zusammenschluss mit der FWG nicht ausschließen. Dazu müssten aber „Ziele und Denkweise“ beider Fraktionen übereinstimmen, sagte er. Guter Dinge war gestern Christoph Weber, Fraktionschef der Grünen. Einen Sitz hinzugewonnen gegenüber 2009 – damit habe man den „Wahnsinnserfolg“ noch übertreffen können. Schmerzhaft sei jedoch – das sehen alle Parteien so – die geringe Wahlbeteiligung von 37,7 Prozent. Vor fünf Jahren lag sie noch bei 40,1 Prozent.

Riesige Freude herrscht bei der Linken: Der bisherige Einzelkämpfer Christian Stähle bekommt Unterstützung. Die 47-jährige Migrantin Hüsnüye Yalcinkaya zieht neu in den Gemeinderat ein und sagt: „Mit Christian habe ich viel vor.“ Stähle meinte über die vergangenen fünf Jahre: „Ich habe im Gemeinderat polarisiert, aber es war immer für die Bürger. Ich bin kein Quertreiber.“

Erstmals schicken auch die Piraten einen Vertreter ins Stadtparlament. Die Linke will mit ihm eventuell eine Fraktion gründen.

OB Guido Till demonstrierte Gelassenheit: „Verschiebungen gehören zur Demokratie. Aber je extremer die Ränder, desto größer die Solidarität in der Mitte“, sagte er. Leider werde aber wohl die Schärfe der Debatten nun fortgesetzt. Till: „Das ist der Wunsch des Wählers.“
 

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