Streit um Münch-Denkmal vor der Lösung

Im Denkmalstreit zwischen der Stadt Göppingen und der Schloss-Filseck-Stiftung stehen die Zeichen auf Entspannung. Im Gemeinderat deutet sich eine Mehrheit für die Rückgabe des Münch-Gedenksteins an. Mit einem Kommentar von Helge Thiele.

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Scheinbar unverrückbar steht er da – der Gedenkstein für August Freyherr von Münch. Der Adelsspross starb Mitte des 19. Jahrhunderts mit nur 23 Jahren. Seine schmerzerfüllten Eltern setzten ihm ein Denkmal, das jetzt zum Stein des Anstoßes wurde: Im frisch angelegten Garten des Göppinger Museums im Storchen macht sich die Stele zwar sehr gut. Doch ursprünglich stand sie mehr als ein Jahrhundert lang auf Schloss Filseck, dem Wohnort des Freyherrn. Erst nach dem Schlossbrand im Jahr 1971 wurde der Stein nach Göppingen gekarrt, um ihn zu sichern.

Kürzlich wollte die Schloss-Filseck-Stiftung der Kreissparkasse das Werk zurück haben, um damit den neuen Landschaftspark aufzuwerten. Doch Stiftung und Förderkreis bissen auf Granit: Noch vor wenigen Wochen beharrte die Stadt Göppingen darauf, die Stele zu behalten, denn sie war felsenfest überzeugt, es handele sich jetzt um Kulturgut des Museums im Storchen.

Nun liegt die Lösung des Konflikts in der Luft. Die Stadtverwaltung selber brachte den Stein ins Rollen: Morgen beraten die Göppinger Lokalpolitiker hinter verschlossenen Türen über einen möglichen Kompromiss. Die Stadt will vorher nicht Stellung nehmen. Die meisten Stadträte finden es aber offenbar keinesfalls in Stein gemeißelt, dass das Denkmal in Göppingen bleibt. Es deutet sich eine Mehrheit für die Rückgabe an – auch wenn sich einige Fraktionen noch nicht endgültig festgelegt haben.

Für die CDU rechnet Fraktionschef Felix Gerber damit, dass die Mehrheit für die Rückgabe ist: „Das eignet sich nicht, ein großes Streitthema draus zu machen“, findet der Christdemokrat. SPD-Fraktionschef Armin Roos sagt, das Umdenken der Stadt werde in seiner Fraktion positiv gesehen, schließlich habe der Gedenkstein damals nur Asyl in Göppingen bekommen und passe besser in die Filseck-Umgebung. Für Christoph Weber (Grüne) ist es eindeutig: Seine Fraktion plädiert für die Rückgabe und eine friedliche Einigung. „Die ursprüngliche Haltung der Stadt finden wir nicht sehr ruhmreich“, sagt Weber.

Auch bei der FDP/FW deutet sich laut Fraktionschef Klaus Rollmann als „erster Tenor“ ein Ja zur Rückgabe an. Der Gedenkstein wäre damit nicht verloren, sondern werde nur ein paar Kilometer weiter der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auch Michael Freche aus der Fraktion von Linken und Piraten (Lipi) betont als persönliche Meinung, das Münch-Denkmal bliebe auf diese Art schließlich dem Landkreis erhalten. Fraktionschef Dr. Emil Frick von den Freien Wählern Göppingen (FWG) schwimmt gegen den Strom: „Das Denkmal soll bleiben, wo es jetzt ist“, findet er, räumt aber ein, dass es in seiner Fraktion auch andere Sichtweise geben könne.

Thomas Wolf, der Geschäftsführer der Schloss-Filseck-Stiftung sagte am Dienstag, er habe noch keine konkreten Informationen darüber, wie es mit dem Münch-Denkmal weitergeht. „Ich würde es jedoch außerordentlich begrüßen, wenn es auf seinen angestammten Platz zurückkehren könnte“.

Ein Kommentar von Helge Thiele: Göppingen kriegt die Kurve

Da hat die Stadt Göppingen offenbar gerade noch die Kurve gekriegt: Im Gemeinderat zeichnet sich eine breite Mehrheit dafür ab, das Münch-Denkmal, das nach dem Brand auf Schloss Filseck im Jahre 1971 vorübergehend am Storchen aufgestellt wurde, den neuen Schlossherren zurückzugeben. Morgen wird das Thema nichtöffentlich vorberaten, im Laufe des Monats wollen die Stadträte den endgültigen und verbindlichen Rückgabe-Beschluss fassen. Peinlich genug, dass die Stadtverwaltung den Gedenkstein, der seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Park von Schloss Filseck seinen Platz hatte, erst nicht herausrücken wollte und den Verantwortlichen der Schloss-Filseck-Stifung die kalte Schulter zeigte. Es wäre ein kulturelles Armutszeugnis gewesen, wenn es bei dem Nein geblieben wäre. So aber kann ein größerer Scherbenhaufen samt Totalblamage vermieden werden. Der Gedenkstein kehrt dorthin zurück, wo er hingehört und die für Herbst 2016 vorgesehene Einweihung des völlig neu gestalteten Landschaftsparks Schloss Filseck kann ohne Misstöne gefeiert werden. Profitieren werden davon auch die Göppinger. Der künftige Schlosspark auf Uhinger Markung wird die Attraktivität des Landkreises stärken. Kultur und die Rückbesinnung auf die eigene Geschichte sind dabei wichtige Elemente. Göppingen hätte sich und allen Beteiligten den skurrilen Denkmal-Streit ersparen können, zum Glück bleibt’s nun bei einem blauen Auge.

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