Streifzug durch die Geschichte der Syphilis

Das "MuSeele" in Göppingen zeigt seit November die Ausstellung "Lustwandel". Sie beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Psychiatrie und Sexualität und kann bis Ende Oktober besichtigt werden.

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Die Sonderausstellung "Lustwandel" im "MuSeele", das sich im Dachgeschoss des alten Badhauses im Christophsbad befindet, soll Besuchern die Themen Sexualität und Psychiatrie näher bringen. Denn die sexuelle Entwicklung ist für das seelische Gleichgewicht des Menschen von besonderer Bedeutung. Die Ausstellung beginnt auf unkonventionelle Weise: in der Herrentoilette. Dort ist der erste Kondomautomat, der in einer psychiatrischen Klinik Verwendung fand, aufgestellt. Gerade weil das stille Örtchen zu den Themen gehört, über die nicht gerne in der Öffentlichkeit gesprochen wird, wurde das Herrenklo als Ausgangspunkt der Ausstellung gewählt. "Damit wollen wir ein Tabu brechen", erklärt Rolf Brüggemann, Vorsitzender des Vereins "MuSeele", der die Ausstellung leitet.

Obwohl viele Menschen nicht gern über Sexualität reden, sei es wichtig, dass Aufklärung stattfindet. Brüggemann ist es ein Anliegen, dass Menschen sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen. Nicht nur die Immunschwächekrankheit Aids ist immer mehr auf dem Vormarsch, auch an Syphilis erkranken heutzutage wieder mehr Menschen. Zwar muss die Krankheit nicht sofort ausbrechen, der Virus befindet sich trotzdem im Körper. Daher sei es unabdingbar, dass die Bevölkerung über den Schutz vor solchen Krankheiten, die Heilungschancen und -methoden informiert wird. Schor im frühen 20. Jahrhundert wurde mit Plakaten vor den Gefahren, die der Geschlechtsverkehr mit sich bringt, gewarnt. Man versuchte beispielsweise durch Totenköpfe oder symbolische Todesdarstellungen, Menschen vom "unkeuschen" Liebesakt abzuhalten.

Heute dagegen gestaltet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung humorvolle Plakate. "Angst machen ergibt keinen Sinn. Das Beste sind sachlich-lustig Plakate", findet Brüggemann. Auch im "Kino-Kabuff" wird das Thema Syphilis aufgegriffen. Der einstündige Film "Feind im Blut", der 1930 in der Schweiz gedreht wurde, verdeutlicht, wie groß die Furcht vor Syphilis vor fast einem Jahrhundert gewesen sein muss. Es wird klar, dass die Erkrankung viel Leid mit sich brachte. Zum einen wird die Angst vor dem Ausbruch der Krankheit dargestellt, zum anderen auch die Schmerzen, die ein Erkrankter erleiden musste - lange Zeit ohne Hoffnung auf Heilung. Erst als Penicillin entdeckt wurde, konnten Betroffene behandelt werden.

Weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind handgefertigte Wachsmodelle, die das Ausmaß der Syphilis-Erkrankung plastisch darstellen und nichts für Besucher mit schwachen Nerven sind. Sie stellen die erkrankten Körperteile dar. Die sogenannten Moulagen stammen aus der Hautklinik der Universität Tübingen. Rolf Brüggemann findet das Thema der Ausstellung sehr wichtig. "Sexuell Kranke und psychisch Kranke werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Wir müssen ihnen die Möglichkeit geben, mit jemandem zu reden", davon ist er überzeugt.

Info Die Ausstellung ist mittwochs von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet sowie nach Vereinbarung unter Telefon: (07161) 6019712.

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