Stelldichein der Burgforscher

Der Landkreis Göppingen will sich in den kommenden Jahren nachhaltig der mittelalterlichen Burgenforschung widmen. Am Samstag fand zu diesem Projekt auf Schloss Filseck bei Uhingen ein Symposium statt.

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"Ein Nagel enthält ein Eisen, das Eisen ein Ross, das Ross den Mann, der Mann eine Burg und die Burg das ganze Land." Man könne mit solch einem Sprichwort die Bedeutung von Burgen beweisen, man könne dazu aber auch ein Symposium mit dem Titel "Adel-Herrschaft-Burg" veranstalten und damit die mittelalterliche Burgenforschung in den Blickpunkt des Interesses rücken. So eröffnete der Göppinger Landrat Edgar Wolff am Samstag die Veranstaltung auf Schloss Filseck.

Wolff erläuterte: "Heute gibt es nicht nur einen historischen Rückblick, sondern auch einen spannenden Ausblick zum Thema Burgenprojekt, das praktisch zum 75-jährigen Bestehen des Landkreises startet und den sanften Tourismus stärken sowie stetig weiterentwickeln soll."

Die Stauferzeit gilt als Blütezeit des Burgenbaus, fasste Wolff zusammen. Bereits um 1070 entstand die Stammburg des Geschlechts auf dem Hohenstaufen. Auch die Wurzeln des Schloss Filseck lägen in jener Epoche. Der nunmehr 18. nachweisbare Besitzer, die Schloss-Filseck-Stiftung der Kreissparkasse Göppingen, möchte in den kommenden Jahren einen ausgedehnten Landschaftspark rund um das Gebäude entstehen lassen. "Dafür investiert die Stauferstiftung 2,5 Millionen Euro", verrät Wolff.

Ohnehin habe das Gebiet des heutigen Landkreises Göppingen in Sachen Burgen sehr viel zu bieten, so Wolff weiter. In einer Beschreibung des Landkreises Göppingen aus dem Jahr 1973 heißt es, dass man im Spätmittelalter auf der Fläche des heutigen Kreisgebiets etwa alle drei Kilometer auf eine Burg hätte stoßen müssen, davon seien immerhin zwischen 60 und 70 nachweisbar.

"In den kommenden Jahren will sich der Landkreis nachhaltig der Erforschung und Dokumentation seiner Burgen widmen", erklärte Wolff. Dabei würden Kreisarchiv und Kreisarchäologie eng mit dem Institut für Geschichtliche Landeskunde der Universität Tübingen zusammenarbeiten. Die Ergebnisse der neuen Forschungen sollen der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden - via Informationstafeln, Online-Angeboten, durch partielle Rodung oder Sanierung sowie mit einem speziellen Burgenführer. Als Pilotprojekt gilt die im Herbst stattgefundene Einweihung der zwischen Schlat und Eschenbach liegenden Burg-Erinnerungsstätte Zillenhart.

Kreisarchivar Dr. Stefan Lang gewährte einen Einblick in den Zeithorizont des Burgenbaus und deren Nutzung, die zwischen Mitte des 11. und 16. Jahrhunderts anzusiedeln sei. Ferner ging er auf die historischen Herrschaftsverhältnisse sowie die Burgenbauer ein: den Hochadel wie die Staufer oder die Grafen von Helfenstein, aber auch die vielen Ministeriale (Dienstmänner) mit ihren kleinen Bollwerken namens Filseck, Staufeneck oder Wäscherschloss, die neben ihrer Schutzfunktion vor allem zur Verwaltung und Landschaftskontrolle genutzt wurden.

Immer wieder fiel dabei der Name des Mannes, dem dieses einmalige Projekt zu verdanken ist: Professor Dr. Sönke Lorenz, der im August vergangenen Jahres verstorbene ehemalige Direktor des Tübinger Instituts für Geschichtliche Landeskunde. Mit dem Symposium wollte Lorenz zugleich Walter Ziegler ehren, der 2012 als Kreisarchivar in den Ruhestand getreten ist. Lorenz und Ziegler arbeiteten viele Jahre in freundschaftlicher Verbundenheit zusammen und hinterließen zahlreiche, tiefe und wissenschaftliche Spuren im Landkreis Göppingen.

Die Veranstaltung auf Schloss Filseck bot neben der Möglichkeit zum fachlichen Austausch eine Reihe von ausgewiesenen Spezialisten. Mit ihrem Vortrag "Steinerne Zeugen zum Sprechen bringen" führte Dr. Sigrid Hirbodian, die Nachfolgerin von Sönke Lorenz, ausführlich wie kurzweilig in das Thema Burgenforschung ein. Ihre Nachredner waren: Professor Dr. Thomas Zotz, der über "Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau" referierte, ein Langzeitprojekt der Landesgeschichte an der Universität Freiburg und des Historischen Instituts an der TU, und Professor Dr. Heiko Steuer, dessen Thema "Burgenforschung und Archäologie" war. Des Weiteren kam von Dr. Guntram Gassmann und Dr. Anke Scholz ein Beitrag zur "Mittelalterlichen Eisengewinnung und Burgenbau". Professor Dr. Karl-Heinz Spieß sprach unter dem Titel "Reiche Fürsten, arme Ritter?" über Formen der Repräsentation auf fürstlichen Residenzen und adeligen Burgen.

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