Stelen erinnern an jüdisches Leben

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Stelen wie diese, an der Christine Lipp-Wahl vom Verein Haus Lauchheimer steht, erklären den jüdischen Erinnerungsweg.  Foto: 

Bauarbeiter legen letzte Hand an und Christine Lipp-Wahl freut sich, dass ein wichtiges Projekt des Vereins Haus Lauchheimer nach zweijähriger Vorbereitungsphase realisiert ist. „Neun Stelen erinnern an jüdisches Leben und zwar an den Orten, an denen es stattfand“, betont die Vorsitzende des Vereins, der das jüdische Kulturerbe Jebenhausens erhält und fördert. Denn: „Es besaß in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine der größten jüdischen Gemeinden im Königreich Württemberg.“

Daran erinnert bereits seit 25 Jahren das Jüdische Museum in der alten evangelischen Kirche. Mit dem Erinnerungsweg – er beginnt am Schloss und endet am Friedhof – „holen wir die Geschichte aus dem Museum heraus und verschaffen ihr so einen leichteren Zugang“. Christine Lipp-Wahl hofft so, gerade junge Menschen zu erreichen.

Die Stelen aus Sicherheitsglas verweisen in kurzen Texten und mit historischen Aufnahmen auf die ehemalige Situation. Die Informationen werden durch einen QR-Code ergänzt. So spannen etwa an Station drei – hier geht es um Handel und Gewerbe – die Zusatz-Infos den Bogen nach Göppingen. Denn die dortige jüdische Gemeinde ging aus der älteren Jebenhäuser hervor. Zudem gibt es passend zum jeweiligen Thema Wissenswertes.

Am Liebensteinschen Schloss etwa wird der Frage des Schutzbriefes nachgegangen. Am Platz der Synagoge werden die drei „T“ erklärt: Tanach, Tora, Talmud. Hier macht der QR-Code eine Tora-Lesung durch Arnold Kuppler hörbar. Mit der Stele am Armenhaus „wollen wir dem weitverbreiteten Vorurteil entgegentreten, dass alle Juden reich waren“, betont Christine Lipp-Wahl.

Gemeinsam mit zehn Aktiven des Vereins hatte sie die Realisierung des Erinnerungsweges in den vergangenen Jahren vorangetrieben. „Wir haben uns sehr intensiv mit dem jüdischen Jebenhausen, aber auch dem Zusammenleben von Juden und Christen befasst“, sagt die Vereinsvorsitzende. „Dr. Karl-Heinz Rueß, Arnold Kuppler und ich haben die Texte für die Stelen erarbeitet.“ Dann galt es, die Finanzierung zu sichern. „Wir haben sehr viele private Spenden erhalten.“ Zudem haben sich die Firma Mink, die Volksbank und die Kreissparkasse Göppingen, der Bezirksbeirat, die Landeszentrale für politische Bildung und der Verein Haus Lauchheimer an den Kosten beteiligt. Den Löwenanteil mit der Hälfte der Aufwendungen übernahm die Stadt Göppingen.

Der Erinnerungsweg führt von der Boller Straße zur Villa Wiesen­eck. diese hatte sich der „König der Tenöre“, der Jebenhäuser Heinrich Sontheim, als Alterssitz geschaffen. Beim ehemaligen Gasthaus König David am Vorderen Berg erfahren die Geschichts­interessierten, was es bedeutet, koscher zu kochen, aber auch, dass Georg Elser seine Verlobte im „Waldhorn“ traf und dass Albert Einstein Vorfahren in Jebenhausen hatte. Beim Haus Lauchheimer, nach dem auch der Verein benannt ist, klärt die Stele über die Bedeutung des „Schabbat“ auf.

Die Tour endet am Jüdischen Friedhof und zeigt dort auf einem Foto die Bestattung von Max Lauchheimer. Inge Auerbacher, seine Enkelin, wird zur Einweihung des Erinnerungsweges aus New York anreisen. „Wir wollen in Zukunft regelmäßig Führungen anbieten“, so  Christine Lipp-Wahl. Geplant ist auch, Schüler entsprechend auszubilden.

Feierlich Einweihung ist am 13. Oktober um 17 Uhr im evangelischen Gemeindesaal, Herdweg 36. Anschließend wird ein Stolperstein für den jüdischen Viehhändler Max Lauchheimer, den Großvater von Inge Auerbacher, vor dem Haus Lauchheimer verlegt.

Tour Am 22. Oktober wird um 15 Uhr Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß entlang des Geschichtspfades führen. Treffpunkt ist der Staufers Markt in der Boller Straße.

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