Steine gegen das Vergessen

Seit fünf Jahren werden in Göppingen Stolpersteine verlegt. Auch in diesem Jahr erinnert die "Initiative Stolperstein" an Menschen, die dem Nazi-Terror zum Opfer fielen. 15 weitere Steine werden dazu kommen.

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Im September werden Gunther Demnig und der Verein "Initiative Stolperstein", der sich vor einem Jahr gegründet hat, wieder Steine gegen das Vergessen in der Innenstadt verlegen. Sie erinnern vor den Gebäuden, in denen die vom NS-Regime ermordeten Juden zuletzt selbst bestimmt gelebt hatten, an das Schicksal ihrer früheren Bewohner.

15 Steine werden es sein, die an Männer und Frauen, an alte Menschen, an Kinder und ein Baby erinnern, die entrechtet, deportiert und schließlich ermordet worden waren. Klaus Maier-Rubner und Claudia Liebenau-Meier haben - so weit dies überhaupt noch möglich ist - die Schicksale nachgezeichnet. Oft fehlen allerdings Fotos, die die Personen greifbarer machen.

Maier-Rubner wäre deshalb sehr dankbar, wenn ihm aus den Fotoalben der Göppinger Bürger Aufnahmen zur Verfügung gestellt werden könnten und weitere Informationen kämen. Beispielsweise zu Frida Dettelsbacher, der Mitinhaberin des gleichnamigen Hotels am Bahnhof. An sie und ihre Schwester Sofie Bodenheimer werden Stolpersteine in der Frühlingstraße 29 erinnern. Emil Hilb hatte in der Schützenstraße einen textilverarbeitenden Betrieb geführt. Nicht nur er wurde ermordet, auch seine Tochter Elsbeth Oberdorfer, deren Mann Ludwig, der Sohn Franz Sepp Oberdorfer aus der ersten Ehe von Elsbeth und ihre beiden Töchter Doris und Liese Rödelsheimer fielen dem Terror zum Opfer. Auch sie hatten zuletzt in der Frühlingstraße 29 gelebt.

Eine ganze Reihe von Stolpersteinen wird in der Geislingerstraße 6 verlegt werden. Dort wohnte Wilhelm Fleissig, der als Geschäftsführer der Firma Geschmay nach Göppingen gekommen war. Er hatte eine christliche Großmutter und wohl gehofft, dies würde ihn vor den Schergen retten. Über Jenny Hirschhahn "weiß ich so gut wie gar nichts", bedauert Klaus Maier-Rubner. Sie soll Halbjüdin gewesen sein und war vielleicht die Mutter von Irma Rosinberg.

Besonders zu Herzen geht das Schicksal von Hannacha Schwab. Sie war im März 1941 das letzte jüdische Kind, das in Göppingen geboren wurde. Im April 1942 wurde sie mit ihren Eltern Marianne und Max deportiert. Sie hatten 1940 als letztes jüdisches Paar geheiratet. Das genaue Todesdatum der Familie ist unbekannt.

Dünn sind auch die Lebensdaten, die Claudia Liebenau-Meier über Julius Regensburger zusammen tragen konnte. Der Viehhändler hatte in der Querstraße über der Gaststätte "Blumenstrauß" gelebt und war dann in Riga ermordet worden. Ilse Bensingers letzter Wohnort war die Spitalstraße 17. Die gebürtige Göppingerin war nach dem Tod ihres Ehemannes wieder zurückgekommen und lebte bei Verwandten.

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