Stefan Strumbel: Ein raumsprengendes Herz

Im Oktober erregte Stefan Strumbel mit seiner Blutspende-Performance in der Göppinger Stadthalle Aufsehen. Jetzt schließt sich seine raumsprengende Skulptur eines Herzens in der Kunsthalle an.

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Der Schwarzwälder Künstler Stefan Strumbel gilt als einer der ersten, der das Thema Heimat in gebrochener Form wieder in den Fokus rückte. Damit trug er zum Revival eines lange Zeit gemiedenen Wortes und Gefühls bei, das von der nationalsozialistischen Ideologie missbraucht wurde. Nach ähnlichem Muster, nach dem sich der Künstler an der Doppelbödigkeit des Heimatthemas reibt, lieferte er im Oktober mit seiner Performance "Spende Blut" in der Stadthalle Göppingen eine neue Definition des öffentlichen Raums. Der Kunstverein Göppingen, dessen Jahresausstellung Stefan Strumbel nun bestreitet, schreibt in einer Pressemitteilung: "An Kunst im öffentlichen Raum entfacht sich die öffentliche Debatte um Kunst und ihre gesellschaftliche Bedeutung. Strumbels Aufruf zur Blutspende war keine Wohltätigkeitsveranstaltung, vielmehr entwarf der Künstler in dieser Performance ein hochgradig aufgeladenes Bild des öffentlichen Raums, in dem es um soziale Teilhabe und gesellschaftliches Handeln als ein Netzwerk des Spendens und Empfangens geht." Das DRK betreute diese Performance, das gespendete Blut gelangte vollständig an eine medizinische Institution.

Die Jahresausstellung des Kunstvereins mit dem Titel "Handle with care" schließt nun mit einer geradezu raumsprengenden Skulptur eines Herzens an diese Performance an. Nur im Umlaufen kann sich der Betrachter ein Bild dieses "Kunstorgans" machen, das rostig und kantig wie ein Wrack inmitten der Halle lagert. Man kann sich fragen, welchen weiten Weg dieses Herz hinter sich hat, bis es in der Kunsthalle gestrandet ist. Hat der Künstler dieses Organ geschaffen oder irgendwo aus den Meereswogen gezogen und für Göppingen gerettet? Strumbels Arbeit wirft Fragen auf.

Hat dem Künstler die Blutspende der Bürger aus Göppingen das Präsentieren des Herzens ermöglicht? Unmittelbar werden und sind die Bürger symbolisch Teil seiner Kunst geworden und sind in den Werkprozess miteinbezogen. Der Titel der Ausstellung "Handle with care" ist eine alltägliche Aufforderung zur vorsichtigen Handhabung, die als Etikett von der Europalette bis zum Organtransportkoffer erscheint. Hier wird mit der Ambivalenz von alltäglicher Beiläufigkeit und tiefer Bedeutung kalkuliert.

Mit seinem aufgeladenen Symbol bindet Stefan Strumbel die Stadt Göppingen in einen Mythos ein. "Die traditionell streng abgegrenzten Bezugsfelder von Künstler, Werk und Betrachter sind aufgelöst, sodass die Konstruktion von Wirklichkeit zur gemeinschaftlichen Sache gegenseitiger Einflussnahme und Kommunikation wird", heißt es beim Kunstverein.

Eröffnung ist am Freitag ab 19.30 Uhr in der Kunsthalle Göppingen. OB Guido Till spricht die Grußworte, Veronika Adam, Kuratorin der Ausstellung, gibt eine Einführung in die Ausstellung.

Info: Die Ausstellung des Kunstverein in der Kunsthalle Göppingen, Marstallstraße 55, dauert bis 10. Januar. Öffnungszeiten: Di. bis Sa., 13-19 Uhr, Sa., So. 11-19 Uhr sowie nach Vereinbarung.

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