Staufisches Erbe gesichert

Vor 800 Jahren machte sich ein junger Mann auf von Sizilien an den Bodensee. Wenige Stunden entschieden das weitere Schicksal Mitteleuropas. Professor Wolfgang Stürner nahm 200 Zuhörer mit auf die legendäre Reise Kaiser Friedrichs II.

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Dass die Nachwelt über den Zug des späteren Kaisers Friedrich II. im Jahre 1212 von Sizilien über die Alpen so gut unterrichtet ist, verdankt sie zwei zeitgenössischen Chronisten. Sie werten das Ereignis zwar unterschiedlich, "waren sich aber seiner weiteren Bedeutung im Klaren", betonte Professor Wolfgang Stürner. Der ausgewiesene Kenner der Lebensgeschichte des berühmten Stauferkaisers zeichnete bei einer Veranstaltung der Gesellschaft für staufische Geschichte vor gut 200 Zuhörern die Reise des Staufers nach, die, so Stürner, "bedeutsame Konsequenzen für Mitteleuropa hatte".

Dessen weiteres Schicksal hatte sich in denkbar kurzer Zeit entschieden. Nur wenige Stunden vor Kaiser Otto IV. hatte er die Stadt am Bodensee erreicht und so mit Unterstützung der Geistlichkeit sein staufisches Erbe wieder in Besitz genommen. Überhaupt hatte die römische Kirche eine zentrale Rolle gespielt. War es doch Papst Innozenz III., der Friedrich die entscheidende Unterstützung hatte zukommen lassen, ihn zunächst gar vor Otto gerettet hatte, der sich auch das Königreich Sizilien hatte einverleiben wollen.

Auf dem Seeweg reist Friedrich im März 1212 zunächst nach Rom und trifft dort den Papst. Der rüstet den jungen sizilianischen König aus für die Weiterfahrt nach Genua. "Die Durchquerung der Lombardei war sehr gefährlich", so Stürner. In dieser "städtereichsten Region des damaligen Europas" gab es zahlreiche Konflikte der Gemeinwesen untereinander. Mailand unterstützte Otto, Cremona als dessen Gegenspieler folglich Friedrich.

Nur knapp entkommt Friedrich seinen Gegnern im Juli 1212. Er zieht vermutlich über den Reschenpass ins Engadin und erreicht im September Chur. Vor dort ist es nicht mehr weit bis Konstanz, wo die Tische schon gedeckt sind für den Empfang von Otto IV. Der Staufer kommt ihm zuvor, lässt sich im Dezember in Frankfurt erneut wählen und in Mainz krönen.

Die Reise habe Friedrich "die Größe des Reiches deutlich gemacht", ihm aber auch "die Probleme in Oberitalien vor Augen geführt". Gleichzeitig erlebte er "die bedeutsame Rolle der Reichsfürsten", die er zunächst unangetastet lässt. Die Reise habe ihn aber auch in seiner Überzeugung bestärkt, dass er "wieder die Machtposition seines Vaters Heinrich VI. erreichen wird" und "unmittelbar von Gott geleitet wird". Mit diesem Selbstverständnis, so schließt Stürner, war er "ganz dem Mittelalter verhaftet".

Info In seiner umfassenden zweibändigen Biographie über Kaiser Friedrich II. hat Professor Wolfgang Stürner das Leben des Staufers detailliert nachgezeichnet: "Friedrich II." mit Band 1 (Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220) und Band 2 (Der Kaiser 1220-1250) sind im Buchhandel erhältlich.

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