Stargeiger Guy Braunstein übt mit Musikstudenten

Im Rahmen des für Juli geplanten Bad Überkinger Festivals gab der international gefragte Geiger Guy Braunstein mit Werken von Mozart, Tschaikowsky und Brahms an der Jugendmusikschule einen Meisterkurs.

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Meisterkurs mit Guy Braunstein (rechts) und Nina Junke (links) in Göppingen: Die Schüler machen in einer Stunde erstaunliche Fortschritte.  Foto: 

„Wir möchten beim Festival nicht nur kommen und gehen, sondern ein Teil der Gemeinschaft sein“, sagte der 43-jährige Guy Braunstein auf die Frage, warum er in Göppingen am Mittwoch einen Meisterkurs leitete. Die renommierte Jugendmusikschule Göppingen wurde in der Region ausgewählt; sie hatte zwei der vier Studenten im Alter von 21 bis 24 Jahren selbst ausgebildet, bevor diese an der Frankfurter und Freiburger Musikhochschule Violine studierten. Eigentlich hätte der Kurs schon am Dienstag stattfinden sollen, aber der ursprünglich gebuchte Flug von Berlin nach Stuttgart war gestrichen worden, so dass Braunstein eine spätere Maschine nehmen und für seine wertvolle Francesco-Ruggeri-Geige von 1679 aus Cremona noch ein extra Ticket lösen musste.

Die jungen Geiger Nina Junke, Benedikt Gunkel, Cornelius Spaeth und Alexander Sachs hatten sich mit Mozarts Violinkonzerten Nr. 4 und Nr. 5 sowie mit Tschaikowskys Violinkonzert D-Dur und Brahms Violinkonzert D-Dur keine leichte Kost ausgesucht, um bei Guy Braunstein, der nach seiner dreizehnjährigen Zeit als erster Konzertmeister bei den Berliner Philharmonikern nun seit zwei Jahren als Solist und als Dirigent Erfolge feiert, Interpretation und Technik zu verfeinern.

Braunstein erwies sich als einfühlsamer, korrigierender, vorspielender, mitspielender und höchst motivierender Lehrer. Mit Bildern aus dem Leben, sinnlichen Vorstellungen, Vergleichen mit Gesang und humorvollen Einlagen lockerte er die jungen Musiker, war aber gleichzeitig ein strenger Lehrmeister, der nichts durchgehen ließ, geduldig immer wieder vorspielte, zum Nachspielen aufforderte oder selbst eine Orchesterstimme dazu spielte, sang oder dirigierte. Faszinierend war, wie sich bei jedem einzelnen der Studenten – alles wurde auswendig gespielt – binnen einer Stunde nicht nur eine bewusste und ausgefeilte Interpretation einstellte, sondern sich auch Tonqualität und Technik verbesserten. Lediglich die technisch brillante und einfühlsame Korrepetitorin Katarzyna Wieczorek aus Frankfurt durfte aus Noten spielen.

„Stelle Dir vor, es gibt drei Damen, eine resolute, eine romantische und eine witzige, die abwechselnd miteinander sprechen. Zwar hat jede das gleiche Material, aber jede erzählt es auf ihre Weise“, lautete etwa ein Tipp Braunsteins zum Charakter von Wiederholungen bei Mozart. „Wenn ich meinen Freunden drei Mal den gleichen Witz erzähle, hören sie auch nicht mehr hin.“ Braunstein hält auch schon mal die Geige der Schülerin fest, wenn sie nicht stabil steht, und gibt Hinweise zur Bogenführung, zum Tempo oder lässt Tonleitern spielen. „Es riecht schon nach Subdominante, lass den Ton atmen, spiel’ mal ohne Daumen. Das kannst Du besser. Sehr schön. In Deinem Alter musst Du schon mindestens neun Konzerte parat haben, wenn ein Orchester anruft“, sagt Braunstein und erzählt, dass er jeden Tag mit Bach und Paganini erst mal eine Stunde Technik übe.

„Er ist einfach ein unkonventioneller Typ und ein wahrer Meister. Ich habe von ihm gelernt, nicht so viel Konvention, nicht zu viel nachdenken, sondern den eigenen Gedanken und Gefühlen im Spielen nachgeben“, sagt Bendedikt Gunkel glücklich und dankbar am Ende des Kurses.


Info: Beim Bad Überkinger Festival vom 10. bis 12. Juli finden zwei Konzerte in einer Produktionshalle von IQ 4 You statt, eines im Kurpark und die Matinee im Bad-Hotel. Organisator ist der neu gegründete Verein „Überkinger hilft“. Karten im Vorverkauf bei Easy Ticket Service, in der Geschäftsstelle der GEISLINGER ZEITUNG, in den Filialen der Kreissparkasse Göppingen, im Bad-Hotel und bei der Tourist Info Bad Überkingen.

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