Stadt trommelt für Erhalt der Polizeizentrale

Die Stadt Göppingen wirbt mit einer 70 Seiten starken Broschüre für den Erhalt von Bereitschaftspolizei und Polizeidirektion. Der Titel: "Hand in Hand: Göppingen und seine Polizei". Die Auflage beträgt 1000 Stück.

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"Hand in Hand . . . Göppingen und seine Polizei": So lautet der Titel einer Image-Broschüre, die von der Stadt Göppingen erstellt wurde. Foto: Giacinto Carlucci

OB Guido Till ist kein Freund der geplanten Polizeireform im Land. Der Rathauschef fürchtet um den Polizeistandort Göppingen und hatte kürzlich ein düsteres Bild gemalt: Falls Göppingen nicht Sitz einer der neuen Regionalpräsidien würde, in denen die bisherigen Polizeidirektionen nach dem Willen der grün-roten Landesregierung aufgehen sollen, seien viele Arbeitsplätze in Gefahr. Werde auch noch die Bereitschaftspolizei abgezogen, käme dies einer "Werksschließung" gleich. Allein bei der Bepo seien 1200 Menschen beschäftigt, so Till, der es als seine Pflicht ansieht, als Oberbürgermeister vor dem aus seiner Sicht denkbar ungünstigsten Fall zu warnen. Till hatte für seine Warnung manche Kritik einstecken müssen. Vor allem der frühere baden-württembergische Innenminister, der Göppinger Sozialdemokrat Frieder Birzele, hatte Till vorgeworfen, einen "Popanz" aufzubauen, der jeder Grundlage entbehre.

Till will dennoch nicht tatenlos dasitzen, bis das Innenministerium in einigen Wochen verkündet, ob und wie es an den einzelnen Polizeistandorten im Land weitergeht.

Mit einer 70 Seiten starken Hochglanzbroschüre, die unter Federführung des neuen stellvertretenden Rathaus-Sprechers Dejan Mrkaja in nur 14 Tagen erstellt wurde, möchte Till auf die Stärken der Stadt hinweisen - und Göppingen als Standort eines der geplanten Regionalpräsidien ins Gespräch bringen.

Das Magazin, das kommende Woche an alle Landtagsabgeordneten und Mitglieder der Landesregierung verschickt wird, enthält nicht nur einen Abriss über die Geschichte der Polizei in Göppingen, sondern beinhaltet bereits Vorschläge, auf welchen Grundstücken im Stadtgebiet ein Regionalpräsidium der Polizei neu gebaut werden könnte. Denn Till ist klar: In der Pfarr- und Schillerstraße, wo bisher die Polizeidirektion untergebracht ist, reicht der Platz dafür nicht aus. In der Broschüre werden unter anderem Flächen in der Stuttgarter Straße, der Manfred-Wörner-Straße (Stauferpark), der Kanalstraße (Güterbahnhof), der Jahnstraße (ehemalige Eissporthalle), der Faurndauer Straße (Möbel Braun) und der Immanuel-Hohlbauch-Straße (Telekom-Komplex) aufgelistet.

Außerdem enthält das Magazin Stellungnahmen der Fraktionschefs im Gemeinderat, des Frisch-Auf-Präsidenten, des IHK-Präsidenten, von Bürgermeistern und des Landrats. OB Till schreibt in seinem Grußwort: "Die Polizei ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Stadt, nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht. Sie trägt gleichzeitig zum positiven Ansehen Göppingens bei."

Bei der Vorstellung der Werbebroschüre, für deren Optik und Layout die Göppinger Agentur R2 Medien und Kommunikation (Biniek und Vasic) verantwortlich zeichnet, kündigte Till am Donnerstag im Rathaus an, er werde auch einen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann schreiben, um für die Zukunft des Polizeistandorts Göppingen zu werben. Die Auflage des Magazins beträgt 1000 Stück; die Kosten für die Imagekampagne bezifferte Till auf Nachfrage mit rund 7000 Euro.

Entgegen der ursprünglichen Absicht verzichtete der Gemeinderat am Donnerstag darauf, ähnlich wie der Kreistag eine Resolution zum Thema Polizeireform zu verabschieden. So fiel die erwartete Debatte flach, in der es womöglich hitzig zugegangen wäre, da sich an den Reformplänen die Geister scheiden. "Die Broschüre ist genug Resolution", meinte Till. Er will offenbar kein neues Öl ins Feuer gießen.

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