Stadt Göppingen soll Gas geben für Feuerwehr

Wie die Göppinger Feuerwehr für die Zukunft fit gemacht werden kann steht in einem Gutachten. Zwei Feuerwachen haben Mängel. Beim Personal hapert es. Die Stadträte setzen auf möglichst schnelle Abhilfe.

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Kann die Hauptfeuerwache samt Leitstelle in Göppingen mit vertretbarem Aufwand saniert werden? Das ist eine der Fragen, die die Stadt nun möglichst schnell klären soll, um die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr zu sichern.  Foto: 

Die Expertise aus dem Beratungsbüro Luelf und Rinke war mit Spannung erwartet worden: Was lässt sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Göppingen mit ihren zehn Löschzügen, 249 freiwilligen Kräften und 12,5 Hauptamtlichen-Stellen verbessern? Ein Jahr lang haben sich die Gutachter mit dem Thema beschäftigt, bis der aktuelle "Feuerwehrbedarfsplan" fertig war. Ausgangspunkt waren Annahmen zur Risikostruktur im Stadtgebiet. Vereinfacht gesagt sollen bei einem "kritischen Wohnungsbrand" innerhalb der Stadt zehn Einsatzkräfte innerhalb von zehn Minuten nach der Alarmierung vor Ort sein, außerhalb des Stadtgebiets sechs Rettungskräfte. Dann sollen weitere Feuerwehrleute nachrücken.

Die wichtigsten Ergebnisse hat der Mitarbeiter Thomas Raible jetzt im Gemeinderat vorgestellt. Wenig überraschend: Baulich muss die Stadt vor allem an die Hauptfeuerwache in Göppingen sowie am Magazin in Faurndau ran. Die Kommune wird nun ermitteln lassen, ob sich in den beiden Fällen eine Sanierung lohnt oder ob jeweils ein Neubau sinnvoll ist. Das soll nächstes Jahr geklärt werden. Erste Gespräche und Untersuchungen seien da aber schon gelaufen, sagte Baubürgermeister Helmut Renftle. Noch in diesem Jahr soll die Stadt die Frage beantworten, wie sich die Göppinger Feuerwehr in Zukunft an der Integrierten Leitstelle beteiligen wird. Das alles beschloss das Gremium.

Zu den wichtigsten Vorgaben, von denen die Gutachter ausgingen, zählt, dass die Feuerwehr auf jeden Fall eine Freiwilligentruppe bleiben soll, dass aber so viel hauptamtliche Einsatzkräfte wie nötig vor Ort sein müssen. Einer der Vorschläge von Luelf und Rinke: Weil es unter der Woche tagsüber an Helfern fehlt, soll die Göppinger Feuerwache zu einem "integrierten Tagesalarmstandort" ausgebaut werden, also auch stärker in die Einsätze außerhalb der Innenstadt eingebunden werden. Die Personalausstattung müsse um dreieinhalb Vollzeitstellen aufgestockt werden. Außerdem müsse die Stadt darauf achten, bei der Modernisierung des Fuhrparks nicht ins Hintertreffen zu geraten, so die Gutachter. Einige Änderungen schlagen sie auch bei der Organisationsstruktur vor.

Unter den Lokalpolitikern fiel die Interpretation der Gutachterergebnisse höchst unterschiedlich aus. So sprach Michael Freche (Lipi-Fraktion) von "widrigen Umständen", unter denen die Ehrenamtlichen in Göppingen zu arbeiten hätten, und von "einem fatalen Investitionsstau", der es ihm "eiskalt den Rücken hinunter laufen" lasse. OB Guido Till widersprach heftig: Es werde sehr wohl investiert, wie das Beispiel des Magazins in Holzheim zeige. Auch der Berater Thomas Raible bescheinigte: "Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass die Feuerwehr Göppingen nicht leistungsfähig ist oder eine Gefahr für die Sicherheit der Menschen besteht", stellte er klar. "Wenn man allerdings nicht anfängt, dann werden wir langfristig Probleme bekommen."

In diese Richtung ordneten auch die anderen Fraktionen die Lage ein. Sie lobten die Feuerwehr für ihre Arbeit. Armin Roos (SPD) und Christoph Weber (Grüne) mahnten aber eine möglichst schnelle Umsetzung der Verbesserungsvorschläge an. Wolfram Feifel (FWG) forderte: "Wir müssen uns dringend auf den Weg machen". Klaus Rollmann (FDP/FW) schlug einen genaue Ablaufplan vor und unterstrich, dass die Feuerwehr nicht unter anderen Millioneninvestitionen leiden dürfe. Felix Gerber (CDU) betonte: "Der Bedarfsplan ist eine Liste dessen, was wir tun sollen. Was wollen wir denn mehr?"

Sein Fraktionskollege Dr. Klaus Fischer sprach die Misere mit dem hauptamtlichen Kommandanten an. Denn nach einigen Querelen und schnellen Personalwechseln ist die Feuerwehr schon seit Jahresbeginn auf der Suche nach einem neuen Chef - bisher völlig erfolglos. Klaus Fischer: "Ein hauptamtlicher Kommandant muss her, der all das anpackt. Wenn wir den nicht kriegen, sind wir verloren".

KOMMENTAR FEUERWEHR: Die Wende einleiten

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