Stadt Ebersbach will Kindergartengruppe in Natur einrichten

Die Ebersbacher Betreuungsangebote sollen noch vielfältiger werden. Die Stadt erwägt, einen Waldkindergarten zu eröffnen. Es wäre der zweite im Landkreis Göppingen und der erste in kommunaler Regie.

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Allzu viel Überzeugungsarbeit musste die Ebersbacher Stadtverwaltung nicht leisten. Das Anliegen, in Ebersbach einen Waldkindergartengruppe einzurichten, stieß im Ausschuss für Verwaltung und Bürgerschaftliches Engagement überwiegend auf offene Ohren. "Wir hoffen sehr, dass es jetzt im zweiten Anlauf klappt", signalisierte die SPD-Fraktionsvorsitzende Ingrid Scherr das Einverständnis ihrer Fraktion. Vor einigen Jahren hatten sich die Stadträte nicht auf dieses Betreuungsangebot einlassen wollen. Auch Yvonne Birk (Freie Wähler) sprach von einem "ganz wunderbaren Gedanken".

Während andernorts Waldkindergärten wie Pilze aus dem Boden schössen - im Landkreis Esslingen gibt es bereits 15 Waldkindergartengruppen - gebe es im Landkreis Göppingen erst eine solche Einrichtung. Ebersbach könnte damit ein weiteres Zeichen in Sachen Familienfreundlichkeit setzen, meinte Bürgermeister Sepp Vogler. Mittlerweile werde ein Waldkindergarten verstärkt von Elternseite nachgefragt, erklärte der Sachgebietsleiter für Schulen und Kindergärten bei der Stadtverwaltung, Egon Eisele.

Die derzeit noch im Kinder- und Jugendzentrum E 3 tätige Erzieherin Karina Mammel, seit kurzem auch zertifizierte Waldpädagogin, sieht "unendlich viele pädagogische Vorteile", wenn sich die Kinder ständig in freier Natur aufhalten. Die natürliche Umgebung trage nicht nur maßgeblich zum seelischen und körperlichen Wohlbefinden bei. Die Kinder lernten mit allen Sinnen, die Motorik werde gefördert, was sich ebenfalls positiv aufs Lernen auswirke. Nicht zuletzt werde durch den ständigen Aufenthalt in der Natur bei Wind und Wetter das Immunsystem gestärkt.

Als Standort hat die Verwaltung ein Grundstück bei Roßwälden im Auge. Starten soll das Angebot im kommenden Kindergartenjahr. "Aus wirtschaftlichen Gründen sollten es mindestens zehn Kinder sein", sagte Egon Eisele. Die Verwaltung will jetzt für das Angebot werben und den Bedarf ermitteln. Anvisiert ist eine Betreuungszeit von täglich sechs Stunden, der Elternbeitrag entspreche damit dem einer Regelgruppe. Die Betriebskosten lägen aufgrund der geringen Sach- und wegfallenden Raumkosten jedoch deutlich darunter.

Einspruch kam von den Grünen. Gabriele Ebensperger plädierte vehement dafür, den Betrieb des Waldkindergartens an einen freien Träger zu übergeben. Das Angebot gehe am Bedarf vorbei, weil der Waldkindergarten zum Beispiel keine Nachmittagsbetreuung anbiete. Die Stadt solle lieber ihre flexiblen Betreuungsangebote ausbauen, anstatt eine Klientel zu bedienen, die es sich leisten könne, ihre Kinder in den Wald zu fahren, sagte Ebensperger. "Wir wollen Vielfalt haben", sagte dagegen die CDU-Fraktionsvorsitzende Brigitte Kreisinger. Das Problem Nachmittagsbetreuung lasse sich durch eine Kooperation mit einem anderen Kindergarten lösen. Diese Möglichkeit soll die Verwaltung nun prüfen.

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