Spielhallen-Räuber muss in die Psychiatrie

Schneller als erwartet wurde ein Göppinger Spielhallen-Räuber verurteilt. Der unter schizoaffektiver Psychose leidende 33-jährige Angeklagte muss in stationäre psychiatrische Behandlung.

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Eine schizoaffektive Psychose attestiert das Landgericht Ulm einem Angeklagten, der in Göppingen Messerangriffe und einen Spielhallen-Überfall verübt hat.  Foto: 

Der Aufruhr in einem Göppinger Kino, zwei Messerangriffe auf zwei Männer, die mit ihren Familien gerade den Göppinger Weihnachtsmarkt besuchten und letztlich der Überfall mit einem Küchenmesser auf eine Spielhalle, bei welchem er am Abend des 5. Januar diesen Jahres 1490 Euro erbeutet hatte und noch in derselben Nacht gefasst werden konnte. Der 33-jährige Drago S. (Name geändert) hatte sich binnen kürzester Zeit durch seltsame Aktionen und sein auffälliges Verhalten bei der Göppinger Polizei bekannt gemacht.

Das Verfahren vor der 3. Großen Strafkammer am Ulmer Landgericht endete schneller als erwartet. Fünf Verhandlungstage waren angesetzt, bereits am zweiten wurde ein Urteil gesprochen. Der Beschuldigte wird in eine unbefristete psychiatrische Krankenhausbehandlung eingewiesen. So wie es die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Der Verteidiger hatte die Notwendigkeit einer psychiatrischen Behandlung zwar anerkannt, jedoch lediglich auf ein Urteil mit Bewährung plädiert. Im Jahresrhythmus muss nun ein Gericht über einen weiteren Verbleib entscheiden.

In rascher Abfolge waren am Vormittag des zweiten Verhandlungstages noch sieben Zeugen gehört worden. Zwei geladene Mitarbeiter des Göppinger Kinos, aus dem der Beschuldigte von der Polizei hatte entfernt werden müssen, weil er dort geraucht und gelärmt hatte und den Kino-Beschäftigten drohte, mit einem Stuhl auf sie einzuschlagen, schilderten die Abläufe an jenem Novemberabend im vergangenen Jahr. Vier Polizeibeamte waren ebenfalls zu dieser Angelegenheit befragt worden.

Dabei wurde ein weiteres Delikt bekannt, das mit großer Wahrscheinlichkeit auch dem Beschuldigten zugerechnet werden kann. Am 4. November löste abends gegen 20 Uhr im Kaufhof Göppingen ein automatischer Alarm aus. Eine Fensterscheibe war durchschossen worden. Das Projektil, das die Polizei sicherstellte, passt zur Waffe, die sie dem Beschuldigten Tage später bei seiner Entfernung aus dem Göppinger Kino abgenommen hatte.

Das Gutachten eines Facharztes für Neurologie und Psychiatrie schließlich diente der Strafkammer als Urteilsgrundlage. Nach Meinung des Sachverständigen leidet Drago S. unter schizoaffektiver Psychose. Eine Kombination aus schizophrenen Merkmalen und manischen Symptomen. Dabei ist es dem Betroffenen nicht möglich, Wahrnehmungen richtig zu verarbeiten. Sein Verhalten wird ihm nicht umfassend bewusst.

Auch kann Drogenkonsum, den Drago S. in wechselnder Intensität hatte, diesen Zustand mit beeinflussen. Geld dafür will sich Drago S. an Glücksspielautomaten erspielt haben. Der Beschuldigte leide, so der Sachverständige, unter einer Stoffwechselerkrankung des Gehirns.

Ist oder bleibt der Eingewiesene auch zukünftig gefährlich? Nicht wenn er in der Lage sei, sein Fehlverhalten zu erkennen und wenn er eine entsprechende Behandlung erfahre, bedeutete der psychiatrische Fachmann. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

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