Spannung am Himmel und auf der Bühne

Das Ebonit Saxophone Quartets spielte Werke von Bach, Ravel, Weinberg, Grieg und Mendelssohn-Bartholdy auf Schloss Filseck.

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„Wir sind mutig. Es gibt keinen Regen.“  Mit dieser gewagten Entwarnung eröffnete der Vorsitzende Johann Pfeifer das Konzert des Ebonit Saxophone Quartets aus Amsterdam (Simone Müller, Sopran; Dineke Nauta, Alt; Johannes Pfeuffer, Tenor und Paulina Kulesza, Bariton) auf Schloss Filseck. Er sollte Recht behalten. Und: Es wurde ein spannender Abend.

Mutig war auch das Quartett: Ohne elektronische Verstärkung ging es auf die Bühne und spielte nicht, wie man hätte erwarten können, nämlich kompromisslos auf großen Klang, um den nach oben offenen Schlosshof sicher zu füllen. Von Anfang an waren gepflegte Durchsichtigkeit und dynamische Differenzierung bis ins Pianissimo hinein Trumpf – eine überaus angenehme Überraschung. Alle ausgewählten Werke waren Bearbeitungen, zum Teil von den Ensemblemitgliedern selbst. Es gibt eben keine Originalkompositionen vor dem 20. Jahrhundert.

Man kann auf zweierlei Art mit Arrangements umgehen; das ist wie beim Originalbuch und seiner Verfilmung: Man mäkelt als Kenner herum, weil das Original angeblich verhunzt wurde, oder man ist unvoreingenommen neugierig darauf, ob die Werke in ihrer neuen Art stimmig sind. Das heißt: Passt die Auswahl zum Saxophon und spielen die Ausführenden überzeugend. Um es auf den Punkt zu bringen: Man darf vermuten, dass die ausgewählten Komponisten Bach, Ravel, Weinberg, Grieg und Mendelssohn-Bartholdy, zum Teil selbst eifrige Arrangeure, nicht nur gnädig gelächelt, sondern begeistert genickt hätten.

Und davon gilt es nun kurz zu berichten. Locker und völlig ungezwungen ließ das Ensemble die raschen Sätze des ltalienischen Konzerts von J. S. Bach rollen. Ein erstes Aufhorchen löste das Andante aus: Das war Kunst zum Luft Anhalten. Zarte, geradezu immaterielle Begleitung ließ viel Raum für improvisierendes Spiel von Sopran und Tenor. Dieser herausragende Moment wiederholte sich noch zweimal im Konzert: in der Aria von Mieczys?aw Weinberg, deren lange Cantilene die Vier seelenruhig in den Abendhimmel spielten, und auch im Gesang der berühmten Air aus Edvard Griegs Holberg-Suite. Da war das Quartett gegenwärtig; das waren kostbare, zeitlose Momente.

Das soll die diffizile, klangliche Raffinesse in Ravels „Tombeau de Couperin“ und das Staccato-Feuerwerk in den schnellen Sätzen bei Grieg und Weinberg nicht schmälern, zumal der aufkommende Wind, drohend aufziehende, dunkle Wolken und erste Blitze und dumpfes Donnergrollen die Spannung steigerten.

Da legten die Künstlerinnen  im abschließenden „Allegro assai appassionato“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy noch einen Zahn zu und – das Wetter hielt. Auch in der Zugabe: pralle Musik mit klasse Soloeinlagen.

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