Sozialdezernent klagt: Es gibt zu wenig Unterkünfte für Asylbewerber

Im Kreis Göppingen gibt es nicht genügend Platz für Asylbewerber. Die Unterkünfte sind überbelegt, sagt Kreissozialdezernent Hans-Peter Gramlich. Er kritisiert auch das Land und einige Kreiskommunen.

|
Mehr als 200 Asylbewerber leben in den Unterkünften in der Pappelallee in Göppingen. Dringend wird weiterer Wohnraum benötigt.  Foto: 

Etwa 515 Asylbewerber leben derzeit im Kreis Göppingen und die Flüchtingsströme reißen nicht ab. Das stellt den Landkreis, der für die Unterbringung der Asylbewerber zuständig ist, vor massive Probleme. Denn aktuell gibt es im Kreis nur Platz für rund 480 Asylbewerber, die Unterkünfte sind überbelegt. "Die Lage ist dramatisch", meint der Sozialdezernent des Landkreises, Hans-Peter Gramlich. Zumal immer weitere Menschen hinzukommen, alleine im Juli sind es 48. Und die angespannte Wohnsituation für die Flüchtlinge werde sich wohl in naher Zukunft noch weiter verschärfen, glaubt der Sozialdezernent.

Die vom Land geforderte Mindestwohnfläche von 4,5 Quadratmetern Wohnfläche pro Asylbewerber werde im Kreis schon unterschritten, so Gramlich. Die grün-rote Landesregierung hat die Mindestwohnfläche vor kurzem noch erhöht. Zum 1. Januar 2016 sollen es sieben Quadratmeter pro Flüchtling sein. "Prinzipiell ist das ja gut. Aber mir ist es angesichts der derzeitigen Lage schleierhaft, wie das funktionieren soll", sagt Gramlich.

"Ich halte es für einen großen Fehler von der Landesregierung, dass sie vor einigen Jahren die Verpflichtung der Kommunen aufgehoben hat, Asylbewerber aufzunehmen. Denn der Kreis hat keine eigenen Unterkünfte und ist jetzt auf die freiwillige Hilfe der Städten und Gemeinden angewiesen. Wir haben keine Durchgriffsmöglichkeiten gegenüber den Kommunen. So ist die Asylpolitik nicht vernünftig machbar."

Nur 16 der insgesamt 38 Kommunen im Landkreis hätten bislang Unterkünfte für Asylbewerber zur Verfügung gestellt. "Teilweise hab ich das Gefühl, dass sich einige Kommunen beim zur Verfügungstellen von Wohnraum für Flüchtlinge nicht so anstrengen, wie es erforderlich wäre", sagt Sozialdezernent Gramlich.

Dabei sollten sich die Städte und Gemeinden im Kreis eigentlich auch untereinander solidarisch zeigen. Denn es könne nicht sein, dass einige wenige Kommunen alles alleine schultern. "Die Stadt Göppingen ist da vorbildlich", lobt Gramlich. "Denn sie hat schon über 200 Plätze für Asylbewerber zur Verfügung gestellt."

Der Sozialdezernent würde sich wünschen, dass wieder die alte gesetzliche Regelung gelten würden, und die Kommunen verpflichtet wären, eine bestimmte Zahl von Asylbewerbern aufzunehmen. "Die komplette Logistik könnte ja weiterhin beim Landkreis bleiben", meint Gramlich. Teilweise fühle man sich schon alleine gelassen mit der Problematik.

Händeringend sucht man im Göppinger Landratsamt nach weiteren Unterkünften im Kreis, ob bei Kommunen oder Privatleuten. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir nehmen alles, was menschenwürdig ist", erklärt Gramlich. "Ideal sind Wohnflächen ab 70 Quadratmetern aufwärts." Von Vermietern sollte auch bedacht werden, dass der Landkreis ein sehr verlässlicher Mieter sei. "Natürlich gibt es einige wenige schwarze Schafe unter den Asylbewerbern. Aber die allermeisten sind ordentliche Leute in einer Notlage, die sich hier bemühen, sich zu integrieren", beugt Gramlich Vorurteilen vor.

Dies zeige auch die Sprachkurskonzeption des Landkreises für die Asylbewerber, der der Sozialausschuss des Göppinger Kreistages jetzt einstimmig zugestimmt hat. Fünf Grundsprachkurse in Deutsch und ein Alphabetisierungskurs werden auf freiwilliger Basis für Erwachsene angeboten. "Die Kurse werden von den Asylbewerbern gut angenommen", erklärt Gramlich. "Erwähnt werden muss, dass das Land fast die gesamten Kosten trägt." Zudem sei das Engagement der Freundeskreise im Landkreis für die Flüchtlinge lobenswert. "Da herrscht eine richtige Willkommenskultur", stellt Gramlich fest.

Der Landkreis Göppingen sucht dringend weiteren Wohnflächen für Asylbewerber. Wer Wohnraum zu vermieten hat oder die Flüchtlinge anderweitig unterstützen möchte, kann sich bei Marco Lehnert vom Aufnahme- und Eingliederungsamt des Landkreises Göppingen unter Telefon: (07161) 202-445 oder unter der E-Mail-Adresse: aufnahmeamt@landkreis-goeppingen.de melden.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

20.07.2014 14:32 Uhr

Wohnraum gäbe es schon.....

nur schafft es das Land die ausreisepflichtigen Ausländer, die diesen belegen, nicht abzuschieben. Es wird Wohnraum von Personen blockiert die kein Recht auf einen Aufenthalt hier haben-behördlicherseits und vom Verwaltungsgericht in letzter Instanz bestätigt.
Es sollen bundesweit 130.000 abgelehnte Asylbewerber sei die hier Wohnraum für bedürftige Flüchtlinge blockieren. Ein Unding und dazu die exorbitanten Kosten wenn man bedenkt daß jede Person ca. 350€ im Monat bekommt.Da sind die Mietkosten noch gar nicht dabei.
Warum gibt es keinen Ausreisebeauftragten-überall sprießen die Integrationsbeauftragte in den Städten hervor wie Pilze aus dem Boden. Für eine zügige Ausreise haben unsere Gutmenschen wohl kein Geld bzw. es fehlt der polit. Wille das geltende Gesetz anzuwenden.
Wie lange soll das noch so gehen-bald werde alle EU-Armutszuwanderer SGB-II Leistungen beziehen wenn das EuGH Recht spricht-und was wird dann aus unserem Sozialstaat? Wer wird dieses Geld aufbringen-wenn wir Asylland Nr.1 werden bzw. schon sind? Es bedarf einiger Korrekturen und ein einheitliches System zur Verteilung der Antragsteller in Europa z.B. durch ein Euro-Asylamt und ein Einwanderungsgesetz wie es Australien und Kanada schon seit Jahren erfolgreich praktizieren.Wir suchen uns die Leute aus die wir wollen und kein Asyltourismus bzw. Zuwanderung nur wegen der hohen Transferleistungen die wir haben.

Sonst könnte es sein daß bald Parteien auch bei uns Oberhand gewinnen die wir alle nicht wollen-der soziale Friede muß bewahrt werden und auch ein gewisses Bewahren unserer Kultur.
So könnte Herr Gramlich mal beim Integrations- bzw. Innenministerium vorstellig werden und auf die noch nicht vollzogenen Abschiebungen seit Jahren -auch im Kreis Göppingen- hinweisen. Dann dürfte er, bei Vollzug, wohl eine längere Verschnaufpause auf der Suche nach Quartieren einlegen können. Viel Erfolg!

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Schlaganfallversorgung: Minister bleibt bei seiner Entscheidung

Das Positionspapier des Kreistags beeindruckt das Ministerium nicht: „Keine neuen Fakten.“ Kreisräte fordern Veröffentlichung des geheimen Gutachtens. weiter lesen