Sonae Sierra will nicht mehr

Der Konflikt um das geplante Einkaufszentrum in der Bleichstraße sorgt in den Fraktionen des Göppinger Gemeinderats für wachsende Unruhe: Der Investor Sonae Sierra will offenbar das Handtuch werfen.

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Welcher Investor in der Bleichstraße wird mit welchem Partner auf welchen Grundstücken ein Einkaufszentrum bauen? Die Antwort lässt auf sich warten. Heute in einer Woche gehen die Gespräche im Rathaus weiter. Foto: Giacinto Carlucci

In der Göppinger Stadtpolitik beginnt das neue Jahre so, wie das alte aufgehört hatte - mit der Ungewissheit, ob die Pläne für ein Einkaufszentrum in der Bleichstraße verwirklicht werden oder ob das 100-Millionen-Euro-Projekt am heftigen Streit innerhalb der Investorengruppe scheitert. Die Spatzen pfeifen es mittlerweile von den Dächern: Eine weitere Zusammenarbeit zwischen der Familie Schenavsky (Frey-Center) und dem portugiesisch-britischen Unternehmen Sonae Sierra scheint kaum noch möglich. Sonae Sierra sitze quasi auf gepackten Koffern, wird aus Gemeinderatskreisen berichtet.

Die Familie Schenavsky hat sich offenbar entschieden, das Vorhaben mit der Projektentwicklungsgesellschaft Acrest Property allein zu stemmen. Die Option von Sonae Sierra, das Frey-Center-Grundstück zu kaufen, ist Ende Dezember abgelaufen und wurde von der Familie Schenavsky nicht verlängert.

Am 20. Januar will Oberbürgermeister Guido Till erneut mit den Investoren über das Projekt verhandeln. Es zeichnet sich ab, dass Sonae Sierra an diesem Gespräch nicht mehr teilnehmen wird. Zu klären wird sein, ob die verbliebenen zwei Investoren ihrerseits die notwendigen Grundstücke in der Bleichstraße (Kaufhof, C&A, Westado und Baby-Walz) erwerben können, ob das Einkaufszentrum auf die Fläche des bisherigen Frey-Centers beschränkt werden könnte oder ob dem kompletten Vorhaben das Aus droht. "Am 20. Januar wird mit dem verhandelt, der durch die Tür kommt", sagte OB Till gestern auf Anfrage. Der Rathauschef erklärte, er nehme das Interesse der "ehrwürdigen Kaufmannsfamilie" Schenavsky am Bau des Einkaufszentrums ernst.

Für Till ist das Vorhaben auch in einer kleineren als der bisher geplanten Größenordnung denkbar. Der OB wies allerdings auch darauf hin, dass man bei der Unterschreitung einer gewissen Verkaufsfläche nicht mehr von einem Einkaufszentrum sprechen könne. Till appellierte deshalb an ale Beteiligten, "die Idee nicht so schnell aufzugeben". Bisher war in der Bleichstraße eine Shopping-Mall mit rund 23 600 Quadratmetern Gesamtverkaufsfläche vorgesehen. Die Eröffnung war für 2014 geplant, dieser Termin lässt sich aber schon jetzt nicht mehr halten.

Für Aufregung hat diese Woche eine gemeinsame nicht-öffentliche Fraktionssitzung von CDU, FDP/FW, Freien Wählern (VUB) und Bürgerallianz (BAG) gesorgt. Großes Thema war die Frage, wie es mit dem geplanten Einkaufszentrum weitergeht. Zu Gast waren Simon Schenavsky, Stefan Zimmermann (Acrest Property Group) sowie Volker Kurz, der Geschäftsführer der Göppinger Wohnbau (WGG). Die WGG will durch die Entwicklung des Apostel-Areals für eine optimale Verbindung zwischen Bleichstraße und Marktstraße sorgen. Von Sonae Sierra nahm kein Vertreter an der Sitzung teil, erfuhr die NWZ aus Fraktionskreisen.

Die Grünen kritisierten gestern in einer Pressemitteilung, dass die Investoren "einerseits hart und mit Rechtsanwälten mit der Stadt um deren ,Wohl verhandeln und sich parallel dazu ihnen genehme Fraktionen herauspicken, um eine breit angelegte Diskussion im Gemeinderat vorwegzunehmen". Das "Blockadedenken der sich selbst als ,bürgerlich bezeichnenden Fraktionen spaltet den Gemeinderat zu Lasten der Stadt und deren Einzelhändler", übte Grünen-Fraktionschef Christoph Weber harsche Kritik. Im aktuellen Fall "machen sich CDU und Freie Wähler zu Trägern von Investoreninteressen, die den vom Gemeinderat beschlossenen Kriterienkatalog in Frage stellen". SPD-Fraktionschef Armin Roos nannte es "bedenklich", dass in der gemeinsamen Fraktionssitzung über das Thema Einkaufszentrum beraten wurde. Roos fragt: "Was soll eine solche Spaltung des Gemeinderats durch ein solches Treffen? Sollen hier blindlings irgendwelche Mehrheiten betont werden? Sollen andere Fraktionen vom Informationsfluss ausgeschlossen werden? Oder geht das Ganze tiefer, indem es bei diesen besagten Fraktionen erste Absetzbewegungen von dem beschlossenen Kriterienkatalog gibt?"

CDU-Fraktionschef Felix Gerber wies diese Mutmaßungen als "den größten Blödsinn" zurück, den er seit langem gehört habe. Es gebe kein Abrücken von den vom Gemeinderat beschlossenen Kriterien, die ein Einkaufszentrum erfüllen müsste. "Verschwörungstheorien" seien fehl am Platz, sagte Gerber und forderte SPD und Grüne auf, "in eine Informationsveranstaltung nichts reinzugeheimnissen". Ein gemeinsamer Gedankenaustausch sei völlig legitim. Was das weitere Vorgehen betreffe, sei nun die Stadtverwaltung gefordert.

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