Sommerfestival Schloss Filseck: Bachs h-Moll-Messe in der Oberhofenkirche

Man muss nicht über seherische Gaben verfügen, um schon vor dem Ende des Festivals Schloss Filseck in der Aufführung von Bachs h-Moll-Messe den Höhepunkt der Veranstaltungsreihe auszumachen.

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Eine exquisite Interpretation von Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe erlebten die Besucher am Mittwochabend in der Göppinger Oberhofenkirche. Das Konzert mit dem Kammerchor Capella Nova und dem Kammerorchester Nota Cambiata stand unter der Leitung von Gerald Buß.  Foto: 

Nicht nur, dass mit der Messe, mag sie noch so sehr als nach dem Parodieverfahren gefügte Reihung älterer Kompositionen gehört oder als letztlich großes, zur Einheit strebendes Vermächtnis Bachs empfunden werden, eines der gewichtigsten Werke der gesamten Musikliteratur auf dem Programm stand, das an Rang und Wert alles bis dahin während des Festivals Gebotene oder noch zu Bietende in den Schatten rückt, auch die Wiedergabe durch den Kammerchor Capella Nova und das Kammerorchester Nota Cambiata am Mittwochabend in der Oberhofenkirche gestaltete sich zu einem für hiesige Verhältnisse musikalischen Ereignis.

Gerald Buß, hörbar ein Anhänger des Einheitsgedankens, ließ vom in moderaten Tempi sich entfaltenden Beginn der Aufführung an keinen Zweifel an der Grundhaltung seiner Interpretation: Bach sollte es sein, wie er sich in der Notation manifestiert, ohne persönliche Zutaten des Dirigenten, ohne Stimmunsgeraune und zusätzliche Gedanken-evokationen, waren sie nicht vom Komponisten selbst angeregt oder nahegelegt. Auf Klarheit und Deutlichkeit sollte die vorgestellte Lesart zielen, welche die kaum zu zählenden, auf Zahlenmystik und mathematischen Verrätselungen basierenden kompositorischen Bezüge und Verzahnungen bis ins Detail hörbar herausarbeitete, zu großen Formen fügte, ohne deren Brüche oder Nahtstellen zu unterschlagen.

All dies musste mit spürbarem Engagement und dieses ergänzender interpretatorischer Präzision in Szene gesetzt werden. Hierzu standen Gerald Buß seine beiden Ensembles sowie die Gesangssolisten zur Verfügung. Der Kammerchor Capella Nova wusste mit einem weitgehend ausgewogenen, differenziert angelegten Klangbild zu überzeugen, in dessen Rahmen die einzelnen Stimmabteilungen dennoch ein im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbstbewusstes, die Strukturen wie die harmonischen Beziehungen verdeutlichendes Eigenleben führten. Das mit Gastinstrumentalisten bestens verstärkte Kammerorchester Nota Cambiata gestaltete seinen Part feinfühlig oder nach Bedarf mit instrumentalem Aplomb, immer aber höchst souverän und im nuanciert tönenden Einklang mit den Choristen. In dem überlegt ausgewählten Solistenquartett hinterließen die Frauenstimmen (Gundula Peyerl, Sopran, und Sibylle Kamphues, Alt) den nachhaltigsten Eindruck, während der Tenor Hans-Jörg Mammel ungewohnt blass blieb und der Bariton Christian Hilz, ansonsten die Zuverlässigkeit in Person und seit Jahren eine künstlerische Stütze des Festivals, bei seinem ersten Einsatz (im "Gloria") für einige Irritationen sorgte, als seine Stimme "im Gaumen kleben blieb" und nicht zur Entfaltung gelangte und erst im "Credo", als er sich frei gesungen hatte, zu überzeugender stimmlicher Form auflief.

So hatte denn die Aufführung, von der einen oder anderen Umwägbarkeit abgesehen ganz großes gestalterisches Format, das die Zuhörer am Ende zu begeistertem mit stehenden Ovationen gefeiertem Beifall veranlasste.

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