Singspiel: Eine Woche bei Familie Luther

Eine Woche bei Familie Luther – das Singspiel zum Luther-Jahr kommt aus Göppingen und hatte jetzt seine dortige Premiere in der vollbesetzten Oberhofenkirche.

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Die Idee, das Geschehen um die Reformation Luthers für Kinder nacherlebbar und spielbar zu machen, ist reizvoll und schwierig zugleich. In dem Singspiel „Martin Luthers Kinder. Eine Woche bei Familie Luther“ geht es auf eine Zeitreise 500 Jahre zurück, das revolutionäre Geschehen um Luther ist kompliziert zu erklären, die Sprache Luthers und seiner Lieder sind uns fremd, ja exotisch.

Verena Rothaupt hatte nun die wunderbare Idee, die Familie Luther eine Woche lang zu besuchen: Vater Luther, seine Frau Katharina und seine sechs Kinder. Da sind wir nah dran: Die Kinder üben auf ihren Musikinstrumenten (zum Beispiel die wackere Juliane Zahn am Horn), der Vater erholt sich rauchend im Garten, beim Abendessen gönnt er sich sein Bierchen und muss abends noch für die Sonntagspredigt arbeiten, zugleich streiten sich die Buben, und es gibt Probleme in der Schule.

Das ist auch den Kindern nicht fremd, die in den Kinderchören der Göppinger Kantorei, in dem Kinderchor Ebersbach (Stefanie Reich) und dem Kinderchor Birenbach  (Verena Zahn) sangen, wobei Schüler und Schülerinnen der Janusz-Korczak-Schule (Ute Bidlingmaier und Cornelia Spieth) schon mal hineinschnuppern konnten. Für die jungen Sänger gab es eingängige Musik und – soweit es ging – leicht verständliche Texte.

Die Texte der Kinderlieder stammen von Verena Rot­haupt, die Sprechtexte Martin Luthers von Querdenker Erhard Eppler, dem Vater Verena Rothaupts. Die Musik lieferten Verena und Klaus Rothaupt gemeinsam. Ein Mini-Orchester mit Jule Heil (Violine), Stefanie Reich (Blockflöte), Verena Zahn (Klavier) und Lucy Kranzkowsky (Trommel) lieferte ansteckende Begleitmusik. Die Gesamtleitung lag in den Händen des einfühlsamen Kirchenmusikdirektors Klaus Rot­haupt.

Sehr geschickt durchdacht war der Ablauf der sieben Wochentage im Hause Luther. Zu Beginn blendete sich der Kinderchor in die Wohnstube der Familie Luther ein; zum Tagesabschluss durfte sich ein Kind wünschen, wovon Vater Luther ihnen erzählen sollte: Der gab sich Mühe (klar und engagiert: Johannes Frühbauer), die entscheidenden Situationen in seinem Leben seinen Kindern nahezubringen, was diese jeweils aus ihrer Sicht noch einmal aufgriffen. Bemerkenswert war bei alledem, dass der Autor Erhard Eppler die theologischen, kirchenpolitischen, sozial- und machtgeschichtlichen Fragen nicht ausgespart hat, zum Beispiel, scheinbar banal: Was bedeutet eine Alpenüberquerung in Sandalen für einen Romreisenden im Winter?

Die Chöre (also die zuhörenden Luther-Kinder) stimmten jeweils noch ein passendes Lied ihres Vaters an (mitunter anspruchsvolle Melodien), und schließlich war auch das Publikum (die Gemeinde) eingeladen mitzusingen. Das Ablaufschema wurde nur am Ende unterbrochen mit dem von Verena Rothaupt komponierten Abendsegen Luthers, in den die Gemeinde „auf Luthers Zeichen“ einstimmte und der vom Glanz der Kinderstimmen überstrahlt wurde.

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