Singen ohne Fracksausen

Ein Dutzend singbegeisterter Frauen und Männer versuchen ihre Angst vor dem Publikumsauftritt zu besiegen - und proben für ihre Show in Bad Boll.

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Fawn Arnold (re.) probt mit ihren völlig angstgelösten Mitsängern in Ostfildern/Ruit für den Auftritt am morgigen Samstag in Bad Boll.  Foto: 

Sarah steht mit ihrem Mikrofon in Position. "Ich spiele kurz das vorherige Lied an, damit du dich auf deinen Einsatz vorbereiten kannst", sagt Fawn Arnold zu ihrer jüngsten Schülerin. Die Dreizehnjährige wartet, bis die letzten Töne von "Ich will keine Schokolade" ausklingen, atmet nochmal tief durch und singt dann aus der kleinen Meerjungfrau die Ballade "Ein Teil Deiner Welt". Zum ersten Mal vor Publikum, genauer gesagt, sind es ja "nur" ihre Kollegen, Mitschüler, Anfänger wie sie selbst auch, Hobbysänger für den Hausgebrauch. Noch.

Es ist mucksmäuschenstill in Fawns Probenraum in Ostfildern. Die Musical-Darstellerin und Gesangslehrerin sowie etwa ein Dutzend Teilnehmer am Kurs "Singers ohne Angst" hören Sarah gespannt zu, erwidern ihren festen Blick, singen leise mit oder bewegen sich dazu. Das Mädchen meistert ihren Auftritt prima, singt mit glockenheller Stimme, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Atmung, Betonung, Pausen, alles im Einklang mit der Musik, die von einer CD kommt. Beifall brandet auf. Geschafft. War gar nicht so schlimm wie gedacht, findet der Teenager hinterher.

Ruhig und sachlich mit goldigem amerikanischem Akzent bespricht Fawn Arnold noch ein paar Feinheiten, die zum Gelingen der bevorstehenden Show beitragen sollen. Denn morgen gehts ans Eingemachte, dann heißt es "Showtime" im Hotel Seminaris in Bad Boll. Eine bunt gemischte Musical-Party. An dem von Fawn Arnold entwickelten Gesamtprogramm arbeiten seit rund einem Jahr bis zu 16 singbegeisterte Männer und Frauen unterschiedlichen Alters an ihrer Angst, vor Publikum zu singen - mal mit, mal ohne Unterstützung von Profi-Sängern, mal als komplettes Ensemble, mal als Solist, Duo oder Trio.

Die Palette ist breit: Zu hören sind Medleys von Queen und aus Sister Act, Lieder von Andrea Berg, Celine Dion, Katy Perry und John Denver. Die Stimmung unter den Teilnehmern ist gut und harmonisch. Das Singen verbindet die Menschen. Da wird keiner gemobbt oder ausgelacht. Schiefe Töne? Na und! Dann eben nochmal von vorn. Man macht sich gegenseitig Mut, geizt nicht mit Lob. "Manch einer ist von Natur aus bestens talentiert, andere lernen es Schritt für Schritt", sagt die ausgebildete Mezzosopranistin Arnold und ergänzt: "Angst hält uns gefangen. Kann man hören, kann man auch singen lernen." So erzählt sie ihren Schülern, dass es wichtig sei, die Stimme im Kopf ruhig zu stellen, damit die echte Stimme gehört werden kann. Sie erklärt, woher "Fracksausen" kommt, wie man Nervosität bezwingt und Lampenfieber in den Griff kriegt. "Meine Gesangsmethode basiert auf Atmung, achtzig Prozent vom Singen hängt davon ab."
 


Hotel Seminaris, Bad Boll, Beginn 20 Uhr (Einlass 19 Uhr)

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