Sieben Tage unerreichbar

"Es geht auch ohne", hat Maria Rauhut, Klassenlehrerin der "WS1d" an der Öde, ein Projekt genannt, bei dem die Klasse und sie selbst eine Woche lang auf ihre Handys verzichten. Schüler der Klasse berichten.

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Viele Schüler verzichten auch im Unterricht nicht auf ihr Handy - Nicht nur ihre Konzentration leidet darunter, sonder auch die Nerven ihrer Lehrer. Foto: Archiv

Heute werden Handys längst nicht mehr nur zum Telefonieren verwendet. Die Geräte haben sich zu wahren Multimedia-Genies entwickelt. Doch die ständige Möglichkeit zur Interaktion hat auch ihre Nachteile. Maria Rauhut, junge Klassenlehrerin einer Wirtschaftsschulklasse der Kaufmännischen Schule, bekam dies am eigenen Leib zu spüren: Viele ihrer Schüler waren im Unterricht oft abgelenkt, da sie anstatt aufzupassen, lieber mit ihren Handys im Internet surften. Das brachte die Lehrerin auf eine Idee: Im Rahmen einer Projektwoche verzichten nun alle Schüler ihrer Klasse und auch Rauhut selbst, sieben Tage lang auf ihre Mobiltelefone. Obwohl die Teilnahme am Verzicht freiwillig war, erklärten sich alle dazu bereit. Acht der 24 Jugendlichen gaben ihr Handy sogar bei Rauhut ab, die Eltern der Anderen wurden von Rauhut benachrichtigt sie mögen die Handys in Gewahrsam nehmen.

"In den ersten paar Stunden war es komisch, niemanden erreichen zu können und selbst nicht erreichbar zu sein", erinnert sich die Schülerin Julia. Jetzt, nach fünf Tagen Verzicht, spreche sie mehr mit ihren Freunden im Voraus schon ab. "Nur Musikhören habe ich wirklich vermisst, dafür habe ich mir einen Ipod gekauft", sagt sie stolz. Insgesamt hält sie das Projekt für eine gute Idee. Ömer gibt zu, dass er jetzt schon ein paar mal verschlafen hat, da er sein Handy sonst immer als Wecker benutzt hat. "Trotzdem tut es mal gut, nicht ständig erreichbar zu sein - insgesamt vermisse ich es überhaupt nicht", meint er. Der Schüler kann sich sogar vorstellen noch länger als die Woche auf sein Handy zu verzichten. Nicht ganz derselben Meinung ist Julian: "Ein Handy macht einem einiges leichter, da es viele Funktionen vereint." Trotzdem fällt auch ihm eine Kehrseite der Geräte auf: "Heute kann man mit jedem Handy fotografieren oder filmen. Manche nutzen das, um ihre Mitschüler damit unter Druck zu setzen.

Das Handy ist für viele zum alltäglichen Begleiter geworden, der ständig herumgetragen wird. Hat man das Telefon dann mal nicht griffbereit, fühlen sich viele von ihren Kontakten abgeschnitten. Auch für Daniela war es am Anfang seltsam, das Telefon nicht mehr in der Hosentasche zu haben: "Es ist schon zu einem richtigen Reflex geworden, mein Handy ab und an rauszuholen, selbst wenn ich es gar nicht brauche", sagt sie. Trotzdem konnte sie dem Projekt schon jetzt etwas abgewinnen. "Ich freue mich, dass ich während der Tage schon einiges an Geld sparen konnte", meint sie. Auch Rauhut fällt auf, dass sie das Handy umso weniger vermisst, je länger sie auf ihr Handy verzichtet. Auch die Konzentration ihrer Schüler im Unterricht habe zugenommen. Am Ende der Projektwoche will die Lehrerin gemeinsam mit ihren Schülern versuchen, Regeln für einen sinnvollen Umgang mit dem Handy zu erarbeiten.

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