Sicherheit ist ein gutes Gefühl

Gemeindemitglieder unterstützen etwa 20 Iraner und Afghanen beim Deutschlernen im Haus der evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Göppingen.

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Gemeindemitglieder der EMK Göppingen unterstützen Flüchtlinge beim Deutschlernen.  Foto: 

„Ohne Sprache und persönliche Ebene geht nichts“, sagt Pastor Hans Martin Hoyer und setzt an der Theke im Gemeinschaftsraum der evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Göppingen schon mal den Kaffee auf. Etwa 20 Flüchtlinge aus dem Iran und aus Afghanistan, vorwiegend junge Männer und Frauen, sitzen um den großen Tisch und sprechen nach, was ihnen von Doris Stöbe, die im Hauptberuf Lehrerin an der Schiller-Realschule ist, vorgesprochen wird.

An diesem Tag – sie treffen sich immer dienstags – geht es um die Endungen bei Verben und um das Possessivpronomen. „Ich arbeite, du arbeitest, er arbeitet; mein Stift, dein Stift ... “ und so weiter, was im Deutschen ganz schön kompliziert ist. Dann entspinnt sich auch schon eine kleine Konversation über das Wetter und darüber, wie es den einzelnen Personen geht.

Doris Stöbe unterstreicht immer wieder erklärend mit Gesten oder Bildern, worum es geht, spricht vor, korrigiert – und die Fremdsprachler sind ganz bei der Sache. Danach teilen sie sich in kleine Gruppen, um das jeweils Gelernte zu vertiefen. Unterstützung bekommen die Flüchtlinge von verschiedenen Gemeindemitgliedern. Jan beispielsweise ist 12 Jahre alt, Paula 10, Günter 82 – und die Hilfslehrer machen ihre Arbeit gerne.

Pastor Hoyer erzählt, dass es freitags immer „Essen mit Kontakt“ gebe und die Verbindung zu den Flüchtlingen durch einen Iraner hergestellt worden sei, der schon lange in Deutschland lebe. Die Flüchtlinge seien in der Turnhalle in der Öde untergebracht gewesen und kämen seit April zum ehrenamtlichen Sprachkurs. Inzwischen habe man einige an die VHS vermitteln können.

Die Flüchtlinge kämen aus einem muslimischen Hintergrund. Manche seien jedoch schon getauft und andere würden an diesem Sonntag in einem Taufgottesdienst aufgenommen. „Wir sind offen und nicht bestimmend“, sagt der Pastor, „wenn jemand beim Islam bleiben möchte. Denn Gewalt ist keine Frage der Religion, sondern eine Frage der Radikalität.“ In der Gemeinde habe man sich gefragt, wie man den Menschen helfen und ihnen das Ankommen erleichtern könne.

Abas beispielsweise kommt aus dem Iran und ist von dort aus religiösen Gründen geflohen. Der 22-Jährige, dessen Vater Bauer war und gestorben ist, hat in seinem Heimatort – 500 Kilometer von Teheran entfernt – Mutter und acht Geschwister zurückgelassen. Als einziger unter Muslimen wollte er wie der Vater Christ sein und wurde deshalb von der Polizei verfolgt. Er hat Misshandlung erlebt. Diese führt  nach Aussage von Pastor Hoyer dazu, als Abschreckung an einem Baum aufgehängt zu werden, sollte Abas nach mehrmaliger Aufforderung dem Christentum nicht abgeschworen haben.

Der junge Iraner war nach eigener Aussage – er spricht schon gebrochen Deutsch – einen Monat auf der Flucht und ist froh, in Sicherheit zu sein. Er möchte eine Ausbildung im sozialen Bereich machen, hat allerdings im Iran keine Schulbildung genossen. Deswegen ist der 22-Jährige dankbar für die Unterstützung der Gemeindemitglieder der EMK und genießt natürlich auch den Kaffee.

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