Shoppen im 19. Jahrhundert

Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren durften gestern mitbestimmen, wohin sich die Geschichten des Schauspielerduos entwickeln - dabei wichen ihre Vorstellungen teilweise erheblich von denen der Mimen ab.

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"Jetzt können wir anfangen, halt - Mist, ich hab meinen Text vergessen", mit diesen Worten beginnt Schauspieler Christoph Buchfink das Improvisationsstück, das er zusammen mit seinem Kollegen Andy Clapp gestern Morgen im Alten E-Werk aufführte.

Die Vorführung fand im Rahmen der Göppinger Kinder und Jugendtheatertage statt. Der Name des Programmes ("Die Ideenfänger") lässt erahnen, um was es dabei geht: Das junge Publikum soll eigene Vorschläge einbringen, um den Fortgang der entstehenden Geschichten zu beeinflussen. Nach einer kleinen Aufwärmübung wird das Publikum gefragt, ob es denn ein paar menschliche Schwächen aufzählen könne. Nichts leichter als das: Dinge wie "verliebt sein", "Eifersucht" oder "Dummheit" sind von den kichernden Schülern zu hören.

Anschließend wollen die Akteure einen Ort des Geschehens für ihre Geschichte wissen - die Zeit hat das Duo selbst auf das Jahr 1820 festgelegt. Nachdem man sich auf England geeinigt hat, treten schon die ersten Komplikationen auf: Die Kinder wollen Raumschiffe als Transportmittel und Aliens als Akteure, die Schauspieler nicht. "Also gut, vielleicht kommt ein Raumschiff irgendwo drin vor", beschwichtigt Buchfink.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf: Irgendwo im England des 19. Jahrhunderts wohnt ein kaltherziger Gutsherr, von seinem unterwürfigen Diener Roger nur Mylord genannt, der außer sich ist, da er glaubt, seine verreiste Frau betrüge ihn in London. Die Schauspieler unterbrechen kurz und fragen: "Was glaubt ihr, was macht die Frau dort?" Wieder sind die Vorschläge der Kinder nicht ganz zeitgemäß: "Sie geht shoppen", schlägt ein Mädchen vor, "Sie kauft sich ein Auto", ruft ein Junge in der ersten Reihe. Eine andere hat die rettende Idee: Die Frau kaufe Stoffe in der Stadt.

Jetzt gewinnt das Stück einigermaßen an Fahrt - die Befürchtungen des eifersüchtigen Ehemanns werden bestätigt: Seine Frau betrügt ihn mit Stoffverkäufer "Humphrey". Eine wilde Verfolgungsjagd durch die Londoner Kanalisation beginnt. Jetzt verschwindet auch die Müdigkeit von manchem Kind, herzliche Lacher sind zu hören. Nun dürfen die Schüler im Alten E-Werk ein letztes Mal ins Geschehen eingreifen und geben preis, wie sie den Konflikt der beiden Männer gelöst haben wollen: "Ein Duell mit Messern und Fäusten", darin sind sie sich einig. Zum Showdown kommt es dann im Stoffgeschäft, doch die Handgreiflichkeiten bleiben aus, stattdessen beleidigen sich die Duellanten mit Ausdrücken, die ihnen die Kinder vorgeschlagen haben. Der Gutsherr ist davon so gekränkt, dass er einen Vertrag unterschreibt, der ihn dazu zwingt, für immer die Finger von seiner Frau zu lassen.

Nach kurzem Schlussapplaus gibt es eine Zugabe, und jetzt, endlich, findet auch das lang herbeigesehnte Raumschiff seinen Platz.

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