Serie: Geschichten aus der Göppinger Hauptstraße

Die Göppinger Hauptstraße hat im Laufe der Zeit immer wieder ihr Gesicht verändert. Die NWZ will in einer Serie Geschehen und Gebäude der Straße und ihre wechselvolle Geschichte vorstellen.

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  • Wo heute das "Woolworth" steht (Bild oben), gab es schon zuvor Kaufhäuser. In den 20er Jahren betrieb Friedrich Langbein dort ein Aussteuerhaus (links unten), 1930 eröffnete Julius Guggenheim sein "Wohlwert" (unten rechts). Fotos: Stadtarchiv / Margit Haas 1/3
    Wo heute das "Woolworth" steht (Bild oben), gab es schon zuvor Kaufhäuser. In den 20er Jahren betrieb Friedrich Langbein dort ein Aussteuerhaus (links unten), 1930 eröffnete Julius Guggenheim sein "Wohlwert" (unten rechts). Fotos: Stadtarchiv / Margit Haas
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Anstelle der ehemaligen Stadtschreiberei, die im August 1782 wie die gesamte Stadt ein Raub der Flammen geworden war, finden die Göppinger heute im Kaufhaus "Woolworth" ein vielfältiges Sortiment. Ältere Göppinger erinnern sich noch an das Kaufhaus "Bilka", das 1990 von der Kaufhauskette "Woolworth" übernommen worden war. Das "Bilka" war in den 50er Jahren neu gebaut worden. "In der Innenstadt ist es der einzig anspruchsvolle Bau der fünfziger Jahre", stellt Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß fest. Das "Bilka" hatte als erstes Göppinger Kaufhaus versenkbare Eingangstüren und Rolltreppen - damals eine kleine Sensation.

Ein Kaufhaus war an dieser Stelle bereits 1930 eröffnet worden. Der jüdische Kaufmann Julius Guggenheim hatte damals das Einheitskaufhaus "Wohlwert" eröffnet. Was heute ganz selbstverständlich ist, war damals revolutionär: die Kunden konnten sich in aller Ruhe umsehen und sich selbst bedienen. Zur Einweihung hatte der Kaufmann eine geniale Werbeidee: er ließ von einem Flugzeug aus, das auf dem Göppinger Flugplatz gestartet war, Schokoladetäfelchen mit dem Hinweis auf die Eröffnung abwerfen.

Guggenheim hatte das Anwesen von Daniel Rosenthal übernommen. Der jüdische Industrielle galt als Pionier der Korsettindustrie. Er gehörte dem Göppinger Bürgerausschuss und dem Gemeinderat an und zeigte sich immer wieder als großzügiger Spender. So gründete er eine Stiftung für begabte Volksschüler und stiftete für das Krankenhaus. Rosenthal zog 1871 nach Frankfurt, wo er 1873 starb.

Lange bestand das jüdische Kaufhaus von Julius Guggenheim nicht. 1938 wurde sein Geschäft "arisiert". In der Pogromnacht waren er und sein Sohn Leopold nach Dachau verschleppt worden. Er versuchte, mit seiner Familie auszureisen, was zunächst nicht gelang. Die Kinder Lilo und Leopold konnten dann aber in Sicherheit gebracht werden, und auch Julius verließ 1941 Nazi-Deutschland in Richtung Südamerika. Seine Frau Pauline lebte da nicht mehr. Sie hatte sich aus Verzweiflung das Leben genommen.

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