Serie: Geschichten aus der Göppinger Hauptstraße

Die Göppinger Hauptstraße hat im Laufe der Zeit immer wieder ihr Gesicht verändert. Die NWZ will in einer Serie Geschehen und Gebäude der Straße und ihre wechselvolle Geschichte vorstellen.

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  • 1867 eröffnete der jüdische Unternehmer Julius Reinganum in der Hauptstraße 37 eine Korsettdrillweberei (unser linkes Bild entstand um 1910), heute steht an dieser Stelle das Roth-Carrée. Fotos: Statdtarchiv / Margit Haas 1/2
    1867 eröffnete der jüdische Unternehmer Julius Reinganum in der Hauptstraße 37 eine Korsettdrillweberei (unser linkes Bild entstand um 1910), heute steht an dieser Stelle das Roth-Carrée. Fotos: Statdtarchiv / Margit Haas
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Kein Nachfolger - und schon schließt ein alteingesessenes Fachgeschäft, gehen Kompetenz und Service verloren. Wo heute vermeintliche Schnäppchen locken, hatte jahrzehntelang der Raumausstatter Roth seine Geschäftsräume. 1904 hatte Robert Roth seine Werkstatt in der Kirchstraße eröffnet, war später in die Freihofstraße umgezogen und hatte 1938 das Gebäude Hauptstraße 37 gekauft, war bewusst an den Schillerplatz, damals die "gute Stube" der Stadt, gezogen.

Ende der Siebzigerjahre war das Geschäftshaus grundlegend umgebaut und modernisiert worden und dann von Werner und Manfred Schramm, den Enkeln des Gründers, bis vor wenigen Jahren weiter geführt worden. Sie hatten sich vor knapp zehn Jahren entschlossen, auf dem weitläufigen Gelände inmitten der Stadt hochwertige Wohnungen zu bauen und mit dem "Roth-Carrée" ein Vorzeigeprojekt geschaffen. Zahlreiche Büros und Praxen sowie eine Bank haben dort heute ihren Sitz. Gebaut hatte das Anwesen zunächst der Handelsmann Christoph Lidel. 1867 dann eröffnete dort der jüdische Unternehmer Julius Reinganum eine Korsettdrillweberei, mit deren Produkten er auch auf der Weltausstellung in Wien im Jahre 1873 von sich reden machte.

Reinganum war 1842 in Neckarsulm geboren. Er starb 1919 in Göppingen. Er war nicht nur erfolgreicher Unternehmer, sondern auch Kirchenvorsteher der israelitischen Gemeinde und engagiert in zahlreichen Vereinen. Bereits 1912 hatte er seine Firma an den Stuttgarter Wilhelm Feller verkauft. In den Zwanzigerjahren bot hier auch das Blumenfachgeschäft Rauschnabel Schnittblumen und Topfpflanzen an. Das Anwesen gehörte jetzt David Moritz Fleischer. Bei dem jüdischen Papierfabrikanten in Eislingen arbeitete Albert Roth in leitender Position. Das erklärt vielleicht, wie 1938 der Verkauf an Alberts Bruder Robert zustande kam. Damals war ein normaler Kaufpreis bezahlt worden. Nachkommen von Robert Roth und David Moritz Fleischer hatten nach dem Krieg jahrzehntelang Kontakt.

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