Seltener musikalischer Genuss

Mit Werken von Borodin, Mozart und Mendelssohn Bartholdy setzten die Teilnehmer der Kammermusik-Akademie Hohenstaufen einen eindrucksvollen Schlusspunkt unter eine Woche voller Proben.

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Die Teilnehmer der Kammermusik-Akademie Hohenstaufen zeigten beim Abschlusskonzert in der evangelischen Kirche ihr Können. Foto: Staufenpress

Dass in einem ohnehin guten Konzert für den Schluss ein solcher Trumpf übrigbleibt, ist nicht selbstverständlich. Als das rasante Presto, der letzte Satz von Mendelssohn Bartholdys Oktett Es-Dur Opus 20, verklungen war, setzte donnernder Applaus in der evangelischen Kirche in Hohenstaufen ein. Für die Kubanerin Laura Peréz Soria, die mit ihrem Geigenspiel wahrlich geglänzt hatte, wurden zusätzlich die Füße eingesetzt und als sich dann die drei Dozentinnen Sara Rillung, Virginie Robilliard und Elena Cheah zu den jungen Begabungen gesellten, erschallten Jubelrufe.

Das war der Abschluss eines gelungenen Experiments, das elf junge Menschen für eine Woche zur Kammermusik-Akademie Hohenstaufen vereinigte. Zehn Stunden Üben und Proben am Tag, alleine, in der Gruppe, im Einzelunterricht, sorgten bei den Teilnehmern musikalisch für einen großen Schritt nach vorne, und die Göppinger kamen an drei Abenden hintereinander in den Genuss von Kammerkonzerten und so seltener Kombinationen wie dem Trio oder dem Oktett. Und sie ließen die Gelegenheiten zum kostenlosen Musikgenuss nicht ungenutzt verstreichen und sorgten stets für eine volle Kirche.

Ein Oktett - vier Violinen, zwei Bratschen und zwei Celli - bekommt man nicht oft zu hören. Mit Fülle und Wohlklang setzte das Allegro an, verlangte einerseits Mäßigung und andererseits viel Ausdruck. Laura Peréz Sorias Spiel ist enorm selbstbewusst, farbig und mitunter mitreißend feurig. Das übermütige Scherzo hat einen hohen Wiedererkennungswert, die acht Instrumente bringen die Töne zum Springen, Hüpfen und Tanzen.

Alexander Borodins Streichquartett Nr. 2 D-Dur machte den Auftakt. Kein Wunder, dass die Weisen des russischen Komponisten für amerikanische Musicals herhalten mussten. Es werden Geschichten erzählt: Der erste Satz entwickelt sich von der Melancholie zur Freudigkeit, das Scherzo klingt nach Frühling, die Luft ist lau, ein paar Takte eines Tanzes schleichen sich ein. Das Notturno erzählt von all den Schattierungen der Nacht, die Sinneseindrücke sind gedämpft. Die Violine der Französin Amelie Hirsch klingt wie Licht in der allseitigen Dunkelheit. Das Finale ist ein raffinierter Dialog aller Instrumente bis hin zum Streit, das sich am Ende in Harmonie auflöst.

Mozarts Streichquintett Nr. 4 g-Moll KV 516 ist eine Komposition, die nicht vorderhand zu gefallen sucht. Besonders aufhorchen ließ das Zwiegespräch von Violine (Kerstin Kullerkupp) und Cello (Mira Abu Elassal) im zweiten Satz. Der Schlusssatz muss zum Aufhören mehrfachen Anlauf nehmen und endet mit einem beeindruckenden Klangbild. Ein Bravo-Ruf ist zu hören - völlig zu Recht. Die Bereicherung des Göppinger Kulturlebens soll in drei Jahren eine Wiederauflage erleben und zur festen Einrichtung werden - wenn finanziell machbar. Man kann es nur hoffen.

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