Seltene Tiere im Museum

Eine ungewöhnliche Sammlung präsentiert sich Besuchern im Ehinger Museum: Über 100 Jahre alte ausgestopfte farbenfrohe Vögel und andere Tiere. Es sind Arten dabei, die es heute nicht mehr gibt.

|
Hier teilt sich ein Affe mit einem Fuchs die künstliche Landschaft im Ehinger Museum. Fotos: Julia-Maria Bammes

Das Äffchen hält eine Walnuss in der Hand, es schaut ein wenig irritiert. Kein Wunder. Der Affe muss sich sein Zuhause mit einem Fuchs, einem Igel und so anderen Waldtieren teilen. Der kleine Affe ist Teil der Tiersammlung, die das Ehinger Museum präsentiert. Sowohl die Sammlung als auch deren Geschichte sind ungewöhnlich.

Eine Meldung im "Volksfreund für Oberschwaben" vom September 1891 belegt, dass Friedrich Kaulla, der damalige Besitzer des Rittergutes Oberdischingen, die Sammlung an das Ehinger Gymnasium schenkte, berichtet Stadtarchivar Dr. Ludwig Ohngemach. Außer Vögeln umfasste sie damals auch Vierfüßler, von Raubtieren ist die Rede, sowie Käfer, Schmetterlinge und Vogeleier. Auch ohne Raubtiere macht die Sammlung staunen: Die Vogelsammlung umfasst den wahrscheinlich vollständigsten Bestand einheimischer Arten, der aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben ist. Viele Vögel, die heute bei uns ausgestorben sind, sind zu sehen. Außerdem gibt es drei Schaukästen mit tropischen Vögeln. Deren Gefieder leuchtet so bunt, dass man es kaum glauben mag, dass die Tiere schon seit mehr als einem Jahrhundert tot und konserviert sind.

Eine Großtrappe ist ausgestellt, außerdem Zeisige, Finken, ein Pirol, ein Bienenvogel, Dohlen, eine Blauracke, verschiedene Eisvögel. Brachvögel recken elegant ihre langen und leicht gebogenen Schnäbel. Ein Handkatalog erklärt Besuchern, um welchen Vogel und welches Tier es sich handelt.

Irgendwann muss die Sammlung das Gymnasium verlassen haben, schreibt Ohngemach. Später gingen die Kisten in den Besitz des Bezirksaltertumsvereins über und gelangten in dessen Museum. Die Kulissen imitieren den natürlichen Lebensraum der jeweiligen Arten. Hinter den Schneehühnern erhebt sich etwa ein Gebirge, Seevögel tummeln sich am gemalten Bodensee. Jene Kulissen geben auch einen Hinweis auf die Entstehung der Sammlung, berichtet der Stadtarchivar: Auf einer der Malereien ist die Ruine von Schloss Montfort am Bodensee zu sehen. Die Mauern wurden Mitte der 1850er Jahre abgetragen und durch einen Neubau ersetzt. Im Vordergrund ist das Dampfschiff "Kronprinz" abgebildet, das im Jahr 1839 in Dienst gestellt wurde.

Risse an den Kästen wurden mit Leinwand und Papier verschlossen. Mit besonderem Papier. Zum Teil handelt es sich laut Ohngemach um Abfallpapier aus der Zeit des sogenannten Malefizschenken, Graf Franz Ludwig Schenk von Castell (1736 bis 1821). Daneben finden sich Zeitungen aus der Kaulla'schen Zeit, das heißt nach 1851. Geht man also davon aus, dass die Kästen gleichzeitig entstanden sind, dürfte dies nach 1851 gewesen sein.

Info Geöffnet ist das Museum am Viehmarkt 1 mittwochs 10 bis 12 Uhr sowie 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 14 bis 17 Uhr.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Almabtrieb: Ein Ort im Ausnahmezustand

Der achte Gammelshäuser Almabtrieb lockte am Sonntag tausende Besucher in die kleine Gemeinde am Albtrauf. weiter lesen