Seilbahn auf Kaiserberg? Für die Stadt Göppingen kommt ein Lift nicht in Frage

Pläne für eine Seilbahn auf den Hohenstaufen aus den 1960er Jahren, aufgefrischt durch den Ex-Oberbürgermeister Reinhard Frank und später durch OB Guido Till, kommen nicht so richtig in die Gänge.

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So wie diese Seilbahn in Thale (Sachsen-Anhalt) könnte man sich eine Seilbahn zum Hohenstaufen vorstellen.  Foto: 

Man denke an die Pfänder-Schwebeseilbahn, die von Bregenz aus auf die Bergstation nahe der Pfänderspitze führt und einen genialen Blick auf die Bodenseelandschaft gewährt - man denke an die Eibsee-Seilbahn zwischen der Talstation Eibsee und der Bergstation am Zugspitzgipfel, die ab Herbst vergangenen Jahres für 50 Millionen Euro durch eine neue ersetzt und bis 2017 fertig sein soll - und man denke eher an eine kleine Provinzposse im Kreis Göppingen mit der Überschrift "Einen Schlepplift auf den Hohenstaufen?" vom November des Jahres 1969.

Damals hatte die NWZ berichtet, dass der 684 Meter hohe Berg auch im Winter für Wanderer attraktiver werden solle. Elf Kommunen des Kreises Göppingen und Schwäbisch Gmünd wollten den Fremdenverkehr fördern und hatten als Attraktion die Errichtung eines Schlepplifts auf den Kaiserberg ins Auge gefasst.

Doch daraus wurde nicht. In den darauffolgenden NWZ-Berichten ist nämlich dann die Rede von "Schlepplift - völlig abwegig" und von "falscher Auslegung der Planunterlagen". Zwar war im "Entwicklungsprogramm für den Fremdenverkehr in den Jahren 1970/1975" im Abschnitt "Entwicklungsziele" unter anderem ein Schlepplift in Hohenstaufen aufgeführt. Der ehemalige Bürgermeister Alfred Fetzer der damals noch selbstständigen Gemeinde Hohenstaufen hatte auf Nachfrage erklärt, dass es sich aber lediglich um einen "transportablen Schlepplift am östlichen Rand der Gemeinde Hohenstaufen" handle, der leichte Abfahrten für Anfänger in das Ottenbacher Tal ermöglichen sollte.

Der Schwäbische Albverein und viele Privatpersonen hatten damals aufgeregt ihre Bedenken gegen den Plan geäußert, und der damalige Landrat Dr. Paul Goes hatte ihn als "Unfug" gebrandmarkt. Und die damalige Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbische Ostalb-Stauferland hatte dies dann als Missverständnis und als "völlig abwegig" bezeichnet.

In jüngster Zeit hört man jedoch immer wieder von Wünschen gehbehinderter Mitbürger, die gerne auf den Hohenstaufen gelangen wollen. Andreas Schweickert von der Firma Saltico sagt dazu: "Eine Alternative für Gehbehinderte wäre schon gut, aber bei einem Sessellift wäre ich eher skeptisch, weil man den Berg nicht zu einem Rummelplatz machen darf." Schweickert meint, dass man den Weg besser ausbauen und einen Shuttle für Gehbehinderte einrichten könnte. Dazu seien neue Ideen für ein Transportmittel gefragt. Der geschotterte Weg bereite im übrigen bei starkem Regen Probleme. "Wir müssen den Berg erlebbar für alle machen", sagt Schweickert.

Die Stadt Göppingen hält indes nichts von einem Lift auf den Hohenstaufen. Man habe den Hohenstaufen seiner geschichtlichen Bedeutung entsprechend "sensibel touristisch weiterentwickelt" und die "Verankerung mit der umgebenden grünen Natur gewahrt". In einer Presseerklärung stellt sie jedoch die Frage, "wie eine möglichst barrierefreie Erreichbarkeit des Gipfels ermöglicht werden könne". Und sie antwortet selbst: "Da der Hohenstaufen ein Naturdenkmal ist, kommt eine in Bayern gängige Lösung, nämlich die Erschließung mittels Lift, allerdings wohl nicht in Frage." Also wird es wohl nichts mit einer Hohenstaufen-Seilbahn.

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