Schwarzarbeit auf der Spur

Die Staatsanwaltschaft Ulm ermittelt gegen eine Firma aus dem Kreis, die Versicherungsbeiträge in sechsstelliger Höhe nicht abgeführt haben soll.

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Gestern fand in einem Eislinger Maschinenbauunternehmen eine Durchsuchungsaktion statt. Ein halbes Dutzend Zoll- und Polizeifahrzeuge standen auf dem Parkplatz. Die Staatsanwaltschaft Ulm bestätigte gestern auf Anfrage der NWZ die Durchsuchung, betonte aber, dass das durchsuchte Unternehmen, nämlich die Eislinger Firma MAG, nicht Beschuldigte sei. Vielmehr richten sich die Ermittlungen gegen ein Subunternehmen, das für die MAG Montageleistungen erbracht habe, betonte der stellvertretende Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Ulm, Rainer Feil. Das beschuldigte Unternehmen, das keine typische Leiharbeitsfirma, sondern ein Montagebetrieb sei, soll Sozialversicherungsbeiträge für seine Beschäftigten "im mittleren sechsstelligen Bereich" unterschlagen haben, so Feil.

Das Unternehmen sei formal in New York in den USA registriert, operiere aber aus dem Landkreis Göppingen heraus. Der Verantwortliche des Betriebs besitze aber nicht die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und habe seinen Wohnsitz im Kreis Göppingen. Zuvor sei das Unternehmen, das die Organisationsform "Limited", abgekürzt Ltd. hat, in Großbritannien angemeldet gewesen. Gegen den Verantwortlichen des Unternehmens wurde Haftbefehl erlassen. Er befindet sich aber auf freiem Fuß, da der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt wurde. "Der Beschuldigte hat die Vorwürfe dem Grunde nach eingeräumt", so Staatsanwaltschaftssprecher Feil: "Hintergrund unserer gestrigen Aktion war es, Hinweise über die genaue Schadenshöhe zu bekommen." Derzeit sei vieles noch unklar, so auch, wie viele Arbeitnehmer beschäftigt wurden, ohne sie ordnungsgemäß anzumelden. Feil: "Wir gehen davon aus, dass pro Auftrag im Schnitt neun Mitarbeiter des Unternehmens im Einsatz waren. Allerdings hat die Belegschaft immer wieder gewechselt, so dass wir derzeit nicht sagen können, wie viele Beschäftigte der Betrieb überhaupt hat und wie viele Aufträge für wie viele Auftraggeber abgewickelt wurden." Um ein möglichst genaues Bild zu bekommen, habe man vorsorglich für mehrere Firmen im Landkreis Durchsuchungsbeschlüsse erwirkt. Neben der MAG seien auch andere Firmen im Kreis Göppingen Auftraggeber des beschuldigten Montagebetriebs gewesen. Auch dort haben Durchsuchungen stattgefunden.

Info Die englische "Limited", abgekürzt Ltd., erlebt seit einigen Jahren einen Boom, da ihr Grundkapital anders als bei einer GmbH nur ein Pfund beträgt. Bilanzen müssen nach englischem Recht erstellt und in London eingereicht werden. In den USA unterscheiden sich die Regeln für eine Ltd. je nach Bundesstaat.

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