Schulfibel von anno dazumal: Auf ab auf, Dipfele drauf!

Generationen Kinder haben mit dieser Fibel lesen und schreiben gelernt - nun ist sie im Reprint wieder greifbar. Doch heute richtet sich dieses Lehrbuch für die deutsche Kurrentschrift nicht mehr an Abc-Schützen.

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  • Die deutsche Kurrentschrift ist eine sehr schöne Schrift. Hier das Alphabet in Groß- und Kleinbuchstaben. 1/2
    Die deutsche Kurrentschrift ist eine sehr schöne Schrift. Hier das Alphabet in Groß- und Kleinbuchstaben.
  • Ein kleines "A" wie ein runder Apfel: Illustration aus der Fibel von Joseph Frey. 2/2
    Ein kleines "A" wie ein runder Apfel: Illustration aus der Fibel von Joseph Frey.
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Wer kann heute noch die deutsche Kurrentschrift lesen oder gar flüssig schreiben? Meist nur noch unsere Ururgroßeltern, und deren Lebensjahre sind gezählt. Das ist der Grund, weshalb sich der unermüdliche Reiner Wieland, Gründer der Stiftung Literaturforschung in Ostwürttemberg mit dem großen Archiv in Lautern, dafür eingesetzt hat, dass eine seinerzeit viel verwendete Schulfibel im Faksimile neu aufgelegt worden ist, mit der Abc-Schützen diese Schrift beigebracht wurde.

Hinzu kommt, dass der Buchautor Joseph Frey (1858 - 1929) aus dem Südwesten stammt. Bei Künzelsau geboren, studierte er in Schwäbisch Gmünd Pädagogik. Seine Stationen als Lehrer, Seminarleiter und Schulrat führten den Vater von zwölf Kindern unter anderem nach Saulgau, Stuttgart, Gmünd und Heilbronn. Freys reich bebildertes und pädagogisch durchdachtes "ABC=Buch" erlebte zu seinen Lebzeiten sechs Auflagen.

Mit der Fibel kann man die deutsche Kurrentschrift erlernen, eine sehr schöne, ästhetische Schreibschrift, bei der allerdings die Unterscheidung einzelner ähnlicher Buchstaben nicht ganz leicht fällt. Die deutsche Schrift zählt zu den gebrochenen Schriften (im Gegensatz zur heute gängigen runden lateinischen Schreibschrift). Jahrhundertelang war die deutsche Schrift d i e Gebrauchsschrift.

Abgewandelt wurde sie dann vom Grafiker und Pädagogen Ludwig Sütterlin (1865 - 1917), der in preußischem Auftrag eine deutsche (und eine lateinische) Ausgangsschrift entwickelte. Als "Sütterlinschrift" wurde sie zuerst 1915 an Schulen in Preußen eingeführt. Nach Zwischenphasen wurde 1953 die lateinische Ausgangsschrift vollends verbindlich.

"In Firmen, Archiven und Behörden lagern... Dokumente in deutscher Schrift, die entziffert werden müssen. Auch in Familien existieren noch unzählige Briefe und Unterlagen, die in deutscher Schrift geschrieben wurden", schreibt Reiner Wieland im Vorwort zum Abc-Buch-Reprint. Doch wer kann die Schrift heute noch lesen, fragt er besorgt. "Wie oft hört man: ,Ich würde so gerne die Briefe meiner Urgroßeltern lesen, aber ich kann die Schrift nicht entziffern"" Zumal wer von Berufs wegen mit Kirchenbüchern und Protokollen und Akten in Gemeindearchiven zu tun hat, kommt an der Kurrentschrift nicht vorbei.

Wieland hat nicht nur allen Schulen im Schulamt Göppingen ein kostenloses Exemplar der Fibel zukommen lassen, er vermittelt bei Interesse auch Seminarleiter für Fortbildungen zur deutschen Schrift. Schulungen hält er für denkbar auf Ebene des Schulamtes, bei Kreisbehörden oder an Volkshochschulen. Und, so eine weitere Anregung Wielands, warum nicht an der einen oder anderen Schule eine AG zur deutschen Schrift anbieten?

Info ...auf ab auf, Dipfele drauf! Joseph Frey 1858 - 1929, Pädagoge Schulrat Fibelautor, mit einem Reprint des "ABC=Buch" von 1909; Unterm Stein. Lauterer Schriften, 2013, Einhorn-Verlag Schwäbisch Gmünd

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