Schleich brilliert im E-Werk

Aus, Schluss, vorbei. Helmut Schleich ist ein Wutbürger, der genug hat von einer schwarz-gelben "Katastrophen-Koalition". Der Münchener Kabarettist kam, parodierte und brillierte im Göppinger E-Werk.

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"So nicht. Es muss etwas geschehen. Nicht mit mir", sagt der Wutbürger Helmut Schleich. Als solcher ist er gegen praktizierte Politik, Glutamat und tiefergelegte Bahntrassen, saugt seine Bildung aus dem TV-Programm BR Alpha und generiert seine Meinung im Internet bei "Opinion Scout 24". Und er ist für den Protest des Volkes. Bedauerlich nur, dass dieses hierzulande erst dann Solidarität erfährt, wenn es weit genug weg ist. Am besten also, die nächste Demo findet in Ägypten statt. Typisch Schleich. Messerscharf logisch und doch irgendwie köstlich kleinbürgerlich querdenkend.

Nach mehr als zehn Jahren Abstinenz war der Münchner Schleich endlich wieder einmal im Göppinger Odeon (Altes E-Werk) zu erleben. Als Parodist und als bestes Theater veranstaltender Kabarettist. "Nicht mit mir" heißt sein aktuelles Programm von der "ultimativen Form des persönlichen Protests". Schleich kam nicht alleine. Mit und neben ihm standen gleichzeitig FJ Strauß, Ottfried Fischer, Papst Benedikt XVI. und eine lange Reihe weiterer Charakterköpfe auf der Bühne. Schneller als man denken konnte, wechselte - nein schlüpfte - Schleich in die Gestalt und Aura der anderen.

Helmut Schleich ist Franz Josef Strauß und ihn wird er auch nicht wieder los. Strauß mischt sich ein ins Geschehen und ergreift Besitz von Schleich. Wie weiland Mr. Hyde von Dr. Jekyll. "Ich verändere mich", sagt Schleich. Sein Kopf fährt ein und der Kragen schwillt auf Weite 48 an. Doch "nur weil einer meinen Hals hat, hat er noch lange nicht meine Kragenweite", entfährt es Schleichs alter Ego Strauß. Strauß poltert los, zieht vom Leder und her über seine Politenkel. Schleich zeigt sich irritiert und geschockt. So brachial wie FJS würde Schleich niemals daherreden. Doch den Strauß wird er nicht los. Da kann auch Papst Benedikt XVI. nicht helfen. Köstlich das Wortgefecht der beiden, als es gilt klarzustellen, wer der bedeutendste Bayer aller Zeit ist. Zwischendurch tauchen der Vergangenheits-Wahrsager Nostradamus (wer wahrsagt, was war, macht keine Fehler), Heinrich von Horchen, der keuchende und sabbernde Gesangslehrer von Jopi Heesters und in Schlaglichtern ein paffender Helmut Schmidt und ein behäbiger Ottfried Fischer auf.

Schleich brilliert. Sein Programm ist mitreißendes Kabarett, gespickt mit ironisch-satirischem Wort- und Theaterspiel. Eine höchst temperamentvolle Parade markanter Charaktere. Der Aufmarsch an Typen und Theorien (der Abgang der FDP ist pure Evolution) endete nach 90 Minuten geradezu furios. In einem Gemeinschaftsauftritt von Helmut Schmidt, Hans-Joachim Vogel und den Päpsten Benedikt XVI. und Johannes Paul II., mit Fischer, Seehofer und Stoiber. Und natürlich FJS und mit einer kongenialen Zugabe. Applaus und vorbei. Einfach Klasse.

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