S-Bahn kommt nicht in Fahrt

Die Bemühungen, die S-Bahn in den Stauferkreis zu holen, sind ins Stocken geraten: Noch immer fehlt ein Prüfbericht der Deutschen Bahn. Die Kreispolitiker sind mächtig sauer und wollen jetzt den Druck erhöhen.

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Für die Kreisräte ist es höchste Eisenbahn, die S-Bahn ins Filstal zu holen. Doch der Prüfbericht der Deutschen Bahn lässt immer noch auf sich warten. Unser Bild zeigt eine Regionalbahn am Eislinger Bahnhof. Foto: Staufenpress

"Das ist wirklich eine Schweinerei", ärgerte sich Arnulf Wein (SPD). "Die lassen uns am langen Arm verhungern. So springt man mit einem Landkreis und seinen Bürgern nicht um", erzürnte sich Martina Zeller-Mühleis, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Die Kreisräte fanden in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verkehr deutliche Worte und kündigten an, den Druck im Kampf um die S-Bahn zu erhöhen. "Wir müssen die politischen Kräfte bündeln und im Land massiv auftreten", sagte Landrat Edgar Wolff und bat wiederum die Kreisräte, ihre "politischen Beziehungen spielen zu lassen". Wolff selbst hatte am 13. Dezember 2011 an Landesverkehrsminister Winfried Hermann einen Brief geschrieben und um Unterstützung gebeten - eine Antwort aus Stuttgart steht noch aus.

Grund für den Ärger ist hauptsächlich die Deutsche Bahn. Seit Monaten wartet der Landkreis auf einen Prüfbericht des Konzerns, der Aufschluss über die Machbarkeit einer S-Bahn-Verlängerung ins Filstal geben soll. Dieses sogenannte Testat sollte eigentlich zeitnah nach dem Stresstest für das Bahnprojekt Stuttgart 21 vorliegen. Zur Erinnerung: Der Stresstest war Ende Juli. Die Diskussionen über das Milliardenprojekt und der Volksentscheid führten zu weiteren Verzögerungen, die Bahn sagte den Bericht schließlich für Spätherbst zu. "Das Testat liegt aber immer noch nicht vor", teilte Jörg-Michael Wienecke, Verkehrsplaner im Landratsamt, den Kreisräten nun mit. Dieses Mal sei eine Aktualisierung diverser S-Bahn-Linien der Grund, die mit dem Start von Stuttgart 21 auch zu Verschiebungen im Filstal führe. "Leider ist das Testat auch nicht in greifbarer Nähe", fügte der Landrat hinzu, versprach aber, "alles zu tun, um hier weiter voranzukommen".

Der ausstehende Prüfbericht der Deutschen Bahn ist das eine. Doch auch eine ganz neue Information bereitet den Kreispolitikern jetzt Kopfzerbrechen: Ohne Fahrzeuge kein S-Bahn-Betrieb. Und wenn der Landkreis die S-Bahn will, müsste die Entscheidung relativ schnell fallen, da die Fahrzeuge bis zum Jahr 2015 bestellt sein müssten. "Die Industrie gibt hier sehr enge Zeitfenster vor", erklärte Wienecke. Das bedeutet: Sind die Bahnen bis 2015 nicht geordert, "besteht die Gefahr, dass man erst in eine Charge für 2025 kommt", skizzierte Wienecke das Dilemma.

Eine Situation, die bei den Ausschuss-Mitgliedern Kopfschütteln hervorrief und manchen an die Planwirtschaft erinnerte. "Wir wissen noch gar nicht, ob es technisch möglich ist, und sollen gleichzeitig Fahrzeuge bestellen. Das macht ja überhaupt keinen Sinn", echauffierte sich der CDU-Fraktionschef Wolfgang Rapp und ärgerte sich, "dass wir seit 2009 hingehalten werden". "Jetzt haben wir den Salat", stimmte ihm Arnulf Wein zu und forderte zusammen mit Martina Zeller-Mühleis, den politischen Willen, die S-Bahn in den Kreis zu holen, klarer zu formulieren - mit einem Grundsatzbeschluss zum Beispiel.

"Man hat das Gefühl, das Jahr könnte sehr interessant werden." So drückte es Jörg-Michael Wienecke aus. In den kommenden Wochen stehen erneut Gespräche mit dem Verkehrsministerium, dem Verband Region Stuttgart, der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg sowie der DB Netz AG an. Wienecke hat die Hoffnung, in der ersten Jahreshälfte noch eine Aussage zu bekommen, wie es nun weitergeht. Der Landrat sah eine Chance darin, mit dem Bestellungsdruck ein "konkretes Zeitziel" zu haben. Im März, bei der nächsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verkehr, wird das Thema wieder auf der Tagesordnung stehen.

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Kommentare

12.01.2012 21:01 Uhr

Und niemand wollte es glauben

Gerade unbedarfte Kreistagspolitiker und Abgeordnete aus einschlägig bekannten politischen Kreisen, haben doch der Bevölkerung dringendst empfohlen, bei der Volksabstimmung Ihr Kreuz ja an der richtigen Stelle zu machen. Zum Segen für ihre Region und gar für das ganze Land.
So langsam wachen selbige auf, denn schon lange war bekannt, dass das Milliardenprojekt S21 alle für den Ausbau der Bahninfrastruktur verfügbaren Landes- und Bundesmittel auffrisst und kanibalisiert. Kritische Stimmen haben dies mehr als nur einmal prophezeit. Die S-Bahn nach Göppingen kann getrost für lange Zeit abgeschminkt werden.

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12.01.2012 20:25 Uhr

Volksabstimmung und S-Bahn

An alle "NEIN"-Ankreuzer im Landkreis GP: das mit der
S-Bahn-Anbindung war nur 1 ! Unwahrheit - das mit den
Ausstiegskosten die nächste - aber das haben ja leider
viele ungeprüft geglaubt ! Jetzt ist es Zeit, auszuwachen !
Den der Moloch S21 verschlingt ganz Baden-Württemberg !

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