Rundgang: Viele Brunnen sind privat finanziert worden

Lange lebensnotwendig, heute Zier: Die Funktion von Brunnen hat sich stark verändert. Heute prägen sie vor allem Plätze. Bei einer Stadterkundung erfuhren die Teilnehmer viel über die Geschichte der Brunnen.

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  • Passend zum Thema Wasser öffnete der Himmel bei der Stadterkundung mit Stadtarchivar Karl-Heinz Rueß seine Schleusen. Den Stauferbrunnen mit den drei Löwen im Schlosswäldle hat der Hohenstaufener Künstler Hermann Schwahn entworfen. 1/2
    Passend zum Thema Wasser öffnete der Himmel bei der Stadterkundung mit Stadtarchivar Karl-Heinz Rueß seine Schleusen. Den Stauferbrunnen mit den drei Löwen im Schlosswäldle hat der Hohenstaufener Künstler Hermann Schwahn entworfen. Foto: 
  • „Den Dank, Dame, begehr ich nicht.“ Der nasse Handschuh im Schillerbrunnen bezieht sich auf eine der bekanntesten Balladen Friedrich Schillers. 2/2
    „Den Dank, Dame, begehr ich nicht.“ Der nasse Handschuh im Schillerbrunnen bezieht sich auf eine der bekanntesten Balladen Friedrich Schillers. Foto: 
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Die stadtgeschichtlichen Erkundungen von Stadtarchiv und Geschichts- und Altertumsverein Göppingen standen bislang in jeder Beziehung unter einem guten Stern. Ausgerechnet beim Thema Wasser dann öffnete aber der Himmel die Schleusen. So wurde der Rundgang diese Woche tatsächlich eine feuchte Angelegenheit.

Die Brunnen der Stadt und ihre Geschichte hatte der Göppinger Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß untersucht und stieß damit auf großes Interesse. Und so bewegte sich am Mittwochabend eine bunte Schirmparade vom Schlosswäldchen bis zum Kornhausplatz, erfuhr dabei, dass alle Brunnen an der Peripherie der Altstadt liegen, weil die mit ihrem klassizistischen Grundriss keinen Platz für Brunnen bot.

Alle Brunnen entstanden in der jüngeren Vergangenheit. Denn mit dem Anschluss an die Wasserversorgung wurden alle alten Brunnen abgebaut. Damit ging eine Infrastruktur verloren, die immer auch wichtiger Kommunikationspunkt war. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war dies „als städtische Misere“ erkannt worden, und so die „Initiative zur Errichtung von Zierbrunnen“ entstanden. Der Ausbruch des Krieges stand einem Erfolg der Gruppe um den Künstler Gustav Kolb aber entgegen. Die aktuellen Brunnen entstanden an neu geschaffenen Plätzen, verhalfen ihnen so nicht selten erst zu ihrer Aufenthaltsqualität. Das jüngste Beispiel dafür ist der Seerosenteich am Schlossplatz. Seine Stele zierte jahrzehntelang einen Brunnen.

Frühere Funktion des Marstalls

In seiner Bronzeskulptur erinnert Professor Fritz Nuss an die frühere Funktion des Marstalls, aber auch daran, dass das Pferd über Jahrhunderte hinweg den Transport von Mensch und Ware sicherte. Diese Stele war privat finanziert worden – wie überhaupt eine ganze Reihe von Brunnen Sponsoren zu verdanken sind.

Auch der Schillerbrunnen auf dem Schillerplatz, der Storchenbrunnen vor dem Stadtmuseum und der Radbrunnen auf dem Kornhausplatz wurden von Bürgern finanziert. Zahlreiche Brunnen waren vom Hohenstaufener Künstler Herman Schwahn entworfen worden – als erstes der Löwen- oder Stauferbrunnen im Schlosswäldle. Von ihm stammen auch der Brunnen vor dem Storchen, der Partnerschaftsbrunnen in der Unteren Marktstraße und der Radbrunnen.

In allen seinen Entwürfen hat Schwahn stadtgeschichtliche Themen aufgegriffen. Im Schlosswäldle sind es mit den drei staufischen Löwen die Staufer, am Partnerschaftsbrunnen die Beziehungen zu Klosterneuburg und Foggia sowie zu den Schönhengstgauern, am Radbrunnen unter anderen der Maientag, die Staufer, der Stadtbrand und die Göppinger Weiber. Apropos: Letzteren wollte ein früherer Oberbürgermeister auf dem Spitalplatz einen Brunnen errichten. Als der Platz nach dem Abriss der Handelsschule überhaupt erst entstanden war, wurde bei seiner Gestaltung auch ein Brunnen vorgesehen.

Eine Brunnenstube gibt es also, alleine, ein Brunnen wurde nie realisiert. Ein favorisierter Entwurf gefiel den Göppingern nicht und auch der „Göppinger Weiber-Brunnen in den Neunzigern wurde zerredet. An diesem prominenten Beispiel zeige sich, dass die Gestaltung der Brunnen als Schmuckelement im öffentlichen Raum immer wieder Anlass zu Diskussionen bot. In den Achtzigern jedenfalls „passte für die Göppinger Rost und Kunst noch nicht zusammen“, sagte Rueß.

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