Rottet Krankheit Füchse aus?

Der Vermutung von Jägern, es gebe im Landkreis Göppingen quasi keine Füchse mehr, weil die Tierkrankheit Staupe grassiere, wird von offizieller Seite widersprochen. Das Thema wird kontrovers diskutiert.

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Wie viele Füchse es im Landkreis gibt, ist unklar. Jäger vermuten einen Rückgang der Population wegen der Krankheit Staupe. Experten widersprechen. Foto: Privat

Er ist ein schlaues Tier - und die meisten Menschen kennen ihn aus der klassischen Fabel "Fuchs und Rabe", wo er dem Raben durch seine Klugheit die Beute abschwätzt. Der Aufklärer Lessing jedoch lässt in seiner Version den Fuchs am Ende durch die Vertauschung eines Requisits "verrecken". Nun droht offenbar dem Fuchs heute anderes Ungemach, denn einige Jäger beklagen auch im Landkreis Göppingen einen drastischen Rückgang der Füchse und führen dies auf die Tierkrankheit Staupe zurück.

Kreisjägermeister Dr. Kurt Mürdter sagt dazu, ihm sei davon nichts bekannt und es gebe keine Beweise für diese Behauptung. Klaus Lachenmaier vom Landesjagdverband spricht sogar von "zu vielen Füchsen im Land Baden-Württemberg", denn in der Streckenstatistik für Füchse, was soviel heißt wie Abschüsse, seien im Jagdjahr 2012/13 landesweit etwa 77 000 Füchse erlegt worden, ein Zuwachs von 20 Prozent zum Vorjahr. Freilich räumt er ein, dass es regionale Besonderheiten in der Population geben könne. Er habe das ganze Land im Blick, währenddessen die Jäger zuerst ihr eigenes Revier sehen würden.

Die Bejagung des Fuchses wird vom Landesjagdverband als notwendig angesehen, denn die Staupe breite sich rasch aus und bereite Veterinären Sorge. Der Fuchs könne Krankheiten auf den Hund übertragen. Im Kreis Konstanz habe es einige Fälle gegeben. Von Tier- und Naturschützern werde jedoch das Jagen des Fuchses in Frage gestellt, ist einer aktuellen Information des Landesverbandes zu entnehmen. Die Kreisjagdämter melden jedes Jahr ihre Streckenzahlen an den Landesjagdverband, wo eine Landesstatistik erstellt wird. Bei der Wildforschungsstelle Baden-Württemberg in Aulendorf kann man die Jagdstatistik für Wildtiere wie Reh, Fuchs, Schwarzwild, Waschbär und andere in Baden-Württemberg abrufen.

Dort heißt es im Jagdbericht 2011/12, dass "jetzt die Bedeutung von anderen dichteregulierenden Krankheiten wie Räude und Staupe zunehmen". Allerdings ist der Fuchs bei der Wildtiererfassung im Jahresbericht 2012 nicht aufgeführt.

Der stellvertretende Leiter des Veterinäramtes Göppingen, Dr. Alexander Schulz-Wulkow, sagt zu der Vermutung einiger Jäger, Staupe sei der Auslöser für den Rückgang der Füchse, die Staupe sei nicht anzeigepflichtig, sie breite sich aber bundesweit aus. Hunde könnten sich infizieren, wenn sie nicht geimpft seien. So hatten die Stuttgarter Nachrichten Anfang November 2013 darüber berichtet, dass im Landkreis Esslingen zehn Füchse an Staupe verendet oder getötet worden seien. Gerhard Strehle vom dortigen Veterinäramt sagte, er glaube, dass die Staupe sich weiter ausbreiten und auch vor der Landeshauptstadt nicht Halt machen werde.

Für den Kreis Göppingen sind darüber bislang aber keine konkreten Zahlen zu erfahren. Offenbar geht man hier von offizieller Seite nicht von einer Zunahme der Tierkrankheit aus. Verwunderlich ist allerdings, dass im Amtsblatt der Gemeinde Westerheim vom April 2013 Besitzer von Hunden vor Staupe gewarnt werden. Es sei bei Füchsen Staupe nachgewiesen worden. Das Gleiche kann man in den Gemeindemitteilungen von Emerkingen im Alb-Donau-Kreis lesen, wo auf Staupe im Alb- Donau-Kreis, im Bodenseekreis und in den Landkreisen Sigmaringen und Ravensburg hingewiesen wird.

Für den Kreis Göppingen gibt es anscheinend keine Daten, allerdings ist schlecht vorstellbar, dass die Krankheit vor der Kreisgrenze haltmachen sollte. Kreisjägermeister Martin Lang von der Jägervereinigung Schwäbisch Gmünd im Ostalbkreis sagt, die Jäger wollten die Füchse nicht durch Krankheiten ausgerottet sehen: "Der Fuchs ist der Polizist des Waldes." Seine Wahrnehmung sei allerdings, dass es in seinem Revier einen stabilen Bestand von Füchsen gebe.

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Kommentare

24.02.2014 11:35 Uhr

gegen die Jagd !

- Die Jagd schadet dem Gleichgewicht der Natur
- Durch die Jagd steigt die Überpopulation der Wildscheine & andere Waldtiere immer weiter:
- Familienverbände werden auseinandergerissen, worauf die Wildschweine mit vermehrter Fortpflanzung reagieren
- Durch das Ausstreuen von Nahrung werden die Waldtiere angeregt sich noch mehr zu vermehren
- Die Bejagung des Fuchses führt zur Flucht und damit zur Ausbreitung von Tollwut
- Alle wesentlichen von der Jägerschaft genannten Gründe für die Jagd sind heute wissenschaftlich widerlegt
- Der Jagd fallen jährlich zusätzlich ca. 400.000 Katzen und ca. 65.000 Hunde zum Opfer

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