Rettungsanker für die Göppinger Altstadt

Wie schafft es die Stadt Göppingen, die verbliebene klassizistischen Substanz zu retten und weitere Bausünden zu verhindern? Die Gestaltungssatzung betont den Erhalt von Grundrissmuster und Formensprache.

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In der Göppinger Hauptstraße ist die historische Baustruktur des Klassizismus noch weitgehend erhalten. Eine Gestaltungssatzung soll helfen, den Charakter der Innenstadt zu sichern. Abriss und Neubau von Gebäuden ist aber weiterhin möglich.  Foto: 

Gut vier Jahre ist es her, dass die Lokalpolitiker die Leitlinie zur Baukultur in Göppingen erlassen haben. Seither wird über eine sogenannte Gestaltungssatzung diskutiert, deren Entwurf für die historische Innenstadt nun vorliegt: Das optische Erscheinungsbild vom Stadtgrundriss bis hin zu den Markisen ist in dem 40-seitigen Druckwerk geregelt. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, bei neuen Bauvorhaben das Schachbrett-Muster und die historische Parzellenstruktur zu erhalten. Die Brandgänge zwischen den Häusern beispielsweise dürfen künftig nicht mehr einfach zugebaut werden. Definiert sind aber auch die Hauptelemente der klassizistischen Architektur wie stehende Fensteröffnungen, die maximale Höhe von drei Geschossen, die Dachformen und Fassadengliederung, an denen sich Um- oder Neubauten orientieren sollen. Kritisch gesehen werden - zumindest zur Straße hin - Erker und auskragende Balkone. Aber auch allzu üppige Werbeanlagen wollen die Autoren um den Architekturprofessor Franz Pesch lieber nicht mehr sehen.

Dick gedruckt ist der Hinweis, dass die Satzung keinesfalls ein Regelwerk für die komplette Gestaltung von Neubauten liefere, sondern lediglich "richtungsweisende Hinweise" gebe. Pesch verwies gestern Abend in der gemeinsamen Sitzung von Technischem Ausschuss und Verwaltungsausschuss darauf, dass die Satzung kein Diktat sei, sondern die Freiheit der Bauherren so weit wie möglich respektiere. Öffentliche und private Interessen müssten abgewogen werden. Befreiungen sind grundsätzlich möglich.

Der Bestand bleibt geschützt

Bauliche Fehlgriffe der Vergangenheit sind durch die Satzung nicht wieder gut zu machen. Niemand werde gezwungen, sein Haus umzubauen, betonen die Autoren. "Der Bestand ist und bleibt geschützt." Der Geltungsbereich beschränkt sich außerdem auf die historische Innenstadt. Weil die laut der Definition von der Grabenstraße im Süden bis zur Pfarrstraße im Norden reicht, sind die aktuell diskutierten künftigen Entwicklungen nicht geregelt: Die geplanten Apostelhöfe liegen ebenso außerhalb des Geltungsbereichs wie die Bahnhofsgegend oder die gründerzeitliche Bebauung nördlich der Burgstraße. Zumindest für die Apostelhöfe regte die Fraktion der Grünen eine Hereinnahme in das Satzungsgebiet an.

Die CDU-Fraktion schlug vor, einige bereits fertige Bauvorhaben darauf hin abzuklopfen, ob sie mit der Satzung vereinbar gewesen wären. Mehrere Lokalpolitiker schlugen vor, als Gremium einen Gestaltungsbeirat einzusetzen, der über Ausnahmen entscheidet und im Zweifel auch Bauherren und Architekten beraten kann. Einig waren sich die Lokalpolitiker auch, dass noch eine intensive Abstimmung mit Hausbesitzern, Einzelhändlern und mit öffentlichen Institutionen notwendig ist. Weil ihnen diese Beteiligung wichtig war, wollten die Ausschussmitglieder auch noch nicht zustimmen, sondern den Entwurf erst einmal zur Kenntnis nehmen. In der nächsten Woche wird im Plenum weiter beraten.

Der typische Göppinger Baustil
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