Raus aus der Wanne, rein ins Moor

Das Berliner Kriminal Theater begeisterte 500 Besucher mit einer gediegenen Conan-Doyle-Inszenierung. Wetterbedingt musste "Der Hund von Baskerville" in der Göppinger Stadthalle sein Unwesen treiben.

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Noch sitzt Sherlock Holmes im Warmen. Doch der Bericht des alten Arztes Mortimer vom riesigen Höllenhund mit den glühenden Augen lockt den Detektiv ins Moor, wo er einem Mörder auf der Spur ist.  Foto: 

Nachdem das Risiko der Gemeinde Adelberg, die Eröffnung der Freilichtspiele mit der Lumberjack Bigband unter freiem Himmel stattfinden zu lassen, nur bedingt belohnt wurde (wie berichtet wurde das Konzert nach der Pause wegen einer Sturmwarnung abgebrochen), ging man diesmal kein großes Wagnis ein und verlegte die Aufführung "Der Hund von Baskerville" angesichts der vorhergesagten Unwetter der Vernunft gehorchend in die Göppinger Stadthalle.

Natürlich hätte die Freilichtfläche auf Schurwalds Höhen den passenderen Rahmen abgegeben: Der unten vom See aufsteigende Nebel nebst das hinter dem Gemäuer der Ulrichskapelle zu hörende markerschütternde Geheul des mordenden Geisterhundes wären Garant genug für ganz großes Gänsehaut-Feeling gewesen.

So ließen es Holmes und Doc Watson auf der Stadthallenbühne zunächst auch eher betulich angehen: Begleitet vom Soundtrack "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber"" saßen sie zusammen nackt in der Wanne beim entspannenden Bade (ein Schelm, der Böses dabei denkt). Mit dem Besuch des alten Arztes Mortimer fand das gegenseitige Rückenschrubben allerdings sein jähes Ende, erweckte er doch mit seinem Bericht vom riesigen Höllenhund mit den glühenden Augen und dem bluttriefenden Maul sofort Sherlock Holmes kriminalistisches Interesse. "Raus aus der warmen Wanne und hin ins kühle Moor", so lautete denn auch folgerichtig die von scharfsinnigen Überlegungen getragene Devise.

Das unter der Regie von Wolfgang Rumpf in sechs Bildern gesetzte und mitunter köstlich-komödiantisch angehauchte Grusical hielt sich recht handlungstreu an Sir Arthur Conan Doyles Romanvorlage: Der alte Baskerville wird ermordet, und auch dem jungen Erben Sir Henry solls an den Kragen - aus Sicht des scharf abgerichteten Hundes (er brachte sich nur akustisch ins Geschehen ein) freilich an die Gurgel - gehen, derweil der nette Nachbar Stapleton als mord- und erbsüchtiger Baskerville-Nachfahre entlarvt werden kann.

Matti Wien als Sherlock Holmes und Gert Melzer als Dr. Watson sowie Gundula Piepenbring (Mrs. Barrymore) und Karl-Heinz Barthelmus (Dr. Mortimer) präsentierten sich in schauspielerischer Bestform, derweil der mitunter textunsichere Kai-Peter Gläser in seiner Rolle als Sir Henry etwas blass blieb.

"Dann wäre mal wieder ein Fall gelöst", ruft Doc Watson, worauf Holmes spitzbübisch erwidert: "Na, dann lassen Sie mal Wasser in die Wanne ein." Begeisterter Schlussapplaus der gut 500 Besucher für eine gefällige Aufführung.

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