Rätselraten über den Unfallort

Alle Ortskenntnisse und aller kriminalistischer Spürsinn nützt nichts: Manfred Luipold kommt ein paar Fotos in den Alben des Polizeimuseums nicht auf die Spur und ist auf Hilfe angewiesen.

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Der pensionierte Polizeihauptkommissar Manfred Luipold hat schon manchen Kriminalfall geklärt - nicht nur in seinem langen Berufsleben bei der Göppinger Polizei. Auch dem einen oder anderen Archivstück des Göppinger Polizeimuseums konnte er sein Geheimnis entreißen.

Sein kriminalistischer Spürsinn und seine guten Ortskenntnisse helfen ihm freilich bei Fotos einer Unfallstelle nicht weiter. Er kann sie einfach nicht lokalisieren. Zwar stellt der Pensionär anerkennend fest, dass der spektakuläre Unfall, den die drei Fotografien zeigen, von seinen Kollegen um das Jahr 1930 "tadellos bearbeitet worden war". So wurde die Fahrspur im Bild ebenso festgehalten wie auch die Spur vermessen worden war. Aber leider geben die Aufnahmen keinerlei Hinweise auf den Unfallort. Auch die zahlreichen Besucher des Göppinger Polizeimuseums, die das Bild gleich im Eingangsbereich sehen, konnten bislang nicht weiter helfen.

Jetzt hofft Luipold auf Tipps der NWZ-Leser, darauf, dass einer sich an den Unfall erinnert oder das markante Bauernhaus erkennt. Der Unfall geschah um 1930. Ein Stuttgarter PKW - erkennbar am Kennzeichen "III A", das von 1906 bis 1945 für Stuttgart stand - war wahrscheinlich zu schnell in den Hof eingefahren, hatte die Kurve nicht mehr gekriegt, ein Geländer durchbrochen und war in ein Bach- oder Kanalbett gestürzt. Gut drei Meter tief stürzte der Kraftwagen. "Es war vermutlich ein BMW. Die stellten damals Kastenwagen her". Da der Kriminalist das genaue Unfalldatum nicht kennt, kann er auch nicht in alten Zeitungsbänden stöbern - was ihm bei seinen Ermittlungen schon manches Mal weiter geführt hat. Was er aber weiß, ist, mit welcher Kamera die Aufnahmen gemacht worden waren. Sie gehört nämlich zu den Beständen des Polizeimuseums. "Seit 1929 hatte die Göppinger Kriminalpolizei diese Kamera", erklärt Luipold. Die Kripo fotografierte damit nicht nur die Tatorte von schweren Verbrechen, sondern auch schwere Unfälle.

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges war beim Stuttgarter Polizeipräsidium eine erste Kamera gekauft und ein Fotolabor eingerichtet worden, das auch Bilder anderer Dienststellen entwickelte. Im Laufe der 1920er Jahre waren dann nach und nach andere Dienststellen ebenfalls mit Kameras ausgerüstet worden. Nicht alle hatten freilich eigene Labore. In Göppingen waren die Filme lange bei den örtlichen Fotografen Schossareck und Zeller entwickelt worden. So qualitätvoll sie auch sind - Manfred Luipold ärgert darüber, dass er trotz seiner akribischen Ermittlungen das Bild bislang nicht hat lokalisieren können.

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