Profis für den Wochenmarkt

Die Stadt Ebersbach will den Wochenmarkt-Betrieb einer Firma übergeben. Profis sollen ihn zu neuer Blüte führen. Die Unbekannte dabei: Ob die Händler höhere Marktgebühren akzeptieren.

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Neue Zeiten für den Ebersbacher Wochenmarkt: Wenn die Händler mitziehen, übernimmt eine Firma die Regie. Die Stadt verspricht sich davon eine Belebung - wie bei diesem Wochenmarktfest vor Jahren. Foto: Archiv/Schweickhardt

Bei der Beurteilung der Lage waren sich die Stadträte im Verwaltungsausschuss mit der Stadtverwaltung einig: Man müsse versuchen, den beliebten Ebersbacher Wochenmarkt wieder attraktiver zu machen. Vor Jahren kamen noch acht bis zehn Händler, jetzt sind es noch sechs bis sieben. Es fehle speziell an einem Käsestand. Trotz intensiver Anstrengungen sei es nicht gelungen, wieder einen zu finden, berichtete Amtsleiterin Jutta Schabel. Der Schultes kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Er habe in Kirchheim schon den einen oder anderen Markthändler angesprochen, nach Ebersbach zu kommen - "es gab Absagen".

Jetzt sollen Profis ran. Die hat man mit der bundesweit agierenden "Marktgilde" gefunden, die vom bayrischen Geretsried aus den Ebersbacher Wochenmarkt ankurbeln will. In der Region ist sie noch nicht aktiv. Das löste kritische Nachfragen aus: Kenne die Marktgilde das hiesige Händlerfeld? Eva-Maria Kamrad wischte Zweifel beiseite: "Wir haben eine Datenbank, auch in Baden-Württemberg."

Die Marktgilde zielt allerdings auch auf höhere Marktgebühren. Von einer Verdoppelung war die Rede. Kamrad verwies auf den Bundesdurchschnitt von 2,70 Euro pro laufenden Meter, in einzelnen Städten gehe das bis zu 5 Euro. Den Stadträten schmeckte das nicht. Aber sie ließen sich von der Zusicherung beruhigen, dass man den Konsens mit den Markthändlern suche. Wenn da keine Widerstände kommen, so Bürgermeister Vogler, werde die "Marktgilde" engagiert. Erst einmal auf ein Jahr, dann wird man weitersehen.

Die Markt-Managerin aus Bayern hält den Ebersbacher Wochenmarkt für ausbaufähig. Sie kann sich "ein schönes Sortiment mit zehn bis zwölf Händlern" vorstellen. Der Platz sei gut, er sei von Geschäften umgeben, dort seien Leute unterwegs. Sie will die Lücken schließen, zuvörderst mit dem Käsestand, und ein Grundsortiment sicherstellen, dann könne man über Sahnehäubchen wie Feinkoststände nachdenken. Wobei sie sagt: Die Zahl der Händler sei nicht entscheidend, auch mit fünf könne es funktionieren, wenn das Grundsortiment abgedeckt sei. Weitere Grundvoraussetzung: Das Marktangebot müsse sich von Supermärkten abheben.

Ergänzen will Kamrad den Markt mit einer dreimonatigen Vorbereitungszeit, starten soll er dann im Frühjahr, wenn die Saison beginne. Sie will dann auch Aktionen bieten: themenbezogen, was zur jeweiligen Jahreszeit passe.

Wie die Händler auf höhere Marktgebühren reagieren, weiß die Marktmanagerin nicht. Amtsleiterin Jutta Schabel hält den Ball flach: "Das ist ein Geben und Nehmen", erklärt sie. "Wenn der Markt besser läuft, werden die Händler auch höhere Gebühren akzeptieren." Andernfalls gibt sie zu bedenken: "Wenn die Einnahmesituation für uns so bleibt, stellt sich die Frage, ob wir die Differenz so tragen sollen."

Die Einnahmen für die Stadt werden sich verringern. Von zuletzt 2900 Euro auf geschätzte 500, abhängig von der Größe und Attraktivität des Wochenmarktes. Dafür fällt aber auch Personaleinsatz weg. Ein Marktmeister der privaten Firma ist dann beispielsweise für den Müll zuständig.

Wichtig war den Räten, dass Schulklassen mit Kuchenverkauf und ähnlichem von den Marktgebühren ausgenommen sind. Das ist für Kamrad selbstverständlich. "Das liegt in unserem Interesse", sagt sie, das belebe den Markt.

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