Göppinger Zirkus-Premiere mit Verspätung

Von Freitag an gastiert der „Moskauer Circus“ in Göppingen. Während sich einige Anwohner beschweren, helfen andere mit Wasser und Strom aus.

|
Ein Handstand in schwindelnder Höhe über dem Zeltdach zur Begrüßung: Der „Moskauer Circus“ gastiert bis Sonntag auf einem privaten Grundstück in Göppingen an der Ulmer Straße.  Foto: 

Auf einer privaten Wiese an der Ulmer Straße in Göppingen hat seit Donnerstag der „Moskauer Circus“ sein Zelt aufgebaut. Die angrenzende Karl-Schurz-Straße ist derzeit gesperrt, Parkplätze für Besucher sind Mangelware. Wasser und Strom gibt es auf dem Grundstück nicht, hier haben hilfsbereite Nachbarn ausgeholfen. Die ursprünglich geplante Premiere am Donnerstagnachmittag fiel aus, am Freitag ab 16 Uhr soll die erste Vorstellung im 800 Zuschauer fassenden Zelt stattfinden.

Der „Moskauer Circus“ kommt nicht, wie der Name suggeriert,  aus Russland, sondern aus Bayern, genauer gesagt aus Senden bei Neu-Ulm. „Unsere Artisten sind aus Moskau“, erklärt Sandro Frank, Aufbauleiter und Zeltmeister des Familienunternehmens. Er berichtet auch, warum die Premiere am Donnerstag geplatzt war. „Als wir am Dienstag aufbauten, kamen drei Polizeistreifen – wegen Ruhestörung.“ Das Problem: Die Franks hatten vergessen, dass am Dienstag auch schon ein Feiertag war. „Aber nur alle 500 Jahre“, habe der Polizist gesagt, erzählt Frank lachend. Jedenfalls waren die Zirkusleute zum Warten verdammt und konnten erst am Donnerstag mit dem Zeltaufbau beginnen.

Verwirrung gab es auch um eine angeblich fehlende Genehmigung. Rathaus-Pressesprecher Dejan Birk-Mrkaja weist jedoch darauf hin, dass der Zirkus auf Privatgelände keiner Genehmigung bedürfe. Und Besucher müssten die umliegenden Parkplätze „im öffentlichen Raum“ nutzen. Sandro Frank betont, dass die Erlaubnis zum Plakatieren seitens der Stadt vorliege und auch das Zelt ordnungsgemäß abgenommen werde.

Problematischer war da schon der fehlende Strom- und Wasser­anschluss. Das Zelt und die ­Technik werden mit einem eigenen Generator versorgt, für die Wohnwagen kommt der Strom nun aus der Steckdose eines hilfsbereiten Anwohners. Auch mit Wasser hat der Mann den Zirkus versorgt.

„Manche Anwohner haben sich aber auch beschwert“, berichtet Frank. So liegt das Gelände in einem 140 Hektar großen Wasserschutzgebiet. Einige Nachbarn hätten sich gewundert, wie dort ein Zirkus gastieren könne. Doch Frank sagt, sein Unternehmen tue nichts, was das Grundwasser belaste. Auf der anderen Straßenseite sind unterdessen – mitten im Wasserschutzgebiet – Baumaschinen bei der Arbeit und errichten im Auftrag der Wohnbau Göppingen neue Wohnblocks.

Die Wiese, auf der das Zelt aufgebaut wird, ist dagegen fast menschenleer, nur die Zirkusleute gehen ihrer Arbeit nach. Früher sei das anders gewesen, bedauert Sandro Frank: „Heute kommen gar keine Kinder mehr zum Aufbau.“ Und das, obwohl derzeit Ferien sind. „Jetzt sitzen sie lieber an der Playstation oder am PC“, sagt Frank.

Das passt in die allgemeine Entwicklung der Zirkusbranche, findet der Zeltmeister. Vor allem die Diskussion um Tiere in der Manege schade den Schaustellern. Und viele Kommunen legten keinen Wert mehr auf die Artisten: „Die schöne Stadt Göppingen hat nicht mal mehr einen Festplatz für Zirkusse“, sagt Frank und verweist darauf, dass im Stauferpark keine Schausteller mehr gastieren können. Auch nicht mehr bei der EWS-Arena: „Das wäre angemessen, da waren ja früher auch Zirkusse.“

Mit insgesamt 40 Leuten ist der „Moskauer Circus“ unterwegs, Tiere werden nicht zu sehen sein. Das Zelt ist für 800 Zuschauer bestuhlt, berichtet Frank. Nachdenklich meint er: „Wenn 400 Leute pro Vorstellung kommen, sind wir schon zufrieden.“ Nach einer kurzen Pause schiebt er nach: „Oder 200.“

Die Vorstellungen des „Moskauer Circus“ finden am Freitag, und am Samstag, ab 16 und 19.30 Uhr auf dem Gelände an der Ecke Ulmer/Karl-Schurz-Straße in Göppingen statt. Am Sonntag gibt es noch eine Vorstellung um 14 Uhr.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

52-Jähriger tötet Freundin und springt von Autobahnbrücke

Ein kreisender Hubschrauber hat am Mittwochabend im oberen Filstal für Aufsehen gesorgt. Ein 52-Jähriger hatte sich vom Maustobelviadukt in den Tod gestürzt. Zuvor hatte er im Landkreis Ludwigsburg seine Freundin getötet. weiter lesen