Postlinie führt bis Wiesensteig

Wiesensteig feiert den Anschluss an die verlängerte Postlinie von Kirchheim her. Skurril mutet der gewaltsame Tod eines trinkfesten Bauern aus Hattenhofen an. Zwei Themen im "Bote" vor 150 Jahren.

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"Drum Heil dem Tag, der uns vereint." Mit so salbungsvollen Worten endet das eigens für diesen Anlass komponierte Lied eines Lehrers, mit dem die Wiesensteiger die erste Postkutsche feiern, die von Kirchheim über Weilheim im Städtchen am Filsursprung eintrifft. Die Linie ist bis dorthin offiziell verlängert worden. Wie der "Alb- und Filsthalbote" im November vor 150 Jahren weiter berichtet, singt zur Feier des Tages der Kirchengesangverein, Böllerschüsse ertönen. Ab Weilheim wird die Postkutsche von mehreren Wagen eskortiert und so "bewillkommt". Am Abend wird ein "brillantes Feuerwerk abgebrannt." Die Hoffnungen auf einen Wirtschaftsaufschwung durch diese Verkehrsverbindung sind groß.

Recht skurril liest sich, wie der reiche Bauer Andres aus Hattenhofen ums Leben kommt. Im "Ochsen" zecht er ausgiebig und gerät in einen Wortwechsel mit einem Burschen aus Börtlingen. Beide verlassen die Wirtschaft. Als der Bauer lange nicht zurückkommt, schauen andere Gäste nach und finden ihn bewusstlos vor der Wirtshaustür liegen. Man flößt ihm gleich einen "Schoppen" ein, um seine Lebensgeister zu wecken. Zu Hause setzt sich der Bauer an den Tisch und schläft ein. Erst gegen Morgen bringt ihn seine Frau ins Bett - wo er wenig später stirbt. Der Bauer hatte eine schwere Kopfverletzung, wie erst jetzt ein Arzt feststellt.

Ein schwerer Unfall ereignet sich in einem Steinbruch zwischen Wiesensteig und Mühlhausen: Ein plötzlich herabstürzender Quader, so berichtet der "Bote", verletzt den Steinbrecher Josef Denzinger lebensgefährlich.

Mit einer amtlichen Bekanntmachung tut der Bürgermeister von Hausen kund, dass ab sofort die "Bergstraße" von Hausen nach Deggingen wegen Bauarbeiten "auf unbestimmte Zeit nicht mehr passiert werden" kann. Man müsse daher auf die Talstraße über Reichenbach ausweichen.

Der König verleiht Oberamtsrat Dr. Kolb aus Geislingen "gnädigst" den Titel Hofrat. Mit einem Nachruf würdigt der "Bote" den verstorbenen Schultheiß Schwarz von Donzdorf, der noch im vorigen Jahr "wegen seines vieljährigen verdienstlichen Wirkens" - insgesamt 38 Jahre war er Ortsvorsteher - vom König mit der goldenen "Civilverdienstmedaille" geehrt worden war.

Viel Platz räumt der "Bote" ein für den Abdruck des preußisch-französischen Handelsvertrags in mehreren Folgen. Es schließt sich über dessen Rang eine kontroverse Diskussion im Blatt an, an der sich der landwirtschaftliche Verein beteiligt.

Der Württembergische König, so eine weitere Nachricht im "Bote" im November vor 150 Jahren, macht sich auf zu einem längeren Urlaub nach Nizza. Standesgemäß in Versform erscheint ein Nachruf auf den Dichter Ludwig Uhland, der am 11. November 1862 in Tübingen im Alter von 75 Jahren gestorben ist.

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