Polizeihunde: Fahnder mit übersinnlichen Kräften (2)

Der Hund riecht und hört viel besser als der Mensch. Daher unterstützt er seit mehr als 100 Jahren Polizisten bei der Arbeit. Beim Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen werden die Fahnder auf vier Pfoten aus- und fortgebildet.

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Gismo ist fündig geworden. Etwa zehn Gramm Haschisch hat der belgische Schäferhund gefunden – versteckt in einem Kiesbett. „Eine relativ große Menge“, meint sein Herrchen Daniel Seitz und zeigt das aus einer Platte gesägte Rauschgift. Sanft tätschtelt er den braunen, glänzenden Rücken des fünfjährigen Rüden. Motivation und Lob sind wichtig – „auch wenn der Hund unheimlich arbeitsfreudig ist und wir uns seinen Spieltrieb zunutze machen“,  sagt Peter Großmann, Leiter des Trainings- und Kompetenzzentrums für Polizeihundeführer. Seit der Polizeireform werden die Beamten und ihre vierbeinigen Schützlinge zentral am Standort Göppingen aus- und fortgebildet. Hier hat das Polizeipräsidium Einsatz seinen Sitz, das Hundezentrum ist dem Führungs- und Einsatzstab zugeordnet.

Hunde begleiten seit mehr als 100 Jahren Beamte in Deutschland bei ihrem Dienst. Kein Wunder: Das Tier mit seinen ausgeprägten Sinnen ist dem Menschen beim Hören und Riechen weitaus überlegen. In Baden-Württemberg helfen aktuell 360 Polizeihunde den Beamten bei der Arbeit. Vorrangig werden sie in elf Wochen zu Schutzhunden ausgebildet. Sie lernen Fährtenarbeit, Unterordnung beziehungsweise Gehorsam und den klassischen Schutzdienst. Und sie wissen nach der Ausbildung,  wie sie als Hilfsmittel gegen körperliche Gewalt zubeißen. Nach der Grundausbildung zum Schutzhund können sich die Spürnasen spezialisieren und sind dann in der Lage, Rauschgift, Sprengstoff, Brandmittel, Blut oder Leichen aufzuspüren. „Der Großteil ist auf Drogen spezialisiert“, erklärt Großmann. So wie Gismo, ein fertig ausgebildeter Diensthund, der es in seinem Zwinger oben auf dem früheren „Bepo“-Gelände kaum erwarten kann, überall seine Nase reinzustecken.

Rund 100 Seminartage hat Gismo absolviert, bis er seinen Dienst antreten konnte. Jedes Jahr muss er erneut beweisen, dass er fit für seinen Job bei der Polizei ist. Acht Ausbilder kümmern sich in Göppingen um die Aus- und Weiterbildung von Tier und Mensch. Bis zu 48 Hundeführer können hier zeitgleich ein Seminar  besuchen, für die Hunde stehen 66 nagelneue Zwinger bereit. Der belgische Schäferhund Gismo und seine Kollegen werden zur Unterstützung angefordert, wenn beispielsweise Rauschgift in einem Auto vermutet wird, erklärt Großmanns Stellvertreter Uli Ziegler. Bevor der Vierbeiner jedoch das Fahrzeug inspiziert, schaut der Hundeführer nach gefährlichen oder giftigen Substanzen, damit das Tier nicht zu Schaden kommt.

Hunde dürfen nicht in den Fund beißen 

„Der Hund weiß, was er zu tun hat. Das muss ich ihm nicht erklären“, sagt Gismos Herrchen Daniel Seitz, während sich der Schäferhund ausruht. Oberstes Gebot ist, dass er nicht in seine „Beute“, also das Rauschgift, beißt, sondern lediglich vor dem Fund verharrt. „Die Hunde sind auf alle klassischen Drogen konditioniert“, fügt der Leiter des Trainingszentrums hinzu. Das Landeskriminalamt stellt den Göppingern den Stoff für Übungszwecke zur Verfügung, sobald das entsprechende Verfahren abgeschlossen ist. Auf diese Weise sei sichergestellt, dass es die Hunde mit Rauschgift vom Markt mit unterschiedlichen Reinheitsgraden zu tun haben. „Das gleiche gilt für Sprengstoff“, betont Ziegler.

Während Gismo schon ein alter Hase ist, machen junge Polizeihunde auf dem Übungsgelände des Göppinger Trainingszentrums ihre ersten zaghaften Schritte in Richtung Diensthund. Schäferhund Nesco lernt hier das Einmaleins der Unterordnung: bei Fuß, Platz, Stehübungen, im Laufschritt ohne Leine folgen. Später wird Nesco lernen, wie er beispielsweise nach einem Einbruch ein Gebäude durchsucht, Menschenmassen bei einem Fußballspiel abdrängt oder einen Täter an der Flucht hindert. Trainiert wird beispielsweise in Abbruchgebäuden, aber auch in Wald und Flur.

Rüde Nesco macht seine Sache sehr gut und bekommt von Hundeführer Jörn Sämann, der beim Polizeipräsidium Karlsruhe beschäftigt ist, immer wieder ein Leckerli oder ein Spielzeug zur Belohnung.  Wenn er mit seiner Ausbildung fertig ist, wird er rund sieben Jahre bei der Polizei Dienst leisten. „Mit etwa elf Jahren werden die Hunde in Rente geschickt“, sagt Großmann.

Bis dahin hat auch Gismo noch einige Jahre Zeit. Wenn es soweit ist, wird Daniel Seitz seinen treuen Gefährten bei sich behalten. „Er lebt ja auch jetzt in der Familie“, sagt der 42-jährige Hundeführer. Privates Gassigehen gehört da zum Alltag. Und da Gismo als Schutzhund sein Herrchen eben beschützt, kann er auch mal ungemütlich werden. „Ich muss darauf vorbereitet sein, dass er knurrt, bellt und auch zubeißen könnte. Da muss ich schon aufpassen.“

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