Plötzlich gibt es Kindheit

Kinder gab es nicht schon immer, lange galten sie aber nur als kleine Erwachsene. Wie sich Kindheit entwickelte, zeigt eine Ausstellung im Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts in Baden-Baden.

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  • Marionettentheater erfreuten einst die Menschen, bevor es Kino und Fernsehen gab. Foto: Thomas Viering 1/2
    Marionettentheater erfreuten einst die Menschen, bevor es Kino und Fernsehen gab. Foto: Thomas Viering
  • Gotthard Kühls Gemälde "Waisenhaus Danzig" ist eines der Exponate in der Ausstellung "Kindheit. Eine Erfindung des 19. Jahrhunderts". Foto: Thomas Viering 2/2
    Gotthard Kühls Gemälde "Waisenhaus Danzig" ist eines der Exponate in der Ausstellung "Kindheit. Eine Erfindung des 19. Jahrhunderts". Foto: Thomas Viering
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Das 19. Jahrhundert gilt als Epoche der Erfindungen. Neben der Erschließung technischer Energiequellen und weiterer Errungenschaften, wurde auch die Kindheit erst neu entdeckt. Denn dass Kinder sich so entfalten konnten, wie es heute üblich ist, gab es früher nicht. Denn Neun- oder Elfjährige hatten lange als kleine Erwachsene gegolten, sie wurden entsprechend behandelt und nicht als Individuen in einer eigenen besonderen Lebensphase betrachtet. Die neue Entwicklung, Kinder mit anderen Augen zu sehen, wird in der Ausstellung "Kindheit. Eine Erfindung des 19. Jahrhunderts" im Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts deutlich. Die Exponate reichen von Kunstwerken bis hin zu altem Spielzeug.

In der Malerei der Romantik und des Biedermeier begegnen dem Betrachter erstmals Mädchen und Jungen, deren Gesichtszüge schon bestimmte Charakteranlagen andeuten und die als eigene Personen bildwürdig sind. Aus der Sammlung seines Kooperationspartners, dem Stadtmuseum Baden-Baden, zeigt das Museum LA8 eine Auswahl an Kinderporträts, damals ein fortschrittliches Genre. Aus den Gemälden schauen die Kleinen neugierig oder etwas verzagt, munter oder versonnen hinaus in die sich rapide verändernde Zeit. Es sind Kinder, die sich entwickeln, die lernen und die in emotionaler Beziehung zu ihren Eltern gezeigt werden. Auch die neue Alltagswelt von Kindheit im 19. Jahrhundert wird in der Ausstellung sichtbar. Historische Marionetten zeigen, was die Fantasien der Kleinen im Zeitalter vor Film und Fernsehen anregte.

Revolutioniert wurde die damalige Gesellschaft durch die Schulpflicht. Leihgaben des saarländischen Schulmuseums Ottweiler belegen den frühen pädagogischen Erfindungsreichtum, um Schüler zu Wissen und selbstständigem Denken zu führen. In der Ausstellung wird erfahrbar, wie im 19. Jahrhundert durch Anleitung und Disziplinierung sowie durch Fürsorge eine neue gesellschaftliche Ressource entstand: Kindheit als Zukunft, als Erneuerung der modernen Gesellschaft aus sich selbst heraus.

Info Die Ausstellung ist bis zum 16. März zu sehen. Geöffnet ist das Museum von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.

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