Pirat mit "Helfersyndrom"

Er ist der jüngste Bundestagskandidat im Kreis: Waldorfschüler Julian Beier (18) geht für die Piraten ins Rennen. Der Gingener will sich als Stimme der jungen Generation profilieren.

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Jüngster Bundestagskandidat im Kreis: Pirat Julian Beier mit seiner Mutter, die ihn mitgewählt hat, und dem Landesvorsitzenden Martin Eitzenberger.  Foto: 

Er ist Computerfreak, THW-Helfer und angehender Feuerwehrmann. Seit anderthalb Jahren auch Pirat. Da ist Julian Beier der jüngste von etwa 15 Aktiven im Kreis. Er geht auch auf die Landes- und Bundesparteitage. Da hat er auch den 30-stündigen Sitzungsmarathon in der Oberpfalz mitgemacht, mit dem die Piraten neuen Schwung holen wollen. "Das war schon anstrengend, aber interessant", berichtet er.

Jetzt ist Beier Bundestagskandidat - und vielleicht der jüngste seiner Partei im ganzen Land. "Ein gutes Gefühl", lächelt er, "ich freue mich über das Vertrauen." Einstimmig haben sie ihn diesmal gewählt.

Schon einmal hatte er sich beworben. Da war er noch 17 und hatte das Nachsehen. Die Piraten kürten Hans-Joachim Schellong zum Bundestagskandidaten. Aber der zog wieder zurück. Und diesmal war der Weg für den 18-jährigen frei. Die Frage war für ihn: Kann ich die Zeit aufbringen? Aber der Wahlkampf falle hauptsächlich in die Sommerferien - das ist schülerfreundlich.

Beier ist gespannt, "was auf mich zukommt". Er will die Wähler mit Infoständen erreichen und Erfahrung sammeln - speziell bei Podiumsdiskussionen. Seinem Konkurrenten von der FDP, Werner Simmling, wird er schon im Juni begegnen. Als Schüler. Denn Beier fährt mit seiner Klasse nach Berlin, und dazu gehört ein Besuch im Bundestag. "Da gibt es ein Gespräch mit Simmling", erzählt er.

Bei der Schulpolitik spricht der Kandidat aus eigener Erfahrung. Seine Waldorfschule sei ja eine Art Gemeinschaftsschule, und die könne Schüler besser fördern, wenn es gut gemacht werde. Die Auslese der Schüler nach der Grundschule komme zu früh, kritisiert er. Auch beim Thema ÖPNV ist er in seinem Element - Beier hat noch keinen Führerschein. Mit Bus und Bahn ist er unterwegs. Die Piraten fordern einen fahrscheinfreien Nahverkehr.

In seiner Klasse ist Beier der einzig politisch Aktive. Seine Mitschüler fänden das interessant, und seine Mutter sowieso: Die hat der Sohn "angesteckt", Piratin zu werden. So durfte sie jetzt ihren Ältesten mitwählen. "Schön" findet sie, dass ers geworden ist.

Berufswunsch? Beier denkt an Rettungssanitäter - was zu seinem "Helfersyndrom" bei THW und Feuerwehr passt. Er hat noch ein völlig anderes Hobby: Schlangen, Schildkröten und Eidechsen. Das hat in seiner Familie schon Tradition.

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