Peter Spielbauer bürstet gegen den Strich

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Bürstet vieles gegen den Strich, um zum „Besentlichen“ zu kommen: Peter Spielbauer.  Foto: 

„Unglaublich, sieben Mal schon da gewesen sein zu dürfen“, freut sich Peter Spielbauer und macht bei Odeon auf gut Wetter. Das Team sei fantastisch in Schuss, habe neben beleuchteten Abfalleimern an der Decke sogar eine extra Ebene, um den Künstler zu beobachten. Und dann heiße der Veranstalter obendrein noch Ege: „Da ist die Eg(e)alität vertraglich festgelegt.“ Ein glatter Einstieg.

Auch in der Auswahl seiner Farbe hat der besenreine Kabarettist aus den Tiefen des Bayrischen Walds alles richtig gemacht. Gelb ist Sonnenlicht, Erleuchtung, Helligkeit, Strahlkraft, wird mit Neid in Verbindung gebracht und steht außerdem für Kreativität, Wachheit sowie einen schnellen Verstand. Jahrzehntelang sei er unsicher gewesen, sei geschwommen, nun sei ihm neulich, kürzlich, also gestern die Erleuchtung gekommen: „Alles ist eine Bürste!“. Und generell, es sei ja nie alles da, immer fehle irgendwas“, sagt Peter Spielbauer und zeigt auf das Ende seines Stabes: Hier fehlt die Bürste, erst die Bürste wäre das „Besentliche“.

Doch worum geht es genau in seinem Programm? Vorrangig um Bares. Um die Finanzkrise, Kredite, Schulden, Zinsen, ergo um die Geldpolitik der Weltbank, die alle Länder „bekehrt“. Das macht der 1954 geborene Solokünstler mit Sprüchen und Zitaten: „Wer viel Geld hat, kann sich selbst was borgen.“ So versetzt er fortan die Welt und ein bisschen auch das Universum ins „Bürstige“. Schwäbisch übersetzt: Bei Odeon war am Samstag große Kehrwoche. Permanentes Bürsten hinsichtlich der „schmutzigen“ Systemkritik war angesagt. So bürsten Sonnenstrahlen das Universum, und Zinsen sind Bürsten, auf dessen Borsten stetig neue Bürsten wachsen. Aber auch Zähne, Hunde, Pferde, Aale machten Bekanntschaft mit den Borsten. „Hoch ist der Berg und weit ist das Tal, ein langer Fisch ist oft ein Aal“. Kann man verstehen, muss man nicht. Mit unfassbarer Wortakrobatik, versponnenen Gedankengängen und skurrilem Humor bürstet sich der selbsternannte Philosokomiker durch den Abend. „Warum in aller Welt gibt’s Dreck? Ich spüre, Sie brauchen ein Beispiel“, stellt er fest und beeindruckt die Zuschauer durchweg mit verschachtelten und abstrusen Gedächtnisinhalten, die insbesondere als „kleiner Reim zwischendurch“ für Lacher sorgen.

Man sieht es Peter Spielberger förmlich an, wie gerne er mit seinem Teleskop-Stab über die Bühne tänzelt. Zum weiteren Equipment gehören ein Tuch, diverse Zettel mit „spontanen Eingebungen“ sowie ein Stein als Stabhalter. Passend dazu seine Mimik und Gestik. Und ihm entgeht nichts aus dem Publikum. „Trinken Sie nicht, wenn ich was Wichtiges zu sagen habe“, tadelt er scherzhaft eine Dame, die genüsslich ein Schlückchen Rotwein zu sich nimmt.

Bei Peter Spielbauer empfiehlt es sich, sämtliche Gehirnwindungen konzentriert offen zu halten. Scheinbar Törichtes entwickelt sich zur zeitkritischen Worttirade. Ein philosophisches Solo-Kabinettstück speziell für echte Fans. Und keine Massenware.

Sabine Ackermann

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