Passionierter Tüftler am Zug

Gleise zusammenstecken für eine Modellbahn - das hat Manfred Mausbach hinter sich gelassen. Er baut seine Gleise selber, die Landschaft sowieso, und alles nach Original. Seit fünf Jahren arbeitet er an einer Szenerie der Mariazeller Bahn in Österreich.

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  • Auch die Gleise baut Manfred Mausbach exakt nach: Mit Spurlehren wird der richtige Abstand der Stahlprofile gewährleistet, die an jeder Schwelle mit einem Kleineisen fixiert und vernagelt werden. 2/4
    Auch die Gleise baut Manfred Mausbach exakt nach: Mit Spurlehren wird der richtige Abstand der Stahlprofile gewährleistet, die an jeder Schwelle mit einem Kleineisen fixiert und vernagelt werden.
  • Täuschend echt auch im Detail: Der Holzhäuser Modellbahner hat auf seiner Anlage einen Abschnitt der Mariazeller Bahn nachgebaut. Fotos: Manfred Mausbach 3/4
    Täuschend echt auch im Detail: Der Holzhäuser Modellbahner hat auf seiner Anlage einen Abschnitt der Mariazeller Bahn nachgebaut. Fotos: Manfred Mausbach
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Selber Modellbahngleise bauen - wie geht das? Das musste Mausbach auch erst herausfinden. Er ist mit der Märklin-Modelleisenbahn aufgewachsen, hat sogar selber bei Märklin als Werzeugmacher gearbeitet. "Ich war immer ein Modellbahner, mehr oder weniger aktiv", sagt er. Mal hat er seine raumfüllende H0-Anlage weggepackt und sich kleinere angeschafft, in Spur N und in Spur Z - die Märklin Miniclub. Was ihm den Spott eines Arbeitskollegen eintrug: "Du bist kein Modelleisenbahner, du bist ein Spurwechsler." Was ihn wurmte.

Eine Weiche sollte sein Leben verändern. Keine gewöhnliche aus dem Katalog, sondern ein größeres Modell, das Schwellen aus Holz hatte. Die hat Mausbach mal bei den Märklintagen gesehen. Das elektrisierte ihn. Und irgendwann hat er ein schlaues Büchlein in die Hand bekommen, das die Anleitung für den Gleisbau gab.

"Als das klar war, konnte es losgehen", erzählt der Holzhäuser freudestrahlend. Eine neue Dimension von Modellbau lag vor ihm: Er konnte daran gehen, Gleise in allen möglichen Radien herzustellen, so wie es die große Eisenbahn vorgibt. Er konnte reale Bahnstrecken nachbauen. Davon hatte er immer geträumt. Er brauchte jetzt nur noch eine Strecke auszuwählen.

"Ich wollte die Bernina-Bahn nachbauen", erzählt er. Den berühmten Schweizer Glacier-Express, der sich über mächtige Viadukte durch die Alpen schlängelt. "Ich hatte schon angefangen mit der Landschaft." Aber dann stampfte er sie wieder ein. Es war der weithin bekannte Hagen von Ortloff, der König der Eisenbahn-Romantik, der Mausbach mit einer seiner Sendungen auf eine andere Spur brachte: auf die Mariazeller Bahn in Niederösterreich. Die hat auch landschaftlichen Charme und eine große Geschichte. Als Pilgerbahn nach Mariazell wurde sie gebaut und vor 100 Jahren elektrifiziert. Vor Jahren drohte ihr das Aus. Jetzt geht es weiter, aber an der Strecke soll es Veränderungen geben.

Der Eisenbahnfreund kennt die Strecke mittlerweile wie seine Westentasche. Mit seiner Frau hat er Urlaub in Österreich gemacht und sich die Bahnlinie angeschaut, ist jedes Jahr ein paarmal hingefahren. 90 Kilometer Strecke hat er ausgekundschaftet, hunderte Fotos geschossen und sich für einen Abschnitt entschieden: die Nattertalkehre zwischen Laubentalmühle und Winterbach. Die ist er abgelaufen und hat sie dokumentiert wie ein Landvermesser. Seine Fotos zeigen ihm eine Abfolge der Bahn in der Landschaft, einen Wechsel von ebenerdiger Strecke, Tunnel und Gleisdamm, sie zeigen einen idyllischen Bach mit einem Steg, ein einsames Haus in dem ganzen stillen Tal und bewaldete Hänge. Der Modellbahner hat auch wechselnde Abstände der Oberleitungsmasten eruiert. Und für den exakten Gleisverlauf hat er das Satellitenbild aus dem Internet. Der Holzhäuser hat daraus Werkpläne entwickelt, mit Planabschnitten und Abmessungen.

Bis heute ist daraus eine Anlage mit etwa zwölf Metern Gleisstrecke in der Schmalspurgröße H0e geworden, die gar nicht mehr in den Hobbyraum passt. Er hat schon zwei Teile ausgegliedert. Was kein Problem ist, weil er mit Modulen arbeitet. Auch die Grundfläche von vier mal 1,70 Meter ist wie aus Bausteinen zusammengesetzt. Was der Betrachter nicht sieht. Was er sieht, ist eine Modelleisenbahn, die den Fotos vom Original fast aufs i-Tüpfelchen gleicht. "Ich will ein möglichst exaktes Abbild der Natur."

"Learning bei doing" war das für den Modellbahner. Er baut seine Gleise mit Stahlprofilen. Die kriegt er im Handel, ebenso wie die Mini-Holzschwellen, die er nach einem Gleisplan verlegt. Das Gleis muss er auf jeder Schwelle mit vier winzigen Nägeln befestigen. "Da kommen 400 Nägel auf 75 Zentimeter Strecke", erläutert er. Mausbach legt die Stahlprofile im fingerbreiten Abstand auf, bei Kurvenstücken mit einem vorgespannten Radius. Der Clou: Mit einer Spurlehre kann er die neun Millimeter Spurweite exakt festzurren. Er braucht davon mehrere und verteilt sie auf die Strecke. Und jetzt wird's noch fisseliger. Die Stahlprofile werden an jeder Schwelle mit einem Kleineisen fixiert und vernagelt. Den Schotter, "echten Schotter", bringt er mit einer Spritze zwischen die Schwellen auf und beträufelt sie mit Weißleim. Die speziellen Oberleitungsmasten an der Strecke - die Österreicher führten damit auch die Stromleitung - muss er mit Isolatoren bestücken. Dafür hat er sich eine Vorrichtung gebaut. Die Tunnels verkleidet er mit echten Schieferbausteinchen, auch im Innenbogen.

Zeit, viel Zeit, kostet der Anlagen-Wald. Nicht weniger als 220 Bäume hat Mausbach schon modelliert. Die Fichten mit ihrem dichten Astwerk sind besonders arbeitsintensiv. Er greift eine heraus: "Dafür brauche ich zehn Stunden." Es sind freilich auch Exemplare bis zu 30 Zentimetern. Sie entstehen aus Rohlingen, die der Schmalspurfan größtenteils selbst hergestellt. Er nimmt Kupferkabel vom Baumarkt, verdrillt ihn, biegt die Äste heraus oder lötet sie an. Das Holz formt er mit einer Paste, je nachdem mit Rindenstruktur, und für das Grün gibt es "Beflockung". Der Bastler nimmt mit der Pinzette so eine kleine grüne Matte, die es in Bastelgeschäften gibt, setzt sie auf einen Ast, klebt sie fest.

Der frühere Ebersbacher hat seine Anlage mittlerweile schon bei einer Modellbahnschau in Esslingen präsentiert. Anerkennung bekam er von OB Dr. Jürgen Zieger: "Diese Anlage kann man schon als Ihre Passion bezeichnen." Was Mausbach nicht leugnet. Gefreut hat ihn auch, dass dort ein Hobbykollege mit einem Wunsch auf ihn zukam: Er habe eine Diesellok dabei, ob er die auf die Anlage fahren dürfe? Er durfte. "Der ist dann stundenlang gefahren." Weitere Auftritte plant der Modellbahner nicht. "Noch ist es zu aufwendig, die Anlage zu transportieren." Mittlerweile kennt der 54-Jährige auch Hobbykollegen, die "nageln". Einen aus dem Kreis und etliche vom Freundeskreis europäischer Modellbahner. Bei einem ihrer Treffen hat er gestaunt über hunderte Meter von selbstgebauten Schienen. "Das kann eine Stunde und mehr dauern, bis ein Zug durch ist." Vielleicht, dass er sich da mal einklinkt, ob mit seiner Anlage oder auch sonst.

Aber noch beschäftigt ihn der Nachbau der Mariazeller Bahn. "Ein, zwei Jahre werden das noch", schätzt er. Und fertig sei eine Anlage sowieso nie. Auf acht bis zehn Meter Länge würde er sie gerne ausbauen. Aber gut möglich, das bei sieben Schluss ist.

1800 Stunden hat der Holzhäuser schon investiert, das sind gut 300 Stunden pro Jahr. Die verteilen sich ziemlich gleichmäßig übers Jahr. "Es ist eine Sucht", sagt er. Aber er kann auch mal eine Woche ohne sein Hobby leben. Grenzen setzt ihm sein Berufsleben. Der Maschinenbauer ist öfters auf Montage, da ist die Anlage weit weg. "Ich freue mich dann schon aufs Wochenende, um wieder einen Wald zu drehen", schmunzelt er. Was er auch vor dem Fernseher macht.

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